Nachhaltigkeitsberichterstattung, BDA

Nachhaltigkeitsberichterstattung: BDA kritisiert unzureichende Entlastung ab 2027

12.06.2026 - 21:36:32 | boerse-global.de

Trotz angekündigter Vereinfachungen bleibt der bürokratische Aufwand für Unternehmen laut BDA weiterhin zu hoch.

EU-Nachhaltigkeitsberichte: Deutsche Wirtschaft fordert mehr Entlastung
Nachhaltigkeitsberichterstattung - Ein Geschäftsmann steht vor einem hohen Stapel von Dokumenten und Bildschirmen, die komplexe Daten anzeigen, symbolisierend bürokratische Überlastung. 12.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die angekündigten Vereinfachungen bei der EU-Nachhaltigkeitsberichterstattung stoßen in der deutschen Wirtschaft auf deutliche Kritik. Rainer Dulger, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), bemängelt: Die geplanten Entlastungen reichten bei Weitem nicht aus. Trotz der Reduzierung zahlreicher Berichtspflichten bleibe der administrative Aufwand unverhältismäßig hoch.

Diskrepanz zwischen Streichungen und Arbeitsaufwand

Die EU-Kommission plant: Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von über 450 Millionen Euro müssen ab 2027 detaillierte Nachhaltigkeitsberichte vorlegen. Vorgesehen ist die Erfassung von mehr als 1.000 einzelnen Datenpunkten.

Brüssel hat zwar angekündigt, die Anforderungen zu lockern. Bei den sozialen Standards soll die Anzahl der Datenpunkte um 53 bis 64 Prozent sinken, die verpflichtenden erläuternden Texte um mehr als 60 Prozent.

Der BDA bewertet diese Maßnahmen als unzureichend. Nach Einschätzung des Verbandes sinke die tatsächliche Arbeitsbelastung dadurch lediglich um 10 bis 20 Prozent. In einigen Teilbereichen sei sogar mit einem weiteren Anstieg des Aufwands zu rechnen. Dulger betont: Die Reform verfehle das Ziel einer echten bürokratischen Entlastung.

Wachsender Druck auf den Industriestandort

Die Kritik fügt sich in eine breitere Debatte über die Regulierungsdichte in der EU ein. Branchenbeobachter verweisen auf eine Untersuchung, wonach die EU-Kommission zwar zahlreiche Rechtsakte initiiere, die Kosten und den praktischen Nutzen jedoch selten hinreichend prüfe. Besonders bei der CO?-Regulierung und Berichterstattung werde eine zunehmende Überregulierung wahrgenommen, die die Wettbewerbsfähigkeit gefährde.

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Parallel dazu laufen in Deutschland nationale Bemühungen zur statistischen Entlastung der Wirtschaft. Das Statistische Bundesamt (Destatis) plant ein neues System der Unternehmensstatistiken. 26 bisherige Einzelstatistiken sollen in drei Kernbereichen zusammengeführt werden: eine jährliche Strukturstatistik, eine bereichsübergreifende Konjunkturstatistik sowie eine jährliche Produktionsstatistik. Erste Testerhebungen mit mehr als 100 Unternehmen sind für dieses Jahr vorgesehen, das Gesamtsystem soll ab 2031 stufenweise in Kraft treten.

Forderungen nach umfassender Modernisierung

Ab 2027 ist zudem die Streichung bestimmter nationaler Berichtspflichten geplant, etwa im Ausbaugewerbe. Dennoch fordern Wirtschaftsvertreter und Landespolitiker weitergehende Reformen. Die baden-württembergische Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut mahnt eine vorausschauende Regionalförderung und eine Anpassung der EU-Haushaltspolitik an den industriellen Strukturwandel an. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz drängt auf eine umfassende Modernisierung des EU-Haushalts.

Die Diskussion zeigt exemplarisch den Konflikt zwischen regulatorischen Transparenzzielen und der operativen Belastbarkeit der Unternehmen. Während die EU-Finanzminister bereits eine Ausweitung des CO?-Zolls auf weitere Produkte wie Waschmaschinen planen, warnt die deutsche Wirtschaft: Zusätzliche Abgaben und Dokumentationspflichten könnten in einer volatilen Lage die Substanz der Industrie gefährden.

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