Krankschreibung: Merz plant AU-Pflicht ab erstem Krankheitstag
Veröffentlicht: 12.07.2026 um 18:33 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Nach Jahren flexibler Modelle setzen Unternehmen wie Mercedes-Benz und Volkswagen wieder auf strikte Präsenzpflicht und längere Arbeitszeiten. Parallel plant die schwarz-rote Koalition verschärfte Regeln bei Krankschreibungen.
Mercedes-Benz plant harten Sparkurs
Mercedes-Benz verschärft 2026 seinen Sparkurs massiv. Das Unternehmen will Homeoffice-Optionen streichen und die Wochenarbeitszeit von 35 auf 40 Stunden erhöhen – bei gleichem Gehalt. Betroffen sind rund 90.000 Mitarbeiter. Auch eine Sonderzahlung in Höhe von 18,4 Prozent eines Monatsentgelts soll verschoben werden.
Hintergrund sind Produktionsprobleme beim E-SUV GLC: Fehlende Batterien und Bordnetze bereiten Schwierigkeiten. Zudem rutschte die Aktie seit Jahresbeginn um 25 Prozent ab. Die IG Metall hat bereits Widerstand angekündigt.
VW droht Vertrauensbruch
Auch bei Volkswagen steht die Belegschaft vor Einschnitten. Der Betriebsrat wirft der Konzernleitung Mitte Juli 2026 einen Vertrauensbruch vor. Grund: Informationen über mögliche Werksschließungen in Hannover, Emden oder Zwickau sowie ein Stellenabbau von bis zu 120.000 Jobs weltweit seien nicht transparent kommuniziert worden.
Die Fälle zeigen: Der wirtschaftliche Druck zwingt Unternehmen, Arbeitszeitmodelle und Standortgarantien neu zu bewerten.
Homeoffice zurücknehmen – rechtlich knifflig
Arbeitgeber können Homeoffice-Vereinbarungen nicht einfach kündigen. Entscheidend ist, wie die Arbeit von zu Hause ursprünglich geregelt wurde. Bei vertraglichen oder betrieblichen Vereinbarungen gelten enge rechtliche Grenzen.
Ein Hebel für Unternehmen: Datenschutzrisiken im Homeoffice. Die ungeschützte Übertragung sensibler Daten kann Arbeitgeber nutzen, um Präsenzpflicht zu begründen. Das Geschäftsgeheimnisgesetz (GeschGehG) verlangt strikten Schutz – Verstöße können strafbar sein.
Angesichts der Rückkehr zur Präsenzpflicht und strengerer Kontrollen müssen Unternehmen ihre Arbeitszeitmodelle rechtssicher gestalten. Dieser kostenlose Ratgeber unterstützt Sie mit Mustervorlagen und aktuellen rechtlichen Informationen dabei, die gesetzliche Erfassungspflicht fehlerfrei umzusetzen. In 10 Minuten zur gesetzeskonformen Arbeitszeiterfassung
Strengere Regeln bei Krankschreibung
Bundeskanzler Merz will die Nachweispflicht für Arbeitsunfähigkeit (AU) verschärfen. Geplant: AU-Pflicht ab dem ersten Krankheitstag und Abschaffung der telefonischen Krankschreibung. Ziel ist die Senkung hoher Krankenstände.
Arbeitsrechtler warnen jedoch: Das Günstigkeitsprinzip schützt bestehende Verträge. Zudem könne eine frühe Nachweispflicht eher zu längeren Krankschreibungen führen. Laut OECD liegt Deutschland mit 6,8 Prozent verlorener Arbeitszeit durch Krankheit international auf Rang 7.
Zeiterfassung und Kündigungsschutz
Mit der Rückkehr zur Präsenzpflicht gewinnt die Arbeitszeitdokumentation an Bedeutung. Juristen stellen klar: Innerbetriebliche Wege von der Stempeluhr zum Arbeitsplatz zählen als vergütungspflichtige Arbeitszeit, wenn der Arbeitgeber sie veranlasst hat.
Beim Vorwurf des Arbeitszeitbetrugs liegen die Hürden für eine Kündigung hoch. Nur nachweisbarer Vorsatz rechtfertigt eine Entlassung. Arbeitgeber müssen vor einer Kündigung den Sachverhalt genau prüfen und den Mitarbeiter anhören.
Die aktuelle Rechtsprechung zur Arbeitszeitdokumentation stellt viele Personalverantwortliche vor neue Herausforderungen. Sichern Sie sich die kostenlose Experten-Checkliste, um Bußgelder zu vermeiden und alle Vorgaben von Pausen- bis Ruhezeiten rechtssicher zu erfüllen. Kostenlosen Sicherheits-Ratgeber zur Arbeitszeit herunterladen
Zusätzlichen Schutz genießen Arbeitnehmer in Elternzeit. Das Bundesarbeitsgericht bestätigte im Juni 2026: Der Kündigungsschutz entsteht vor jedem einzelnen Elternzeitabschnitt neu – selbst wenn diese gemeinsam beantragt wurden. Arbeitgeber müssen die Urlaubs- und Elternzeitplanung genau prüfen, bevor sie personelle Maßnahmen ergreifen.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
