Krankenstand: 17 Tage Fehlzeiten 2025 belasten Mittelstand
26.06.2026 - 18:21:50 | boerse-global.de
Immer mehr Beschäftigte fallen krankheitsbedingt aus, gleichzeitig plant die Regierung eine Reform der gesetzlichen Krankenversicherung. Kleine und mittlere Unternehmen geraten dabei doppelt unter Druck: steigende Beiträge und höhere Fehlzeiten.
Die Pläne der Ampel-Regierung sehen tiefgreifende Änderungen vor. Die Beitragsbemessungsgrenze und die Versicherungspflichtgrenze sollen um jeweils 3.600 Euro pro Jahr steigen. Das trifft vor allem Gutverdiener und deren Arbeitgeber.
Mittelstand schlägt Alarm
Die Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) Koblenz kritisiert die Pläne scharf. Dr. Karlheinz Sonnenberg und weitere Vorstandsmitglieder warnen vor einer Gefährdung des dualen Systems aus gesetzlicher und privater Krankenversicherung.
Die MIT fordert stattdessen eine stärkere Steuerfinanzierung für versicherungsfremde Leistungen – besonders für die Gesundheitskosten von Bürgergeldempfängern. Auch die KAB Würzburg und das Haus der Krebs-Selbsthilfe unterstützen diesen Ansatz.
Krankenstand auf Rekordniveau
Der Druck auf Unternehmen wächst aber nicht nur durch höhere Beiträge. Die Fehlzeiten steigen rasant. Zwischen Januar und November 2025 fehlten Beschäftigte im Schnitt 17 Tage. 2021 waren es noch 13 Tage.
Besonders alarmierend: Psychische Störungen waren 2024 die dritthäufigste Ursache für Krankschreibungen. Das machte das 11. Präventionsforum der Nationalen Präventionskonferenz (NPK) am 23. Juni 2026 in Berlin deutlich.
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Als Haupttreiber gilt die Digitalisierung. Sie verursacht Technostress und belastet die mentale Gesundheit der Mitarbeiter. Die Ergebnisse des Forums fließen nun in die nationale Präventionsstrategie ein.
Krankmeldungen: Ein wachsendes Problem
Doch nicht jeder Ausfall ist wirklich krankheitsbedingt. Eine Studie der Pronova BKK zeigt: 60 Prozent der Befragten haben sich schon einmal krank gemeldet, obwohl sie arbeitsfähig waren. Eine Yougov-Erhebung bestätigt das Bild – mehr als jeder Vierte gab bereits falsche Gründe an.
Prävention lohnt sich
Trotz aller Herausforderungen gibt es auch gute Nachrichten. Eine Studie des BSI vom Februar 2026 beziffert den möglichen Produktivitätsgewinn durch eine bessere Vertrauenskultur auf 30,5 Milliarden Euro pro Jahr. 22,1 Milliarden Euro entfallen allein auf die Vermeidung psychisch bedingter Ausfälle.
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Gleichzeitig erweitert sich der Schutz für Arbeitnehmer. Das Bundeskabinett beschloss Ende Mai 2026, Parkinson-Erkrankungen durch Pestizide in die Berufskrankheiten-Liste aufzunehmen. 2024 gab es 90.749 Verdachtsanzeigen, von denen 26.821 anerkannt wurden.
Neue Wege in der Pflegeversicherung
Auch die Pflegeversicherung sucht neue Finanzierungsmodelle. Andreas Storm, chef der DAK-Gesundheit, schlägt einen Kapitalstock vor, der in Aktien und Anleihen investiert. Ab 2028 soll ein paritätisch finanzierter Beitragszuschlag von 0,1 Prozent kommen, der bis 2031 auf 0,4 Prozent steigt. Das würde jährlich rund 8 Milliarden Euro bringen.
Ergo schluckt DKV
Im Markt der privaten Krankenversicherer zeichnet sich eine Konsolidierung ab. Die Ergo kündigte an, die Marke DKV im dritten Quartal 2027 vom Markt zu nehmen. Der drittgrößte private Krankenversicherer mit rund 652.000 Vollversicherten und 3,7 Millionen Zusatzverträgen soll künftig unter der Kernmarke Ergo laufen. Grund: Kosteneinsparungen und der verstärkte Einsatz von Künstlicher Intelligenz.
