Stahlproduktion, Studie

Stahlproduktion: Studie zeigt Weg zur Klimaneutralität bis 2035

24.06.2026 - 06:06:49 | boerse-global.de

Eine Studie der Uni Mannheim zeigt Bedingungen für wettbewerbsfähige grüne Stahlherstellung auf. Garantierte Energiepreise sind zentral.

Studie: Klimaneutrale Stahlproduktion wirtschaftlich machbar
Stahlproduktion - Nahaufnahme von geschmolzenem Stahl, der in einem modernen, sauberen Stahlwerk vergossen wird, mit Dampf und Funken. 24.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Eine neue Studie der Universität Mannheim zeigt: Die Umstellung auf klimaneutrale Stahlproduktion ist wirtschaftlich machbar. Die im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung erstellte Untersuchung benennt konkrete Bedingungen, unter denen die Branche international wettbewerbsfähig bleibt.

Garantierte Energiepreise als Schlüssel

Die Autoren Tom Krebs und Patrick Kaczmarczyk setzen klare Schwellenwerte. Ein garantierter Industriestrompreis von 60 Euro pro Megawattstunde müsse bis 2035 festgeschrieben werden. Auch ein Wasserstoffpreis von 140 Euro pro Megawattstunde sei nötig, um die Kosten neuer Verfahren abzufedern.

Die Analyse schlägt zudem eine staatliche Investitionsförderung von 50 Prozent der Gesamtsumme vor. Neben Finanzhilfen empfehlen die Wissenschaftler staatliche Beteiligungen und eine Bevorzugung inländischer Produzenten bei öffentlichen Aufträgen. Das soll die Planungssicherheit für Unternehmen erhöhen.

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Branche unter Druck

Die Studie erscheint in einer schwierigen Phase für die Stahlindustrie. Jürgen Kerner, stellvertretender Vorsitzender der IG Metall, betont: Die Branche habe eine Zukunft. Doch der Konzern ArcelorMittal hat Investitionen in die grüne Transformation an deutschen Standorten gestoppt. Die Gewerkschaft fordert einen nationalen Stahlgipfel.

Das gesamtwirtschaftliche Umfeld macht es nicht leichter. Der BDI senkte seine Wachstumsprognose für 2026 auf 0,4 Prozent – zuvor war ein Prozent erwartet worden. BDI-Präsident Peter Leibinger mahnt ein umfassendes Reformpaket an. Laut DIHK-Umfrage planen nur 22 Prozent der Unternehmen höhere Investitionen, ein Drittel erwägt Kürzungen.

Technologie als Trumpf

Trotz der Unsicherheiten verweisen Experten auf die technische Kompetenz am Standort. In Linz wurde ein Ausstellungszentrum der voestalpine wiedereröffnet – mit rund 40 Tonnen einer CO2-reduzierten Stahledition verbaut. CEO Herbert Eibensteiner nennt Innovation und Nachhaltigkeit als zentrale Wettbewerbsfaktoren.

Ein Start-up aus Wernigerode testet derweil eine vollelektrische Kalzinierungstechnologie für die Kalk- und Zementindustrie. Solche Verfahren könnten künftig helfen, CO2-Emissionen effizienter abzuscheiden. Das Potenzial für klimaneutrale Wertschöpfung ist da – die Politik muss nur die richtigen Rahmenbedingungen schaffen.

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