Mehrwertsteuer-Rabatt, Nationalrat

Mehrwertsteuer-Rabatt: Nationalrat kippt 30-Jahr-Privileg für Hotels

16.06.2026 - 21:11:08 | boerse-global.de

Schweizer Nationalrat stimmt gegen die Verlängerung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes für Hotels. Der Entscheid fällt endgültig im September.

Nationalrat lehnt Verlängerung des Hotel-Mehrwertsteuerrabatts ab
Mehrwertsteuer-Rabatt - Ein Schweizer Franken liegt auf einer eleganten Holztheke in einer Hotel-Lobby, die das Ende eines Steuerrabatts symbolisiert. 16.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Der Nationalrat hat sich gegen eine Verlängerung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes für die Beherbergungsbranche ausgesprochen. Damit rückt das Ende einer fast 30-jährigen Steuererleichterung näher.

Seit 1996 profitieren Hotels von einem Sondersatz von 3,8 Prozent statt der regulären 8,1 Prozent. Die aktuelle Befristung läuft Ende 2027 aus. Mit 105 zu 75 Stimmen bei 15 Enthaltungen lehnte die grosse Kammer das Eintreten auf die Vorlage ab. Sie folgte damit der Empfehlung von Bundesrat und Finanzkommission.

Branche boomt – Subvention fragwürdig

Anzeige: Wer die Auswirkungen der Streichung des Hotel-Mehrwertsteuerrabatts für sein Unternehmen einordnen will, findet in diesem kostenlosen Report die wichtigsten Strategie-Hebel – von steuerlichen Alternativen bis zur politischen Einflussnahme. Jetzt kostenlosen Report anfordern

Die Befürworter der Streichung verwiesen auf die glänzende wirtschaftliche Lage der Hotellerie. Rekordzahlen bei den Logiernächten machten eine staatliche Subventionierung nicht mehr nötig. Finanzministerin Karin Keller-Sutter betonte in der Debatte, der Sektor floriere. Eine dauerhafte Sonderbehandlung führe zudem zu Wettbewerbsverzerrungen.

Der Bundeshaushalt steht unter erheblichem Spardruck. Die Mehreinnahmen von 300 Millionen Franken pro Jahr wären daher hochwillkommen. Die Massnahme war seit ihrer Einführung insgesamt sechsmal verlängert worden – ursprünglich zur Stützung der damals kriselnden Hotellerie.

SVP spaltet sich – Mitte hält dagegen

Besonders spannend: Das Abstimmungsverhalten innerhalb der SVP-Fraktion. Während die Partei die Hotellerie früher meist unterstützte, zeigte sie sich tief gespalten. 33 Mitglieder stimmten für die Verlängerung, 20 dagegen, 12 enthielten sich. Prominente Vertreter vollzogen eine Kehrtwende.

Beobachter werten das als Reaktion auf die gescheiterte „10-Millionen-Initiative“. Branchenverbände der Hotellerie hatten sich gegen dieses politische Vorhaben positioniert. Die Ablehnung des Steuerrabatts gilt in Parlamentskreisen teilweise als politische Retourkutsche.

Geschlossen für die Beibehaltung stimmte nur die Mitte-Fraktion. Sie verwies auf den anhaltenden Wettbewerbsdruck aus dem europäischen Ausland und die Belastung durch den starken Franken. Fast alle EU-Länder wenden ebenfalls reduzierte Sätze für Beherbergungsleistungen an.

Rekordjahr für Schweizer Tourismus

Die Gegner der Steuererleichterung – Linke, GLP sowie Teile von FDP und SVP – stützten sich auf die jüngsten Erfolgsmeldungen. Die Schweizer Hotellerie verzeichnete 2025 mit 43,9 Millionen Logiernächten einen historischen Höchststand. Auch die Wintersaison 2025/26 brachte einen neuen Rekordwert, wenngleich sich die Dynamik gegen Ende etwas abschwächte.

Anzeige: Hoteliers, die bereits mit höheren Steuerlasten rechnen, brauchen jetzt eine konkrete Kostenanalyse – bevor der Normalsatz ab 2028 greift. Dieser Report liefert eine detaillierte Aufstellung der Mehrbelastung und zeigt, wie Sie gegensteuern können. Kostenanalyse jetzt sichern

Der Branchenverband Hotelleriesuisse reagierte mit Unverständnis. Aus seiner Sicht bleibt der Sondersatz ein wichtiges Instrument für die internationale Konkurrenzfähigkeit.

Entscheid fällt im September

Die Vorlage ist noch nicht endgültig gescheitert. Als Nächstes befasst sich der Ständerat mit dem Geschäft. Die Entscheidung der kleinen Kammer wird für September erwartet. Sollte der Ständerat am Sondersatz festhalten wollen, geht das Geschäft zurück in den Nationalrat. Bleibt es bei der Ablehnung, wird die Hotellerie ab 2028 dem Normalsatz unterstellt.

de | wirtschaft | 69556393 |