Krankschreibung, Kabinett

Krankschreibung: Kabinett schafft telefonische AU ab, Attestpflicht ab Tag eins

05.07.2026 - 05:53:10 | boerse-global.de

Die Bundesregierung plant eine ärztliche Bescheinigung ab dem ersten Krankheitstag und streicht die telefonische Krankschreibung. Experten und Ärzte kritisieren die Reform scharf.

Regierungspläne: Attestpflicht ab Tag eins und Ende der Telefon-Krankschreibung
Krankschreibung - Eine Person hält ein ärztliches Attest in der Hand, mit einem verschwommenen Hintergrund, der ein Büro oder Wartezimmer andeutet. 05.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Arbeitnehmer sollen bereits ab dem ersten Fehltag ein ärztliches Attest bringen. Gleichzeitig fliegt die telefonische Krankschreibung raus.

Härtere Regeln: Attestpflicht ab Tag eins

Bisher gilt: Ein Attest ist meist erst ab dem vierten Krankheitstag nötig. Das soll sich ändern. Bundeskanzler Merz begründet den Schritt mit den stark gestiegenen Fehlzeiten. Ziel: die hohen Krankenstände senken.

Betriebe dürfen aber weiter eigene Regeln aufstellen – und von der strengen Vorgabe abweichen.

Parallel dazu plant Gesundheitsministerin Warken das Aus für die telefonische Krankschreibung. Sie sei ein „Ausnahmezustand“ gewesen, die Hürden für eine AU zu niedrig. Stattdessen setzt das Ministerium auf digitale Formate wie die Videosprechstunde.

Neu ist auch die Teilkrankschreibung. Sie soll Arbeitsfähigkeit zu 25, 50 oder 75 Prozent ermöglichen.

Streit in der Koalition – Opposition wettert

Die Pläne spalten das Regierungsbündnis. Unionspolitiker wie Jens Spahn verteidigen die Maßnahme als „Frage der Fairness“ und verweisen auf durchschnittlich 18 Krankheitstage pro Jahr. Teile der SPD drängen auf eine praktikable Umsetzung. SPD-Chef Klingbeil: „Niemand darf im Krankheitsfall überfordert werden.“

Arbeitsministerin Bas kündigte eine genaue Prüfung an – und stellte klar: Der Vorschlag komme nicht aus ihrem Ressort.

Die Opposition geht auf Konfrontation. Die Grünen forderten eine Rücknahme der Beschlüsse. Ihr Vorwurf: Die Regierung stelle Arbeitnehmer unter Generalverdacht.

Ärzte schlagen Alarm – „Bürokratischer Irrsinn“

Mediziner und Krankenkassen reagieren mit deutlicher Ablehnung. Der Hausärzteverband rechnet mit rund 30 Millionen zusätzlichen Praxisbesuchen pro Jahr. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung spricht von „bürokratischem Irrsinn“. Ärzte würden davon abgehalten, sich um wirklich Schwerkranke zu kümmern.

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DAK-Chef Andreas Storm warnt vor überfüllten Wartezimmern. Besonders in Infektwellen könnten sich Krankheiten in den Praxen schneller ausbreiten.

Ein Blick auf die Daten zeigt: Die telefonische Krankschreibung machte zuletzt nur 0,8 bis 1,2 Prozent aller Krankmeldungen aus. Kritiker bezeichnen die Abschaffung daher als reines Symbolprojekt.

Zweifel an der Wirksamkeit – viele Fehltage sind Langzeitfälle

Ökonomen des DIW bezweifeln den Effekt der Maßnahme. Ihre Analyse: Rund 40 Prozent aller Fehltage 2024 entfielen auf Langzeiterkrankungen über sechs Wochen. Eine frühere Attestpflicht bei Kurzzeit-Erkrankungen hilft hier nicht.

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Die Fehlzeiten lagen 2024 bei 14,8 Tagen pro Kopf, 2025 sogar bei bis zu 19,5 Tagen.

Ein Grund für den Anstieg: die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU). Seit ihrer Einführung 2022 werden Kurzerkrankungen lückenloser erfasst.

Die Bevölkerung sieht die Pläne kritisch. Laut Umfragen lehnen rund 59 Prozent die Attestpflicht ab dem ersten Tag ab. Ähnlich viele stimmen gegen das Ende der telefonischen Krankschreibung.

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