Berenberg-Skandal: BaFin setzt Vorstandschef Riehmer ab
23.06.2026 - 20:08:50 | boerse-global.de
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat die gesamte dreiköpfige Leitung der Hamburger Privatbank Berenberg mit sofortiger Wirkung abgesetzt. Betroffen sind Vorstandschef Hendrik Riehmer sowie zwei weitere Geschäftsleiter. Grund sind mögliche Verstöße gegen Corporate-Governance-Grundsätze im Zusammenhang mit Markttransaktionen.
Bilanzprüfung deckt Unregelmäßigkeiten auf
Die Aufsichtsbehörde reagierte auf Erkenntnisse aus der Jahresabschlussprüfung durch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte. Die Prüfer monierten Unregelmäßigkeiten im Eigenhandel des Instituts. Im Raum steht der Verdacht, dass Berenberg die Finanzergebnisse für 2025 künstlich aufgehübscht hat.
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Die Ermittlungen konzentrieren sich auf mehrere Geschäfte: verschiedene Aktientermingeschäfte mit Rückkaufvereinbarung sowie Transaktionen rund um eine Wandelanleihe des Unternehmens Tonies. Auch die Umbuchung liquider Mittel und eine Umstrukturierung der Gesellschaft Ipacopa stehen unter Beobachtung.
Bereits im Vorjahr gab es offenbar internen Streit über die Risikopolitik. Die damalige Compliance-Chefin legte ein Veto gegen eine geplante Investition in einen Stablecoin-Anbieter ein und verließ die Bank 2025.
Sonderbeauftragte übernehmen das Ruder
Um den Geschäftsbetrieb aufrechtzuerhalten, setzte die BaFin Hans-Walter Peters und Michael Horf als Sonderbeauftragte ein. Sie übernehmen vorerst die Aufgaben der abgesetzten Führungsebene. Die Behörde betont: Der reguläre Bankbetrieb sei durch die Maßnahmen nicht eingeschränkt.
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Gewinne brechen ein
Die Führungskrise trifft Berenberg in einer schwierigen Phase. Nach einem Nettogewinn von 81,6 Millionen Euro im Jahr 2024 rechnet das Haus für 2025 nur noch mit 20 Millionen Euro. Einen offiziellen Abschluss für 2025 legte die Bank bislang nicht vor.
Für das erste Halbjahr 2026 verbuchte das Traditionshaus immerhin 40 Millionen Euro Gewinn. Die Bilanzsumme liegt bei 6,5 Milliarden Euro, rund 1.500 Mitarbeiter sind beschäftigt. Zum Vergleich: 2016 lag die Eigenkapitalrendite bei 96 Prozent, 2021 bei 83 Prozent – von solchen Werten ist man heute weit entfernt.
