Rentenreform, Kommission

Rentenreform: Kommission schlägt Renteneintrittsalter bis 67,5 vor

24.06.2026 - 06:11:08 | boerse-global.de

Die geplanten Rentenreformen stoßen auf breiten Widerstand von Gewerkschaften und Teilen der Wirtschaft. Verdi und DGB fordern Nachbesserungen.

Rentenreformpläne: Gewerkschaften und Wirtschaft üben scharfe Kritik
Rentenreform - Ein Gewerkschaftsführer spricht ernsthaft in ein Mikrofon bei einer Pressekonferenz, mit einem unscharfen Hintergrund eines Regierungsgebäudes. 24.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Verdi-Chef Frank Werneke bezeichnet die Pläne als unvereinbar mit der Lebenswirklichkeit vieler Beschäftigter und warnt die Bundesregierung vor einer Umsetzung ohne Änderungen.

Die 33 Empfehlungen der Rentenkommission vom 22. Juni zielen auf eine grundlegende Neuordnung der Altersvorsorge ab. Kanzler Merz und Ministerin Bas wollen das Paket vollständig umsetzen. Doch zentrale Punkte stoßen auf scharfe Ablehnung.

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Gewerkschaften fordern Sicherung des Rentenniveaus

Werneke betonte am Dienstag gegenüber phoenix: Eine Rentenreform dürfe nicht gegen die Interessen der Versicherten durchgesetzt werden. Er fordert eine absolute Sicherheit, dass das Rentenniveau nie unter 48 Prozent sinkt.

Kritik übt er auch an der geplanten Finanzierung aus dem Bundeshaushalt ab 2031. Zudem sorgt er sich, dass eine paritätisch finanzierte Kapitalrente den Druck auf betriebliche Altersvorsorgesysteme erhöht.

DGB-Chefin Yasmin Fahimi bezeichnet die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren als falsch. Werneke ergänzt: Das Ende der Rente mit 63 sei eine Missachtung der Lebensleistung vieler Arbeitnehmer.

Auch aus den Reihen der SPD-Ministerpräsidenten kommt Widerstand. Manuela Schwesig lehnt eine Eins-zu-eins-Umsetzung ab und kritisiert die geplante Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung.

Wirtschaft gespalten – Arbeitgeber warnen vor Milliardenlast

Innerhalb der Wirtschaft fallen die Reaktionen unterschiedlich aus. DIHK-Präsident Peter Adrian lobt den vorgesehenen Stopp der Frühverrentung. Das System könnte dadurch jährlich rund 10 Milliarden Euro entlastet werden. Auch der BDI sieht eine Chance, den Anstieg der Lohnnebenkosten zu verlangsamen.

Ganz anders klingt es bei Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger. Er lehnt die geplante staatliche Kapitalrente deutlich ab. Seine Warnung: Die paritätischen Zusatzbeiträge von 2 Prozent würden die Unternehmen mit 40 Milliarden Euro belasten.

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Die Deutsche Aktuarvereinigung und der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft plädieren stattdessen für eine Stärkung privater und betrieblicher Vorsorgemodelle.

Die Kernpunkte der Reform bis 2041

Die Kommission schlägt weitreichende Veränderungen vor, um die langfristige Finanzierbarkeit zu sichern:

  • Renteneintrittsalter: Ab 2031 an die Lebenserwartung gekoppelt, bis 2041 auf 67,5 Jahre steigend
  • Erweiterter Versichertenkreis: Beamte, Abgeordnete und Selbstständige sollen künftig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen
  • Kapitalrente: Ab 2028 eine kapitalgedeckte Zusatzrente mit paritätischem Zusatzbeitrag von schrittweise 2 Prozent
  • Minijobs: Weitgehende Abschaffung, nur noch für Schüler zugänglich – CSU-Chef Markus Söder kritisiert das scharf

Trotz der breiten Kritik halten Kanzler Merz und Ministerin Bas am „Gesamtkunstwerk“ fest. Ein Bundestagsbeschluss wird für den Herbst angestrebt. Prof. Jörg Rocholl aus der Rentenkommission verteidigt den Entwurf: Ein Übergangsfaktor sichere die Haltelinie von 48 Prozent beim Rentenniveau vorerst. Langfristig soll ein Alterseinkommen von 70 Prozent des Nettoeinkommens ermöglicht werden.

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