Krankenstand, Fehltage

Krankenstand 2025: 17 Fehltage pro Beschäftigtem, ein Drittel mehr

16.06.2026 - 03:18:29 | boerse-global.de

Der Krankenstand in Deutschland erreicht 2025 mit 17 Tagen einen neuen Höchststand. Experten warnen vor steigendem Absentismus und den hohen Kosten für Unternehmen.

Krankenstand 2025: 17 Fehltage pro Beschäftigtem in Deutschland
Krankenstand - Ein langer, leerer Büroflur mit wenigen Personen in der Ferne, was Absentismus und Abwesenheit am Arbeitsplatz symbolisiert. 16.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das zeigt der Trend deutlich: Gegenüber 2021 mit damals 13 Tagen ist das ein Anstieg um fast ein Drittel.

Doch nicht jeder Fehltag ist auf eine echte Erkrankung zurückzuführen. Immer stärker rückt der sogenannte Absentismus in den Fokus – das bewusste Fernbleiben trotz Arbeitsfähigkeit.

Warum Mitarbeiter zu Hause bleiben

Anzeige

Häufige Kurzfehlzeiten und der Rückzug aus dem Team sind oft erste Warnsignale für tiefgreifende Probleme in der Belegschaft. Dieser kostenlose Praxisleitfaden unterstützt Führungskräfte dabei, Demotivatoren frühzeitig zu erkennen und gezielte Maßnahmen zur Mitarbeiterbindung umzusetzen. Gratis-Leitfaden zur Mitarbeiterentwicklung herunterladen

Die Ursachen liegen oft in der Unternehmensstruktur selbst. Analysen im Umfeld der AOK und Einschätzungen von Prof. Dr. Vera Winter von der Universität Wuppertal zeigen: Unter- oder Überforderung, mangelnde Anerkennung und empfundene Ungerechtigkeit treiben Mitarbeiter in den Rückzug.

Als Frühwarnzeichen gelten häufige Kurzfehlzeiten, Rückzug aus dem Team oder „Dienst nach Vorschrift“. Wer diese Signale ignoriert, riskiert eine Verfestigung des Problems.

„Coffee Badging“ und „Soft Off Days“

Hybride Arbeitsmodelle verändern das Verhalten zusätzlich. Laut dem „State of Hybrid Work“-Report von Owl Labs praktizieren rund 41 Prozent der hybrid Arbeitenden regelmäßig „Coffee Badging“: kurz im Büro erscheinen, um Präsenz zu zeigen, dann zurück ins Homeoffice.

Noch heikler: der „Soft Off Day“. Hier reduzieren Beschäftigte während der Arbeitszeit bewusst die Leistung – für private Erledigungen. Für Arbeitgeber wird die Leistungsbewertung damit zur Herausforderung.

Wann Arbeitgeber die AU anzweifeln dürfen

Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit sind rechtlich streng reglementiert. Eine AU kann infrage gestellt werden, wenn sie direkt vor oder nach dem Urlaub kommt oder der Mitarbeiter sie vorher angekündigt hat. Dann kann der Medizinische Dienst zur Prüfung eingeschaltet werden.

Detektive? Nur bei konkretem Anfangsverdacht. Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf sprach bereits Schmerzensgeld zu, wenn Überwachungsmaßnahmen unverhältnismäßig waren.

BEM als Kündigungshürde

Bei langen oder häufigen Erkrankungen ist das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) Pflicht. Ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts vom 15. Dezember 2022 (Az. 2 AZR 162/22) macht klar: Ohne ordnungsgemäßes BEM ist eine krankheitsbedingte Kündigung in der Regel unwirksam.

Arbeitgeber müssen dann die negative Gesundheitsprognose und erhebliche betriebliche Beeinträchtigungen nachweisen. Das Arbeitsgericht Köln betonte zudem: Bei einem Arbeitsplatzwechsel im Rahmen der Wiedereingliederung braucht es eine angemessene Bewährungsphase.

Anzeige

Da ein ordnungsgemäßes BEM-Verfahren für Betriebe mittlerweile zur rechtlichen Pflicht geworden ist, sollten sich Verantwortliche frühzeitig absichern. Dieser kostenlose Ratgeber liefert eine vollständige BEM-Anleitung inklusive Muster-Betriebsvereinbarung und Gesprächsleitfaden für die Praxis. Kostenlose BEM-Anleitung inkl. Mustervorlage sichern

Milliardenkosten durch Fehlzeiten

Die gesetzlichen Krankenkassen zahlten 2025 rund 21,6 Milliarden Euro Krankengeld – das sind 6,4 Prozent ihres Gesamtbudgets. Der maximale Tagessatz liegt 2026 bei 135,63 Euro.

Besonders betroffen: bestimmte Berufsgruppen. AOK-Daten aus 2023 zeigen die Spitzenreiter:

  • Ver- und Entsorgung: 38 Fehltage
  • Gießereiberufe: 35,3 Tage
  • Busfahrer: 35 Tage
  • Altenpflege: 34,7 Tage

WM 2026 kostet Unternehmen Milliarde

Und dann ist da noch die Fußball-Weltmeisterschaft 2026. Schätzungen zufolge drohen deutschen Unternehmen Produktivitätseinbußen von rund 1,12 Milliarden Euro. Analysen der Universität Hohenheim zufolge verbringen Beschäftigte während solcher Turniere im Schnitt 26 Minuten täglich mit Sportergebnissen und Livetickern.

Neue Präventionsangebote

Mitte Juni 2026 veröffentlichte die Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) ein neues Web-Based Training zur Suchtprävention. Das kostenfreie Angebot vermittelt in drei Modulen Grundlagen und betriebliche Strategien für den Umgang mit Fehlentwicklungen.

Experten raten zudem zu einer aktiven Führungskultur und gesundheitsförderlicher Arbeitsgestaltung. Das wirkt nicht nur gegen Absentismus – es senkt langfristig auch die Fehlzeiten.

Digitale Zeiterfassung kommt

Parallel bereiten sich Unternehmen auf verschärfte Regeln vor. Ein Referentenentwurf des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales sieht für 2026 die elektronische Erfassung als Regelfall vor. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 30.000 Euro.

Ziel: die wöchentliche Höchstarbeitszeit von 48 Stunden einhalten. Das dient langfristig auch der Gesunderhaltung der Belegschaft.

de | wirtschaft | 69548610 |