Rentenkommission am 23. Juni: Rente mit 63 steht auf der Kippe
21.06.2026 - 12:31:25 | boerse-global.de
Eine neue Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) belegt: Immer mehr Arbeitnehmer gehen vorzeitig in Rente, bleiben aber sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Seit Januar 2023 ist der Trend rasant gestiegen.
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Der Boom der „Rente mit Job“
Besonders deutlich wird die Entwicklung bei den besonders langjährig Versicherten. Sie können nach 45 Beitragsjahren abschlagsfrei in Rente gehen. 2019 jobbte nur jeder Zehnte von ihnen nennenswert dazu. 2024 ist es bereits mehr als jeder Vierte: Die Quote stieg von 18 Prozent (2022) auf 26,4 Prozent.
Ähnlich sieht es bei den langjährig Versicherten mit mindestens 35 Jahren Beitragszeit aus. Sie dürfen ab 63 mit Abschlägen in Rente. Hier verdoppelte sich der Anteil der Erwerbstätigen nahezu – von 8 Prozent (2022) auf 14,5 Prozent (2024). Und die verdienen ordentlich: Frührentner mit Job erzielten 2024 rund ein Viertel mehr Einkommen als reguläre Altersrentner, die ebenfalls arbeiten.
Widersprüchliche Signale an die Babyboomer
IW-Ökonomin Stefanie Seele kritisiert die Entwicklung scharf. Die Politik sende den Babyboomern völlig widersprüchliche Signale. Einerseits fehlen Fachkräfte, andererseits locke die Kombination aus früher Rente und unbegrenztem Hinzuverdienst mit finanziellen Vorteilen. Das Ergebnis: Der Anteil der besonders langjährig Versicherten an allen neuen Renten stieg von 19,4 Prozent (2020) auf 24 Prozent (2024). Gleichzeitig sank das durchschnittliche Zugangsalter.
Vor der Reform galt eine strikte Grenze: Maximal 6.300 Euro durften Frührentner jährlich hinzuverdienen, sonst wurde die Rente gekürzt. Seit dem Wegfall dieser Schranke ist unbegrenztes Einkommen möglich – ohne Abzüge. Eine offizielle Evaluierung der Regierung ist erst für 2027 geplant.
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Streit um die Rente mit 63
Die Studie fällt in eine heiße politische Phase. Am 23. Juni 2026 legt die Rentenkommission ihre Empfehlungen vor. Schon jetzt ist durchgesickert: Das Gremium könnte die Kopplung des Renteneintrittsalters an die Lebenserwartung vorschlagen. Und die abschlagsfreie Rente mit 63 steht auf der Kippe.
Die Abgeordneten Stefan Nacke (CDU) und Armin Grau (Grüne) ziehen mit einem Positionspapier nach. Sie fordern ebenfalls die Abschaffung der abschlagsfreien Frührente. Ihr Ziel: Anreize für den frühen Ausstieg abbauen, Menschen länger im Job halten. Weitere Vorschläge: eine verpflichtende betriebliche Altersvorsorge und die Sozialversicherungspflicht für Minijobs – mit Ausnahmen für Jugendliche und Rentner.
Aktivrente: Viel Lärm um wenig?
Seit Januar 2026 gibt es die sogenannte Aktivrente. Sie erlaubt Rentnern ab der Regelaltersgrenze einen steuerfreien Zuverdienst von bis zu 24.000 Euro pro Jahr. Doch Arbeitsmarktforscher wie Martin Brussig vom IAQ sind skeptisch. Schon bisher erzielte nur ein kleiner Teil der Rentner hohe Erwerbseinkommen. Ob die Aktivrente wirklich viele zusätzliche Arbeitskräfte mobilisiert, ist fraglich.
DIW-Präsident Marcel Fratzscher geht noch weiter. Die aktuellen Reformvorschläge seien insgesamt zu zaghaft. Er fordert mehr Mut bei der Bekämpfung von Altersarmut und mehr Generationengerechtigkeit. Immerhin: Ansätze zur Reduzierung von Frühverrentungen und zur Stärkung der kapitalgedeckten Vorsorge begrüßt er grundsätzlich.
