Psychische, Belastung

Psychische Belastung: Arbeitsschutzgesetz schreibt Prävention vor

22.06.2026 - 19:34:01 | boerse-global.de

Hohe Fehlzeiten durch Muskel-Skelett-Erkrankungen und steigende psychische Belastungen setzen Handwerksbetriebe unter Druck.

Krankenstand 2024: Psychische Leiden belasten Betriebe zunehmend
Psychische - Ein Handwerker sitzt nachdenklich mit dem Kopf in den Händen in einer Werkstatt, umgeben von Werkzeugen, was psychische Belastung darstellt. 22.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die IKK classic verzeichnet für 2024 eine Krankenquote von 7,0 Prozent – das sind 20,3 Fehltage pro Mitarbeiter. Psychische Belastungen legen zu: Mit 14,2 Prozent am Krankheitsgeschehen rangieren sie hinter Atemwegsinfekten (17,9 Prozent) auf Platz drei.

Wirtschaftlicher Druck auf Betriebe

Jeder Krankheitstag kostet Handwerksbetriebe rund 250 Euro. Für viele Firmen wird das zum Problem. Die Lösung liegt in der Prävention – und die ist seit 2013 gesetzlich verankert. Das Arbeitsschutzgesetz schreibt in § 5 Abs. 3 Ziff. 6 die Berücksichtigung psychischer Faktoren in der Gefährdungsbeurteilung vor.

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Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat klare Kriterien definiert: Handlungsspielraum, klare Aufgaben, soziale Unterstützung und geregelte Pausen. Bei Schichtarbeit empfiehlt die Behörde Vorwärtswechsel und maximal drei Nachtschichten in Folge. Ergänzend greifen die DGUV-Regeln 8004 (psychische Belastung) und 8003 (Betriebliches Eingliederungsmanagement).

Psychische Gesundheit in der Ausbildung

Besonders betroffen sind Azubis. Auf einer Ausbilderkonferenz in Münster warnte die Pädagogin Uljana Bauer von der HWK Unterfranken vor den Folgen von Depressionen, Ängsten und ADHS im Ausbildungsalltag. Ausbilder müssten Warnsignale früh erkennen und professionelle Gespräche führen.

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Hilfe kommt von den Kammern: Ende Juni 2026 veranstalten IHK und HWK aus Magdeburg und Halle einen Online-Workshop zu Prävention und Hilfsangeboten. Die HWK Saarland bietet kostenfreie Beratungen zur Ausbildung an. Dort gibt es auch eine personelle Veränderung: Hans-Ulrich Thalhofer wurde Mitte Juni zum neuen Hauptgeschäftsführer gewählt.

KI als Unterstützung – aber kein Ersatz

Die Wartezeiten auf Therapieplätze liegen in Deutschland bei durchschnittlich 20 Wochen. Kein Wunder also, dass KI-basierte Chatbots als erste Anlaufstelle diskutiert werden. Eine Meta-Analyse von Martin S. Hagger in „Stress and Health“ zeigt: Autonomie, Kompetenz und soziale Verbundenheit sind entscheidend für Gesundheit und Engagement. Kontrollierender Druck f?rdert dagegen Burnout.

Experten warnen jedoch vor übertriebenen Erwartungen. KI-Chatbots können bei leichten Belastungen helfen – ersetzen aber keine professionelle Therapie. Fehlantworten oder emotionale Abhängigkeiten sind reale Risiken.

Trotzdem hält KI Einzug in die Beratung: Die HWK Münster plant für den 8. Juli 2026 einen KI-Sprechtag mit der IHK Nord Westfalen. Das Institut für Integrierte Produktion Hannover (IPH) bietet im September Seminare an, die sich durch EU-Mittel kofinanzieren lassen.

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