NIS-2: 62 Prozent der Unternehmen versäumten Registrierungsfrist
22.06.2026 - 19:18:32 | boerse-global.de
Compliance ist kein notwendiges Übel mehr – sie wird zur strategischen Kennzahl.
Störungen kosten Billionen
Supply-Chain-Probleme kosten Unternehmen jährlich mehr als 1,6 Billionen US-Dollar an verlorenem Umsatzwachstum. Das zeigt eine Analyse von Accenture. Über die Hälfte der betroffenen Firmen büßt bei Störungen mindestens einen Monat ihrer operativen Kapazität ein.
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Der Gegenbeweis: Organisationen mit resilienten Lieferketten wachsen um 3,6 Prozent schneller. Zolleskalationen haben 2025 globale Handelsströme im Wert von über 400 Milliarden US-Dollar verschoben, so das World Economic Forum.
Nachhaltigkeit als Wettbewerbsvorteil
65 Prozent der Führungskräfte sehen Lieferketten-Nachhaltigkeit inzwischen als klaren Wettbewerbsvorteil. Das ergibt der Sustainable Procurement Barometer 2026. Führende Beschaffungsorganisationen setzen dabei auf Innovationen als Treiber für den Return on Investment.
Ecovadis und BCG beziffern den ROI durch konsequente Verlustvermeidung auf das Drei- bis Sechsfache der eingesetzten Mittel.
NIS-2: Viele Unternehmen säumen Pflichten
Seit dem 6. Dezember 2025 ist das NIS-2-Umsetzungsgesetz in Deutschland wirksam. Rund 30.000 Unternehmen fallen unter die Meldepflicht. Doch bis zum Stichtag am 6. März 2026 hatten 62 Prozent der Betroffenen die Erstregistrierung beim BSI versäumt.
Die Strafen sind empfindlich: Bußgelder bis zu 10 Millionen Euro oder 2 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Zusätzlich droht persönliche Haftung für die Geschäftsführung.
Am 26. Mai 2026 konkretisierte das Bundesinnenministerium mit dem Kritis-Verordnungsentwurf die Anforderungen für kritische Anlagen. Im Energiesektor gelten neue Schwellenwerte für Netzanbindung und Fernkälteversorgung.
EU AI Act: Frist läuft
Für Hochrisiko-KI-Systeme endet die Frist für Governance-Auflagen am 2. August 2026. Bei Verstößen drohen Sanktionen von bis zu 35 Millionen Euro oder 7 Prozent des weltweiten Umsatzes.
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KI hilft bei der Bewältigung
Mitte Juni 2026 gaben T-Systems und SupplyOn eine Kooperation bekannt. Sie binden die Industrial AI Cloud an die Lieferketten-Plattform von SupplyOn an. Rund 140.000 Unternehmen erhalten damit Zugang zu KI-basierten Sourcing-Diensten.
Auch SAP integriert zunehmend KI-Agenten in seine ERP-Systeme. Ziel: Logistikkosten senken und Fehlerquoten in der Produktion minimieren.
Nachholbedarf beim Risikomanagement
Knapp die Hälfte der Unternehmen nutzt noch kein spezialisiertes System für das Third Party Risk Management. Dabei planen 96 Prozent der Befragten, ihr Lieferanten-Ökosystem weiter auszubauen, so ein Report von BlueVoyant.
Die Verantwortung für Compliance liegt in 64 Prozent der Fälle außerhalb der IT – etwa beim Einkauf oder in der Rechtsabteilung.
Transparenz nimmt zu – aber langsam
Neben klassischen Kennzahlen wie Liefertreue gewinnen compliance-relevante Daten an Bedeutung: Zollabfertigungsdauer oder der Status als zugelassener Wirtschaftsbeteiligter (AEO).
Die CSRD-Richtlinie verpflichtet künftig weniger Unternehmen direkt zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. Freiwillige Standards für kleinere Betriebe rücken in den Fokus. In den USA fordert das kalifornische Gesetz SB 253 ab 2026 Berichte zu Scope-1- und Scope-2-Emissionen, Scope-3 folgt 2027.
Der Einblick in direkte Zulieferer (Tier-1) stieg von 27 Prozent im Jahr 2024 auf 48 Prozent. Tiefere Lieferstufen bleiben oft undurchsichtig.
