Seltene, Erden

Seltene Erden: EU plant Diversifizierung gegen 90%-China-Abhängigkeit

06.06.2026 - 09:54:58 | boerse-global.de

Die EU-Kommission plant ein Gesetz, das Unternehmen in sensiblen Sektoren zur Diversifizierung ihrer Lieferketten verpflichtet.

EU-Lieferketten: Neues Gesetz zwingt Firmen zu drei Anbietern
Seltene - Eine stilisierte Europakarte mit leuchtenden Linien, die sich zu verschiedenen kleineren Punkten ausbreiten und einen großen Punkt umgehen. 06.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Europäische Kommission will Unternehmen in sensiblen Sektoren per Gesetz zwingen, ihre Lieferketten breiter aufzustellen. EU-Handelskommissar Maroš Šef?ovi? kündigte am Freitag in Brüssel ein neues Diversifizierungsinstrument an.

Drei Anbieter statt einem

Der Kern des Vorhabens: Firmen in strategisch wichtigen Bereichen wie der Mikrochip-Produktion oder der Versorgung mit Seltenen Erden müssen künftig ihre Bezugsquellen auf mindestens drei verschiedene Anbieter verteilen. Laut dem Entwurf darf ein einzelner Lieferant dann nur noch 30 bis 40 Prozent der kritischen Komponenten stellen.

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Das Instrument ist Teil einer umfassenden Überprüfung der EU-Handelsschutzinstrumente, die bis zum dritten Quartal 2026 abgeschlossen sein soll. Als Vorbild dienen bestehende Strukturen der Energieunion.

90 Prozent Abhängigkeit bei Seltenen Erden

Die Zahlen zeigen die Dringlichkeit: Die EU ist bei Seltenen Erden zu über 90 Prozent von China abhängig. 2025 verzeichnete die Union zudem ein Handelsdefizit mit der Volksrepublik von 360 Milliarden Euro.

Herkömmliche Handelsinstrumente stoßen laut führenden EU-Handelsprüfern an ihre Grenzen, um chinesische Überkapazitäten und Subventionspraktiken in den Griff zu bekommen. Deshalb arbeiten die Behörden an neuen Verteidigungsmechanismen für die gesamte Wertschöpfungskette.

Deutschland bremst

Die Pläne zur wirtschaftlichen Sicherheit sollen Mitte Juni auf einem EU-Gipfel beraten werden. Fünf Mitgliedstaaten fordern bereits Reformen der Handelsmaßnahmen gegen Billigimporte.

Aus Berlin kommt jedoch Widerstand. Die Bundesregierung mahnte zur Vorsicht und verwies auf mögliche Risiken für deutsche Exportchancen, besonders im Automobilsektor. Unternehmen müssten künftig eine „Risikoprämie“ einkalkulieren, um die höheren Kosten für diversifizierte Lieferketten aufzufangen.

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Parallelpaket für digitale Souveränität

Erst diese Woche stellte die Kommission ein Paket zur technologischen Souveränität vor. Es zielt darauf ab, die Abhängigkeit im digitalen Sektor zu verringern. In Bereichen wie Cloud-Computing und Künstlicher Intelligenz dominieren derzeit außereuropäische Anbieter – das kostet die EU jährlich rund 264 Milliarden Euro.

Ein geplanter „Cloud and AI Development Act“ soll europäische Anbieter bei öffentlichen Aufträgen bevorzugen und die Eigenleistung in diesem Segment innerhalb der nächsten fünf bis sieben Jahre verdreifachen.

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