Nachhaltigkeitsberichterstattung, Regeln

Nachhaltigkeitsberichterstattung: Neue Regeln für Großunternehmen ab 2027

12.06.2026 - 22:33:21 | boerse-global.de

BDA kritisiert EU-Entlastungen als unzureichend, während Dänemark auf Digitalisierung setzt. Beratungsriesen profitieren vom Regulierungsboom.

EU-Nachhaltigkeitsregeln: Wirtschaft uneins über Entlastungseffekte
Nachhaltigkeitsberichterstattung - Ein stilisierter digitaler Netzwerk-Overlay über einem Stapel von Rechtsdokumenten und Finanzberichten auf einem modernen Schreibtisch. 12.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Während Verbände vor einer Überlastung warnen, wittern andere Länder Chancen.

„Erleichterungen sind ein Witz“

Der Bundesverband der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) hat die geplanten Reformen scharf kritisiert. BDA-Präsident Rainer Dulger: Die von der EU-Kommission versprochenen Entlastungen würden in der Praxis kaum Wirkung zeigen.

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Die Kommission will die geforderten Datenpunkte um bis zu 64 Prozent reduzieren. Die narrativen Berichtspflichten sollen um über 60 Prozent schrumpfen. Doch der BDA rechnet mit einer tatsächlichen Aufwandsreduktion von nur 10 bis 20 Prozent. In einigen Fällen drohe sogar mehr Arbeit.

Ab 2027 betrifft die Regelung Unternehmen mit über 1.000 Beschäftigten und mehr als 450 Millionen Euro Umsatz. Der Verband fordert deutlich spürbarere Entlastungen.

Dänemark setzt auf Digitalisierung

Das dänische Parlament hat die nationalen CSRD-Anforderungen verabschiedet. Die Umstellung wird teuer: einmalige Kosten von über 10 Milliarden Kronen für die Systemumstellung. Jährlich kommen rund 7,4 Milliarden Kronen für die Berichterstattung dazu.

Erwerbsminister Morten Bødskov sieht trotzdem einen Vorteil: Die Standardisierung und Digitalisierung der Daten könne langfristig die Wettbewerbsfähigkeit stärken. Das Gesetz passierte das Parlament mit deutlicher Mehrheit – trotz Kritik an den hohen Kosten.

Die Gewinner der Regulierungswelle

Wer profitiert? Die großen Prüfungs- und Beratungsgesellschaften. PwC, EY und Deloitte starten eine massive Rekrutierungsoffensive. PwC will bis 2026 weltweit rund 100.000 neue Mitarbeiter einstellen – ein Großteil sei bereits unter Vertrag.

Auch in Dänemark planen Firmen wie EY die Einstellung hunderter neuer Fachkräfte. Branchenverbände sprechen von einer regulatorischen „Regelmaschine“: Allein in den letzten sieben Jahren habe die EU rund 10.000 neue Seiten an Vorschriften produziert.

Weitere Belastungen in der Pipeline

Die Nachhaltigkeitsberichterstattung ist nur ein Teil des Pakets. Der Bundestag beschloss am 11. Juni strengere Verpackungsregeln. Ab 2027 sind ökologisch ausgerichtete Lizenzentgelte fällig – eine jährliche Mehrbelastung von rund 2,5 Millionen Euro.

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Ab Januar 2027 gilt zudem die E-Rechnungspflicht für Unternehmen mit über 800.000 Euro Umsatz. Problem: Bisher erfüllen nur 6 Prozent der Firmen die Anforderungen vollständig.

Und dann ist da noch NIS-2: Die Cybersicherheitsrichtlinie gilt seit Dezember 2025 und betrifft rund 29.500 Unternehmen. Das BSI startete nun eine Umfrage zur Umsetzung.

Immerhin: Das Statistische Bundesamt plant eine Reform der Unternehmensstatistiken. Ab 2026 soll eine Testerhebung bei über 100 Firmen den Übergang zu einem vereinfachten System einleiten. Ab 2027 könnten nationale Berichtspflichten wegfallen – eine stufenweise Entlastung zeichnet sich ab.

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