Luftverkehr, Milliarden

Luftverkehr zahlt nicht: 8,5 Milliarden Euro unbezahlte CO2-Kosten

10.06.2026 - 19:14:27 | boerse-global.de

EU-Kommission plant Reform des Emissionshandels: Industrie soll Zertifikate nur bei Investitionen in Europa erhalten. Luftverkehr bleibt Milliarden schuldig.

EU-ETS Reform: Kostenlose Zertifikate nur gegen Investitionen
Luftverkehr - Eine stilisierte Darstellung des EU-Emissionshandels mit Industrieanlagen, Windturbinen und Finanzdiagrammen. 10.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ein zentraler Punkt: Die Industrie soll weiter kostenlose Zertifikate erhalten – aber nur gegen verbindliche Investitionen in Europa. Der offizielle Vorschlag kommt voraussichtlich am 15. Juli 2026.

Strengere Regeln für nationale Regierungen

Die Kommission will die Mitgliedstaaten stärker in die Pflicht nehmen. Sie müssen künftig einen größeren Teil ihrer Einnahmen aus dem Emissionshandel gezielt für Klimaschutzmaßnahmen ausgeben. Parallel dazu ist eine Neugestaltung der Marktstabilitätsreserve geplant. Auch die Bürokratie für Schiffsbetreiber und Fluggesellschaften soll vereinfacht werden. Die Aufnahme von Müllverbrennungsanlagen in das System wird derzeit geprüft.

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Luftverkehr zahlt Milliarden nicht

Besonders brisant: der Luftverkehr. Eine Analyse der Organisation Transport & Environment (T&E) zeigt für 2025 erhebliche Lücken auf. Für rund zwei Drittel der CO2-Emissionen des europäischen Flugverkehrs wurde kein Preis gezahlt. Das entspricht etwa 8,5 Milliarden Euro an unbezahlten Kosten.

Von insgesamt 195 Millionen Tonnen CO2 wurden nur Zertifikate im Wert von 4,1 Milliarden Euro beglichen. Die Lufthansa etwa verursachte allein ab Deutschland 8,3 Millionen Tonnen CO2 – 72 Prozent der Kosten blieben unbezahlt. Die Reform soll das ETS daher auf einen fairen Anteil internationaler Flüge ausweiten. Umweltorganisationen fordern eine vollständige Erfassung aller abgehenden Flüge ab 2027.

Investoren warnen vor Aufweichung

Vor dem EU-Rat am 18. und 19. Juni melden sich internationale Investoren zu Wort. 49 institutionelle Anleger mit einem Vermögen von rund 13,1 Billionen Euro – darunter die Allianz SE, Schroders und das Church of England Pension Board – fordern ein robustes System.

Sie lehnen eine Verwässerung ab. Ein starker CO2-Preis sei das effektivste Instrument zur Emissionsminderung. Eine Aufweichung würde jene Unternehmen bestrafen, die bereits stark in Klimaschutz investiert haben. Seit 2005 hat das System die Emissionen um 50 Prozent gesenkt. Bis 2030 sind 62 Prozent das Ziel.

Industrie fordert Pragmatismus

Die Industrie sieht das anders. Der italienische Verband Confindustria weist auf die Preisentwicklung hin: Von 5 bis 8 Euro pro Tonne im Jahr 2017 auf zeitweise rund 100 Euro. In Kalifornien liegt der Preis dagegen bei etwa 25 Dollar. Diese Differenz belaste die Wettbewerbsfähigkeit und treibe die Strompreise.

Auch in Deutschland wächst der Druck. Die IG Metall warnte bei Demonstrationen vor dem Bundeswirtschaftsministerium vor Jobverlusten in der Stahlindustrie. Hohe Energiekosten und Billigimporte gefährdeten die Transformation.

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Deutschland bekommt neuen Spielraum

Die EU-Kommission gewährt der Bundesregierung jedoch mehr Flexibilität. Ab 2026 darf Deutschland den subventionierten Industriestrompreis mit der bestehenden Strompreiskompensation kombinieren. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche spricht von einem Verhandlungserfolg – der allerdings zusätzliche Haushaltsmittel erfordert. Für 2027 werden Mehrkosten von rund einer Milliarde Euro erwartet. Bisher sind für 2026 bis 2028 bereits 3,8 Milliarden Euro genehmigt.

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