Nachhaltigkeitsstandards, EU-Kommission

Nachhaltigkeitsstandards: Statt 1.200 nur noch 350 Angaben nötig

Veröffentlicht: 16.07.2026 um 22:25 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die EU-Kommission reduziert die Pflichtangaben zur Nachhaltigkeit drastisch und entlastet damit große Unternehmen sowie den Mittelstand.

EU-Kommission entlastet Firmen: Neue Nachhaltigkeitsstandards mit weniger Bürokratie
Abstrakte Darstellung von Datenfluss mit leuchtenden Linien, die vereinfachte Knoten verbinden, vor dunklem Hintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Das Ziel: weniger Bürokratie für Unternehmen.

Massive Reduktion der Berichtspflichten

Die neuen ESRS-Standards gelten für große Firmen mit über 1.000 Mitarbeitern und mehr als 450 Millionen Euro Umsatz. Der Kern der Reform: Die Zahl der Pflichtangaben sinkt drastisch.

Konkret reduzierte die Kommission die verpflichtenden Datenpunkte um über 60 Prozent. Statt rund 1.200 müssen Unternehmen künftig nur noch etwa 350 Angaben machen. Die Gesamtzahl aller Datenpunkte sank sogar um mehr als 70 Prozent.

Firmen sollen sich stärker auf Themen konzentrieren, die für ihr Geschäftsmodell wirklich relevant sind. Dafür wurde die doppelte Wesentlichkeitsanalyse vereinfacht und auf einen Top-down-Ansatz umgestellt. Zudem verbesserten die neuen Regeln die Anschlussfähigkeit an internationale IFRS-Standards.

Schutz für den Mittelstand

Mit den freiwilligen Standards führt die EU-Kommission ein „Value Chain Cap“ ein. Diese Regelung entlastet kleinere Partner in der Lieferkette.

Großkonzerne dürfen von Geschäftspartnern mit maximal 1.000 Mitarbeitern keine Informationen verlangen, die über die freiwilligen Standards hinausgehen. Das verhindert, dass bürokratische Lasten einfach an den Mittelstand weitergereicht werden.

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Die neuen Standards sollen noch 2026 in Kraft treten. Zuvor prüfen das Europäische Parlament und der Rat die Regeln. Das Verfahren dauert regulär zwei Monate, kann aber um weitere zwei verlängert werden.

Unternehmen werden eigenständig effizienter

Marktanalysen zeigen: Viele Firmen verschlanken ihre Berichterstattung bereits aus eigenem Antrieb. Eine Untersuchung von 196 Nachhaltigkeitserklärungen für das Geschäftsjahr 2025 belegt den Trend.

Die durchschnittliche Berichtslänge sank von 123 auf 112 Seiten. Rund 122 Unternehmen konnten ihre Berichte um durchschnittlich 25 Seiten kürzen.

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Die Analyse zeigt auch regionale Unterschiede: Während in Deutschland rund 32 Prozent der Firmen Vereinfachungen nutzten, waren es in Frankreich fast 53 Prozent. Die wichtigsten Berichtsthemen: die eigene Belegschaft, der Klimawandel und Fragen der Unternehmensführung. Fast alle untersuchten Berichte (98 Prozent) erhielten bereits eine begrenzte Prüfungssicherheit.

Praxisnahe Unterstützung

Flankierend zur Regulierung finden Fachveranstaltungen statt. Für den 28. Juli 2026 ist ein Workshop in Frankfurt geplant, der sich mit der EU-Taxonomie bei Wohnimmobilienfinanzierung beschäftigt.

Die Initiative ENGAGE for ESG stellt standardisierte Berichtsvorlagen bereit. Über 80 Institute haben bereits Zugang beantragt. Die Vorlagen können bis Ende des Jahres kostenlos getestet werden.

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