Arbeitszeitgesetz, Reform

Arbeitszeitgesetz: Reform sieht 48-Stunden-Woche statt Acht-Stunden-Tag vor

26.06.2026 - 18:31:56 | boerse-global.de

Die Bundesregierung plant den Wechsel von täglichen zu wöchentlichen Arbeitszeitgrenzen. Unternehmen zeigen sich erfreut, Gewerkschaften warnen vor Überlastung.

Arbeitszeitgesetz-Reform: Wöchentliche Höchstarbeitszeit geplant
Arbeitszeitgesetz - Eine Hand tippt auf einem Tablet, das eine digitale Arbeitszeittabelle in einem geschäftigen Logistiklager anzeigt. 26.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Ein Referentenentwurf aus dem Arbeitsministerium sieht den Wechsel von der täglichen zur wöchentlichen Höchstarbeitszeit vor. Die Pläne lösen heftige Diskussionen aus.

Von acht auf 48 Stunden pro Woche

Statt strikter täglicher Acht-Stunden-Grenzen sollen Beschäftigte künftig flexibler arbeiten können. Der Entwurf erlaubt eine wöchentliche Maximalarbeitszeit von 48 Stunden – das entspricht den EU-Vorgaben. In Einzelfällen sind sogar bis zu 13 Stunden pro Tag möglich, solange der Durchschnitt über sechs Monate stimmt.

Die Unternehmen begrüßen die Flexibilisierung. Gewerkschaften und Experten wie DIW-Präsident Marcel Fratzscher warnen dagegen vor zu hohen Belastungen. Die Reform soll vorrangig über Tarifverträge umgesetzt werden.

Elektronische Pflicht: Arbeitszeiten müssen digital erfasst werden

Ein zentraler Punkt der Neuregelung: Arbeitgeber müssen Beginn, Ende und Dauer der täglichen Arbeitszeit elektronisch dokumentieren. Das schafft Transparenz – und dürfte in vielen Betrieben für Diskussionen sorgen.

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Luftverkehr: Kabinenpersonal fordert mehr Schutz

Parallel zur allgemeinen Reform machen die Gewerkschaften UFO und Vereinigung Cockpit Druck. Sie fordern die vollständige Aufnahme des fliegenden Personals ins Arbeitszeitgesetz. Bisher gelten für Piloten und Flugbegleiter pauschale Ausnahmeregelungen. Die Arbeitnehmervertreter verlangen verbindliche Erholungszeiten und klare Belastungsgrenzen.

Vier-Tage-Woche mit Zehn-Stunden-Schichten?

Im Landtransport wird über neue Modelle diskutiert. Die Branche prüft die Vier-Tage-Woche mit längeren Schichten von zehn Stunden. Befürworter sehen darin eine Chance, den Beruf attraktiver zu machen. Kritiker verweisen auf Sicherheitsrisiken bei langen Lenkzeiten.

Mercedes-Benz: Streit um die 40-Stunden-Woche

Auch in der Industrie brodelt es. Bei Mercedes-Benz entbrannte eine Debatte über die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche. Der Aufsichtsrat regte eine Verlängerung der Arbeitszeit zur Kostensenkung an. Betriebsratschef Ergun Lümali lehnte das ohne Lohnausgleich strikt ab.

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Fachkräftemangel verschärft den Druck

Die Diskussionen finden vor einem angespannten Hintergrund statt. Ohne Arbeitskräfte aus Drittstaaten droht Unternehmen aus dem Baltikum die Abwanderung nach Polen oder Deutschland. Der Druck auf den Transportsektor wächst.

Infrastruktur und E-Mobilität als Flankenschutz

Ein neues Infrastruktur-Zukunftsgesetz soll Planungs- und Genehmigungsverfahren für Straßen und Brücken beschleunigen. Die Logistikbranche begrüßt das. Gleichzeitig verändert sich der Markt rasant: Im ersten Quartal 2026 stieg der Absatz von Elektro-Lkw in Europa deutlich – getrieben durch verschärfte CO?-Vorgaben. Vor allem asiatische Anbieter erhöhen den Wettbewerbsdruck.

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