VW-Aufsichtsrat stoppt Werksschließungen: Arbeitnehmer 12:7 siegreich
Veröffentlicht: 12.07.2026 um 18:22 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Nach massivem Widerstand gegen Werksschließungen setzt der Konzern nun auf alternative Sparmaßnahmen. „Es gibt intelligentere Lösungen, als Standorte stillzulegen“, sagte Blume am heutigen Sonntag.
Aufsichtsrat zwingt Vorstand in die Knie
Der Kurswechsel kommt nicht von ungefähr. In einer Aufsichtsratssitzung am 9. Juli kippte das Gremium ein umfassendes Sparpaket. Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen – gemeinsam verfügen sie über eine 12:7-Mehrheit – stellten sich gegen die ursprünglichen Pläne.
Blume verwies auf bereits erzielte Fortschritte: Die Fabrikkosten in Deutschland sanken im vergangenen Jahr um 20 Prozent. Doch die Entwarnung ist nur vorläufig.
Vier Werke weiter in der Gefahrenzone
Als weiterhin gefährdet gelten die Standorte Zwickau, Emden und Hannover sowie der Audi-Standort Neckarsulm. Rund 40.000 Mitarbeiter arbeiten dort. Der Betriebsrat übt scharfe Kritik an der Informationspolitik des Vorstands. Ein Ultimatum bis zum 10. Juli verstrich ohne zufriedenstellende Reaktion.
Nach der Sommerpause muss Blume der Belegschaft wohl detailliert Rede und Antwort stehen.
Der Stopp der Werksschließungen bei VW ist nur ein vorläufiger Erfolg – vier Werke mit 40.000 Mitarbeitern bleiben gefährdet. Für Zulieferer bedeutet das: Jetzt die richtigen Hebel nutzen, bevor die nächste Restrukturierungswelle kommt. Unser kostenloser Report zeigt, wie Sie Ihren Standort sichern. Jetzt Strategie-Report anfordern
China-Einbruch und E-Auto-Flaute
Die wirtschaftliche Notwendigkeit für Sanierungen zeigen die Geschäftszahlen für das zweite Quartal. Der Konzernabsatz sank um rund neun Prozent auf 2,1 Millionen Fahrzeuge. Besonders dramatisch: Der chinesische Markt brach um 36,6 Prozent ein.
Noch härter trifft es die Elektromobilität. Der neue ID. Polo verkaufte sich zwar mit über 50.000 Einheiten innerhalb von vier Wochen prächtig. Der Rest des E-Portfolios schwächelt jedoch massiv. In China fielen die E-Auto-Verkäufe um fast 48 Prozent, in den USA sogar um 68,8 Prozent. Kernproblem bleibt die zu geringe Gewinnmarge pro Fahrzeug.
Bis 2030: Eine Million weniger Autos
An den langfristigen Transformationszielen hält das Management fest – nur die Wege dorthin ändern sich. Bis 2030 soll die weltweite Produktionskapazität um eine Million auf neun Millionen Fahrzeuge sinken. Parallel plant der Konzern, die Modellpalette bis 2035 zu halbieren.
VW plant bis 2030 den Abbau von einer Million Produktionskapazität und 100.000 bis 120.000 Stellen. Zulieferer, die frühzeitig auf alternative Geschäftsmodelle setzen, können die Transformation als Chance nutzen. Unser Leitfaden liefert konkrete Frühwarnsignale und Handlungsoptionen. Frühwarnsystem jetzt sichern
Auch beim Personal bahnt sich ein massiver Umbruch an. Experten halten einen weltweiten Stellenabbau von 100.000 bis 120.000 Stellen für möglich. Bereits konkret anvisiert ist die Streichung von 5.000 Managementposten bis zum Ende des Jahrzehnts.
Der Konflikt zwischen Vorstand und Arbeitnehmervertretung über die konkrete Umsetzung dürfte die kommenden Monate prägen.
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