Minijob-Reform: Abgaben steigen von 31 auf 39 Prozent ab Juli
15.06.2026 - 20:07:34 | boerse-global.de
Arbeitgeber müssen sich auf deutlich höhere Abgaben einstellen – und Minijobber bekommen neue Optionen bei der Rentenversicherung.
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Krankenkassenbeiträge schießen nach oben
Derzeit liegt die Verdienstgrenze für Minijobs bei 603 Euro pro Monat – basierend auf dem Mindestlohn von 13,90 Euro. Doch die Abgabenlast für Arbeitgeber soll von bislang 31 Prozent auf über 39 Prozent steigen.
Konkret: Arbeitgeber zahlen künftig den vollen Krankenkassenbeitrag von rund 17,5 Prozent statt bisher 13 Prozent. Hinzu kommt ein neuer Pflegebeitrag von 3,6 Prozent. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) verspricht sich davon Mehreinnahmen von rund drei Milliarden Euro jährlich.
Die erhöhten Abgaben sollen auch Minijobs im Bereich bis zu 2.000 Euro treffen.
Rentenversicherung: Einmalige Rückkehr möglich
Ab dem 1. Juli 2026 können Minijobber ihre Befreiung von der Rentenversicherungspflicht einmalig rückgängig machen. Bisher galt diese als bindend für die gesamte Dauer des Jobs.
Die Umstellung erfordert einen schriftlichen Antrag beim Arbeitgeber. Die Versicherungspflicht beginnt dann im Folgemonat – rückwirkend geht nichts. Wichtig: Nach dem Widerruf ist eine erneute Befreiung ausgeschlossen. Wer mehrere Minijobs hat, muss für alle Tätigkeiten einheitlich entscheiden.
Bei Versicherungspflicht zahlen Minijobber einen Eigenanteil von 3,6 Prozent ihres Lohns. Der Arbeitgeber legt pauschal 15 Prozent drauf – macht insgesamt 18,6 Prozent.
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Wirtschaft schlägt Alarm
Die geplanten Kostensteigerungen stoßen auf heftigen Widerstand. Der Handelsverband Deutschland (HDE) spricht von einer „massiven Verteidigung“ und einer Abschaffung des Minijob-Modells durch die Hintertür. Rund 800.000 der bundesweit 6,8 Millionen Minijobber arbeiten im Einzelhandel.
Auch der Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks warnt vor den Folgen und stellt Personalabbau in Aussicht.
Die Kritik kommt zur Unzeit: Die Prognose für das deutsche Wirtschaftswachstum 2026 wurde auf 0,5 Prozent halbiert. Für 2027 erwarten die Wirtschaftsweisen immerhin 0,8 Prozent. Zwar könnten sinkende Energiepreise nach der Einigung im Iran-Krieg die Inflation dämpfen – doch die steigenden Lohnnebenkosten bleiben als Belastungsfaktor bestehen.
