Nachhaltigkeitsberichterstattung: EU senkt Kosten um über 30 Prozent
06.06.2026 - 09:54:58 | boerse-global.de
Ein neuer Entwurf der ESRS 2.0-Standards soll die Berichtskosten für Unternehmen um über 30 Prozent senken. Der Vorstoß ist Teil einer Strategie, die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu stärken – ohne die Nachhaltigkeitsziele aufzugeben.
Weniger Datenpunkte, mehr Spielraum
Kern der Reform: Die Zahl der zu meldenden Datenpunkte sinkt um rund 70 Prozent. Damit reagiert Brüssel auf jahrelange Kritik an der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD). Zwei neue Standards sollen die Arbeit zusätzlich erleichtern:
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Für direkt berichtspflichtige Unternehmen kommt ein „Simplified ESRS“ mit mehr Ermessensspielraum bei der Wesentlichkeitsanalyse. Für kleinere Firmen, die als Zulieferer Daten liefern müssen, gibt es einen freiwilligen VS-Standard – gerade einmal 29 Seiten lang.
Neue Schwellenwerte: Weniger Firmen betroffen
Parallel dazu greifen höhere Grenzen aus dem Omnibus-I-Paket. Unternehmen müssen künftig erst ab 450 Millionen Euro Umsatz und 1.000 Mitarbeitern vollständig berichten. Branchenbeobachter rechnen mit einem deutlich schrumpfenden Anwendungsbereich.
Investoren warnen vor Vergleichbarkeitsverlust
Der norwegische Staatsfonds NBIM, in der EU mit über 232 Milliarden Euro investiert, begrüßt die Vereinfachung – fordert aber mehr Angleichung an internationale ISSB-Standards. Sonst drohe teure Doppelberichterstattung.
Während die EU bei Nachhaltigkeitsberichten entlastet, steigen die Anforderungen an die Dokumentation von KI-Systemen massiv an. Ein kostenloser Report klärt auf, welche KI-Systeme künftig als Hochrisiko gelten und was Unternehmen jetzt konkret tun müssen, um rechtssicher aufgestellt zu sein. Welche KI-Systeme gelten als Hochrisiko – und was müssen Unternehmen jetzt konkret tun?
Kritik gibt es auch an langen Übergangsfristen: Bestimmte finanzielle Auswirkungen ohne Klimabezug müssen erst bis 2030 vollständig gemeldet werden. Finance Watch warnt zudem vor Informationslücken bei Ausnahmen für Asset-Manager.
GRI mahnt globale Abstimmung an
Die Global Reporting Initiative spricht sich für die doppelte Wesentlichkeit aus, die im Entwurf erhalten bleibt. Sie fordert jedoch bessere Interoperabilität mit globalen Standards. Und warnt vor einem „Value Chain Cap“, der den Datenaustausch in Lieferketten behindern könnte.
Die Debatte fällt in eine Zeit wachsender Regulierungskritik. Eine Untersuchung von Gesamtmetall für 2025 zeigte: Nur bei wenigen EU-Rechtsakten gab es umfassende Folgenabschätzungen. Wirtschaftsvertreter fordern einen belegbaren Mehrwert für jede neue Vorschrift – die Kommission verweist auf technische Details ohne große wirtschaftliche Auswirkungen.
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