Quereinsteiger gesucht: 8.000 Jobs ohne Ausbildung im Juli
05.07.2026 - 22:33:15 | boerse-global.de
Das prognostiziert das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Schon heute sind die Folgen spürbar: Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zählte für 2024 rund 570.000 unbesetzte Stellen – mit einem wirtschaftlichen Schaden von 49 Milliarden Euro. Bis 2027 könnte diese Summe auf 74 Milliarden Euro steigen.
Die Reaktion der Unternehmen: Sie öffnen sich verstärkt für Bewerber ohne klassische Ausbildung. Quereinsteiger sind gefragter denn je.
Tausende Jobs ohne Ausbildung
Anfang Juli 2026 waren auf einem führenden Stellenportal bundesweit über 8.000 Positionen explizit für Quereinsteiger ausgeschrieben. Das Spektrum reicht von der Kanalreinigung über den Baustoffverkauf bis zu Führungspositionen im Bildungsbereich.
Regional zeigen sich klare Schwerpunkte. In Berlin fanden sich knapp 3.000 Stellen ohne Ausbildungsvoraussetzung. Mechaniker verdienen dort zwischen 3.500 und 4.000 Euro brutto monatlich, im Umzugsservice sind Einstiegsgehälter von bis zu 1.200 Euro für Azubis üblich. Auch in Heilbronn sind hunderte offene Stellen in der Lasertechnik und im industriellen Dienstleistungssektor zu besetzen.
Gut bezahlte Einstiege
Der Quereinstieg kann sich finanziell lohnen. Im Social Media Management liegt das Durchschnittsgehalt bei rund 60.460 Euro pro Jahr, Spitzengehälter erreichen bis zu 82.300 Euro.
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Auch im Home-Office gibt es attraktive Optionen. Im Vertrieb sind monatlich 3.000 bis 6.000 Euro brutto drin, im Online-Marketing bis zu 5.000 Euro. Der IT-Support zahlt Quereinsteigern zwischen 2.800 und 3.800 Euro, im klassischen Kundenservice sind Einstiege ab 2.000 Euro möglich.
Öffentlicher Dienst und Industrie ziehen nach
Der öffentliche Dienst öffnet sich für Personal ohne Verwaltungsausbildung – allerdings meist nur für einfache Tätigkeiten in Reinigung, Bauhof oder Sicherheitsdienst. Die Bezahlung erfolgt nach TVöD in den Entgeltgruppen E2 bis E4. Ein Aufstieg in die Verwaltung oder eine Verbeamtung erfordern zusätzliche Qualifikationen.
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Großkonzerne investieren massiv in neue Mitarbeiter. Siemens plant bis 2030 die Schaffung von 700 neuen Arbeitsplätzen im Rhein-Main-Gebiet – gezielt für die Energiewende. Die Bundesagentur für Arbeit hilft bei der Umschulung von Personal aus anderen Industriezweigen.
Auch die Rüstungsbranche profitiert vom Fachkräftemangel. Zwischen Dezember 2024 und Juni 2026 wechselten 332 Bundeswehr-Angehörige in die private Verteidigungswirtschaft. Der Renteneintritt der Babyboomer und die hohe Nachfrage nach Sicherheitsexpertise treiben diesen Trend.
Unternehmen setzen auf Umschulung
Die Deutsche Bahn veranstaltet im Juli 2026 mehrere Karriere-Events in Süddeutschland. Gesucht werden Lokführer und Zugverkehrssteuerer – Voraussetzung: Schulabschluss und Sprachkenntnisse auf B2-Niveau. Die regionale Arbeitsagentur Bamberg-Coburg hat derweil spezielle Umschulungsinitiativen gestartet. Dort waren zuletzt über 5.500 Stellen unbesetzt.
