KI-Kennzeichnung, Regeln

KI-Kennzeichnung: Neue Regeln für Millionen Unternehmen ab August

23.06.2026 - 20:08:50 | boerse-global.de

Die EU-Kommission konkretisiert die ab August geltenden KI-Kennzeichnungsregeln. Unternehmen drohen hohe Strafen bei Verstößen.

EU AI Act: Neue Leitlinien für Transparenzpflichten veröffentlicht
KI-Kennzeichnung - Ein stilisiertes, leuchtendes digitales 'KI'-Symbol auf einer Leiterplatte, umgeben von Datenströmen, integriert in ein Produktetikett. 23.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Europäische Kommission hat heute offizielle Leitlinien zur Umsetzung der Transparenzpflichten im EU AI Act veröffentlicht. Der Praxisleitfaden soll Unternehmen helfen, die ab dem 2. August 2026 geltenden Regeln für KI-Kennzeichnung rechtzeitig umzusetzen. Besonders die Werbebranche und der Online-Handel stehen vor massiven Umstellungen.

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Mit dem Leitfaden reagiert die Kommission auf wachsende Unsicherheit in der Wirtschaft. Ab Anfang August greift Abschnitt 50 des KI-Gesetzes vollständig. Er sieht vier zentrale Transparenzpflichten vor: die Kennzeichnung von Chatbots, maschinenlesbare Auszeichnungen von KI-Inhalten sowie eine klare Deklaration von Deepfakes.

Technische Standards für die Kennzeichnung

Bereits am 10. Juni wurde ein Verhaltenskodex vorgelegt, der die technischen Spezifikationen definiert. Künftig sollen mehrschichtige Wasserzeichen, maschinenlesbare Metadaten und einheitliche Symbole zum Einsatz kommen. Die EU schlägt ein spezifisches Symbol vor, das plattformübergreifend verwendet werden soll.

Ziel ist der Schutz vor Manipulation und Betrug. Hintergrund sind unter anderem Fälle von KI-gestütztem Anlagebetrug. Die belgische Aufsichtsbehörde FSMA meldete für das zweite Halbjahr 2025 Verluste von 23,4 Millionen Euro durch solche Maschen. Die Zahl der Beschwerden stieg 2025 um elf Prozent.

Widerstand aus dem Handel

Trotz der nahenden Frist regt sich Widerstand. Der Branchenverband Eurocommerce – vertritt Schwergewichte wie Amazon, H&M, Ikea und Inditex – fordert Ausnahmen für Werbebilder. Die Unternehmen argumentieren: KI-generierte Inhalte sind längst Standard im Marketing.

Zalando erstellt schätzungsweise 90 Prozent seiner Marketing-Inhalte mit KI und senkte dadurch die Kosten deutlich. H&M und Zara setzen zudem verstärkt auf digitale Klone von Models. Die Sorge der Händler: Eine verpflichtende Kennzeichnung auf jedem Produktfoto könnte das ästhetische Erlebnis stören und Kunden verunsichern.

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Haftungsrisiken: Gerichte setzen erste Leitplanken

Während die regulatorischen Rahmenbedingungen finalisiert werden, haben deutsche Gerichte bereits erste Urteile gefällt. Das Landgericht München erließ eine einstweilige Verfügung gegen Google zu KI-generierten Übersichtstexten. Der Anbieter haftet demnach für KI-Falschaussagen wie für eigene Inhalte. Bei Zuwiderhandlung droht ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro.

Das Landgericht Köln entschied am 12. Mai 2026: Werbung muss bereits im Vorschaubild klar als solche erkennbar sein. Die Rechtsprechung legt Transparenzpflichten streng aus – eine Linie, die der EU AI Act ab August weiter festigt.

Sanktionen und Fahrplan

Die Nichtbeachtung der Vorschriften kann teuer werden. Das Gesetz sieht Bußgelder von bis zu 35 Millionen Euro oder sieben Prozent des weltweiten Jahresumsatzes vor. Bei Verstößen gegen die Transparenzpflichten drohen Strafen von bis zu 15 Millionen Euro oder drei Prozent des Umsatzes.

Der Zeitplan für weitere Pflichten steht fest:
- Ab 2. Dezember 2026: Verbot von KI-Anwendungen für nicht-einvernehmliches intimes Bildmaterial und Kindesmissbrauch
- Ab 2. Dezember 2027: Strenge Auflagen für Hochrisiko-Systeme im Personalwesen
- Ab 2. August 2028: Pflichten für KI-Anwendungen in Medizinprodukten

Während Länder wie Frankreich, Deutschland und Italien bereits nationale Strafgesetze gegen Deepfakes verschärft haben, hinkt die administrative Umsetzung hinterher. In Österreich wurde etwa ein Jahr nach Fristablauf noch keine zuständige KI-Behörde eingerichtet – obwohl die EU-Regeln ab August unmittelbar wirksam werden.

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