Konzernhaftung: Bundesrat plant Auslandstöchter-Haftung ab Juli
01.07.2026 - 00:06:56 | boerse-global.de
Der Bundesrat hat einen Gegenvorschlag zur Konzernverantwortungsinitiative vorgelegt, der die Haftung für Schweizer Unternehmen massiv ausweitet. Das geplante Spezialgesetz geht in wesentlichen Punkten über die aktuellen EU-Standards hinaus.
Haftung auch für Auslandstöchter
Der Kern des Vorschlags: Schweizer Muttergesellschaften sollen künftig zivilrechtlich für Verfehlungen ihrer Tochterunternehmen im Ausland haften. Damit schlägt die Regierung einen Weg ein, den die EU in ihrem Omnibus-Paket zuletzt verworfen hatte.
Aktuell stehen zwei Varianten zur Diskussion: eine Verschuldenshaftung oder eine weitergehende Geschäftsherrenhaftung. Letztere würde die Hürden für Klagen gegen Konzerne deutlich senken.
Die Wirtschaftsverbände Swissholdings und Economiesuisse reagierten scharf. Sie warnen vor einem „Swiss Finish“, der heimischen Unternehmen Wettbewerbsnachteile verschaffen könnte. Die Vernehmlassung läuft noch bis zum 9. Juli 2026.
ESG-Strategien in den Geschäftsberichten
Während die Politik diskutiert, handeln erste Großkonzerne bereits. Hyundai Motor legte Ende Juni seinen Nachhaltigkeitsbericht für 2026 vor. Das Programm enthält eine festgeschriebene Gesamtausschüttungsquote von 35 Prozent für die Jahre 2025 bis 2027. Zudem setzt der Konzern auf ein diversifiziertes Direktorium mit vielen ausländischen und weiblichen Mitgliedern.
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Auch KakaoPay veröffentlichte einen aktuellen ESG-Bericht. Der Finanzdienstleister benennt Vergütungspolitik und Nachfolgeplanung als zentrale Governance-Themen. Das Unternehmen verknüpft KI-Innovationen mit neuen Wesentlichkeitsbewertungen.
Internationaler Druck wächst
Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) veröffentlichte im Juni den finalen Entwurf technischer Standards zur Offenlegung von ESG-Risiken. Die Regeln präzisieren die Berichterstattung über Schattenbank-Engagements und Beteiligungen.
Das International Auditing and Assurance Standards Board (IAASB) lieferte Ende Juni Erläuterungen zur Wesentlichkeit bei Nachhaltigkeitsprüfungen nach dem Standard ISSA 5000. Prüfer sollen damit die doppelte Wesentlichkeit rechtssicher bewerten können.
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Praxis kämpft mit Umsetzung
Trotz der Verschärfungen berichten Unternehmen von erheblichen Problemen. Eine KPMG-Studie unter 157 Firmen zeigt: 86 Prozent erwarten Effizienzsteigerungen durch KI in der Nachhaltigkeitssteuerung. Doch 71 Prozent sehen die mangelnde Datenqualität als größte Hürde.
Der Genoverband warnt nach einer Umfrage unter 277 Bankvorständen: Die zunehmende Regulierung bremse die Kreditvergabe. Fast die Hälfte der Firmenkunden fühle sich mit den geforderten Nachhaltigkeitsdaten überfordert. Branchenvertreter fordern mehr Rechtssicherheit und weniger Bürokratie.
VW: Sparpaket spaltet den Konzern
Dass radikale Strategiewechsel intern eskalieren können, zeigt Volkswagen. Vorstandschef Oliver Blume plant ein Sparpaket mit vier Werkschließungen in Deutschland und dem Abbau von über 100.000 Stellen bis 2035. Betriebsrat und Land Niedersachsen lehnen die Pläne ab.
Am 9. Juli 2026 tagt der Aufsichtsrat. Beobachter erwarten einen offenen Machtkampf um die Zukunft des Konzerns.
