6,8 Millionen Minijobber: Reformpläne spalten Wirtschaft und Politik
Veröffentlicht: 12.07.2026 um 03:48 Uhr, Redaktion boerse-global.de
In einem Brandbrief an Bundestagspräsidentin Bärbel Bas und die Parlamentarische Staatssekretärin Gerda Warken vom 10. Juli 2026 sprechen sich der Handelsverband Deutschland (HDE), der Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) sowie Landwirtschaftsverbände gegen die Reformpläne aus. Die Folgen wären nach Einschätzung der Unterzeichner „irreversibel“ für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Besonders in personalintensiven Branchen wie Gastronomie, Einzelhandel und Landwirtschaft seien Minijobs ein notwendiges Instrument für betriebliche Flexibilität.
Söder attackiert Rentenkommission
CSU-Chef Markus Söder bezog am 11. Juli 2026 in der Augsburger Allgemeinen klar Stellung. „Die Minijobs müssen bleiben“, sagte er. Eine Abschaffung sei falsch und würde den betroffenen Branchen massiv schaden. Stattdessen fordert Söder strukturelle Reformen im Rentensystem: die Abschaffung der Rente mit 63 und den Einstieg in eine kapitalgedeckte Altersvorsorge.
Bundeskanzler Friedrich Merz hatte bereits klargestellt, dass eine komplette Abschaffung der Minijobs nicht geplant sei. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) stufte Söders Positionen dagegen als rückwärtsgewandt ein.
Was die Rentenkommission wirklich vorschlägt
Hintergrund der Debatte sind konkrete Empfehlungen der Rentenkommission. Sie sieht eine weitgehende Angleichung der Minijobs an die reguläre Sozialversicherungspflicht vor. Konkret geht es um drei Punkte: Die Pauschalsteuer für Arbeitgeber soll von zwei auf fünf Prozent steigen. Minijobber sollen künftig verpflichtend in die Rentenversicherung einzahlen – die bisherige Opt-out-Regelung würde wegfallen.
Angesichts der aktuellen Reformdebatte und steigender Anforderungen im Personalwesen ist ein rechtssicherer Vertrag für geringfügig Beschäftigte wichtiger denn je. Diese kostenlose Mustervorlage schützt Arbeitgeber vor rechtlichen Fallstricken und ist sofort zum Download verfügbar. Rechtssicheren Minijob-Arbeitsvertrag jetzt kostenlos herunterladen
Doch genau diese Pläne stoßen auf breite Kritik. Ulrich Walwei, Arbeitsmarktexperte am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), bezeichnete die Vorschläge am 11. Juli 2026 als halbherzig.
Rechnet sich die Reform für den Staat?
Walwei rechnet vor: Bei einer Verdienstgrenze von 603 Euro monatlich würden die Betriebe durch die höhere Pauschalsteuer und die verpflichtende Rentenversicherung mit etwa 18 Euro Mehrkosten pro Minijobber belastet. Der Staat könnte zwar Mehreinnahmen zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Euro erzielen.
Doch das löst nach Ansicht des Experten nicht die Kernprobleme: schwache Brückeneffekte in reguläre Beschäftigung oder die Verdrängung sozialversicherungspflichtiger Stellen.
Ob neue Verdienstgrenzen oder geänderte Abgabepflichten – für Arbeitgeber und Personaler ist es entscheidend, bei der Abrechnung von Minijobbern stets auf dem neuesten Stand zu bleiben. Dieser Experten-Report zeigt Ihnen, wie Sie Ihre Verträge aktuell halten und rechtssicher auf Gesetzesänderungen reagieren. Kostenlose Mustervorlage und Experten-Tipps für Minijobber sichern
6,8 Millionen Minijobber – und fast keiner zahlt ein
Die aktuelle Statistik zeigt die Relevanz der geringfügigen Beschäftigung. Im ersten Quartal 2026 gab es in Deutschland rund 6,8 Millionen Minijobber. Doch nur 20,9 Prozent von ihnen waren rentenversicherungspflichtig. Der Großteil nutzt die Befreiungsmöglichkeit.
Unabhängig von der Reformdebatte stehen bereits feste Anpassungen an. Zum 1. Januar 2027 steigt der gesetzliche Mindestlohn auf 14,60 Euro pro Stunde. Die monatliche Verdienstgrenze für Minijobs wird turnusgemäß von 603 auf 633 Euro angehoben – das entspricht einem Jahresverdienst von 7.596 Euro.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
