Pflegekrise, Fachkräfte

Pflegekrise: 350.000 Fachkräfte fehlen bis 2033, Reform steckt fest

Veröffentlicht: 12.07.2026 um 03:40 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Hunderttausende osteuropäische Betreuungskräfte arbeiten ohne klaren Rechtsstatus. Der Pflegerat warnt vor massivem Fachkräftemangel bis 2033.

24-Stunden-Pflege in Deutschland: Rechtliche Grauzone für 700.000 Kräfte
Erschöpfte Betreuungskraft sitzt an einem Küchentisch, während im Hintergrund eine ältere Person unscharf zu sehen ist. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Während der Deutsche Pflegerat vor einem massiven Kräftemangel warnt, arbeiten Hunderttausende osteuropäische Live-ins ohne klaren Rechtsstatus.

Der Bundestag verabschiedete am 10. Juli das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz mit 319 zu 286 Stimmen. Der Bundesrat stimmte am Folgetag zu. Ab 2027 drohen Versicherten höhere Zuzahlungen. Der Deutsche Pflegerat kritisierte die Reform scharf: Sie schwäche die pflegerische Versorgung und nutze notwendige Kompetenzen nicht verbindlich.

Höchstrichterliche Urteile – kaum Wirkung

Die Lage der schätzungsweise 700.000 Betreuungskräfte bleibt prekär. Arbeitsrechtlerin Eva Kocher betont: Eine echte 24-Stunden-Betreuung durch eine einzelne Person ist rechtssicher kaum machbar. Das Bundesarbeitsgericht entschied bereits 2021, dass Bereitschaftszeiten als Arbeitszeit gelten und vergütet werden müssen. Die Realität sieht anders aus.

Vertragsanalysen zeigen: Agenturen sichern sich hohe Flexibilität, während Betreuungskräften bei Kündigung empfindliche Strafen drohen. Viele arbeiten scheinselbstständig – ein Trick, um arbeitsrechtliche Schutzbestimmungen zu umgehen. Der Koalitionsvertrag verspricht eine rechtssichere Grundlage. Passiert ist bislang nichts.

Wenn die Grenzen zwischen Arbeit und Leben verschwimmen

Betroffene berichten von enormer psychischer Belastung, besonders bei der Versorgung von Demenzkranken. Die Kommunikation mit ambulanten Pflegediensten funktioniert oft nicht. Viele Live-ins leben in ständiger Wartestellung – Arbeits- und Freizeit verschmelzen.

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Ma?gorzata Kocia arbeitet seit 2007 in der Branche. Sie durchlief Schwarzarbeit, Agenturmodelle und Selbstständigkeit. Ihr Problem: In einem privaten Haushalt die eigenen Ruhezeiten durchzusetzen. Experten raten Familien deshalb zum Pflegemix – statt sich auf eine einzelne Kraft zu verlassen.

350.000 Pflegekräfte fehlen bis 2033

Der Druck aufs System wächst rasant. Der Deutsche Pflegerat rechnet bis 2033 mit über 350.000 fehlenden Pflegenden. Allein in der stationären Langzeitpflege bleiben 115.000 Vollzeitstellen unbesetzt. Die Forderung: Tarifsteigerungen vollständig refinanzieren und verbindliche Personalbemessung einführen.

Auch Österreich kämpft mit Engpässen. Die Förderung für 24-Stunden-Betreuung stieg 2023 von 550 auf 800 Euro monatlich. Die Einkommensgrenze für den Bezug liegt seit 19 Jahren bei 2500 Euro. Die Folge: Betreuungskräfte wandern nach Deutschland, in die Schweiz oder nach Italien ab.

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Pflegegeld: Keine Bewegung bis 2028

Für Pflegebedürftige ändert sich finanziell wenig. Die Pflegegeldbeträge liegen im Juli 2026 zwischen 347 Euro (Pflegegrad 2) und 990 Euro (Pflegegrad 5). Eine Dynamisierung ist erst zum 1. Januar 2028 geplant. Die Anpassung orientiert sich an der kumulierten Kerninflationsrate der letzten drei Jahre – gedeckelt durch die Lohnentwicklung.

Kritik gibt es am Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG). Einrichtungsleitungen warnen vor Bürokratie-Überlastung und möglichen Kürzungen von Überbrückungsbudgets. Das würde alternative Wohn- und Betreuungsformen zusätzlich erschweren.

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