Kapitalrente ab 2028: Arbeitnehmer zahlen bis 2031 auf 2 Prozent
Veröffentlicht: 16.07.2026 um 00:09 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Ab 2028 zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam in einen Aktienfonds ein.
Stufenweiser Aufbau der Beiträge
Der Einstieg erfolgt Anfang 2028 mit einem Beitragssatz von 0,5 Prozent. Bis 2031 steigt der Satz auf 2 Prozent – je zur Hälfte von Arbeitgebern und Arbeitnehmern getragen. Ein Durchschnittsverdiener mit 52.000 Euro brutto im Jahr legt dann jährlich 1.040 Euro am Kapitalmarkt an.
Wer profitiert – und wie viel?
Vor allem jüngere Beitragszahler könnten von der renditeorientierten Anlage profitieren. Bei einer angenommenen Rendite zwischen 5 und 9 Prozent sparen 30-Jährige bis zum Renteneintritt ein Kapitalvermögen zwischen 165.000 und 392.800 Euro an. Das würde bei monatlicher Entnahme von 1.000 Euro fast 40 Jahre reichen.
Ein Eckrentner bekäme monatlich rund 150 Euro zusätzlich. Spitzenverdiener mit 100.000 Euro Einkommen und 40 Jahren Einzahlungszeit könnten sogar zwischen 950 und 6.000 Euro monatlich erhalten. Wichtig: Diese Beträge sind vor Inflation berechnet, das Kapital ist im Todesfall nicht vererbbar.
Kenfo-Staatsfonds als Verwalter im Gespräch
Die Alterssicherungskommission schlug im Juni 2026 den staatlichen Fonds zur Finanzierung der Kernenergieentsorgung (Kenfo) als Standardlösung vor. Vorstandschefin Anja Mikus signalisierte Bereitschaft und stellte eine Kostenquote von maximal 0,1 Prozent in Aussicht.
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Der seit 2017 tätige Fonds verwaltete Ende 2025 ein Vermögen von 25,6 Milliarden Euro. Trotz Belastungen durch den Irankrieg im ersten Halbjahr 2026 erzielte er eine Rendite von 7,9 Prozent. Die durchschnittliche Jahresrendite seit Bestehen liegt bei 6,1 Prozent. Das Portfolio besteht zu je 40 Prozent aus Aktien und Anleihen sowie zu 15 Prozent aus nicht börsennotierten Anlagen.
Massive Kritik an Kapitalabfluss
Ökonomin Ulrike Stein vom IMK warnte Mitte Juli 2026 vor einem massiven Kaufkraftverlust. Da ein Großteil der Mittel im Ausland angelegt werde, könnten der deutschen Wirtschaft jährlich bis zu 40 Milliarden Euro entzogen werden. Das hätte einen Rückgang des BIP um bis zu 1 Prozent zur Folge – und gefährdete bis zu 250.000 Arbeitsplätze.
Die Bundesregierung unter Kanzler Merz erwartet dagegen zusätzliche Wachstumsimpulse von 30 Milliarden Euro durch die Reform.
Gefahr für die Betriebsrente?
Fachleute äußerten auf einer Konferenz im Juli 2026 Bedenken wegen einer möglichen Kannibalisierung der betrieblichen Altersvorsorge (bAV). Der Knackpunkt: Während viele bAV-Produkte eine 100-Prozent-Garantie der eingezahlten Beiträge bieten, bleibt die Kapitalrente garantiefrei. Branchenexperten fordern daher eine Liberalisierung der Garantievorgaben für die bAV.
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Verbände fordern mehr Klarheit
Die Deutsche Aktuarvereinigung (DAV) und das Institut der versicherungsmathematischen Sachverständigen (IVS) begrüßten die grundsätzlichen Empfehlungen der Rentenkommission, verlangten aber Nachbesserungen. Unklar sei, wie das Gesamtversorgungsziel einer Nettoersatzrate von 70 Prozent erreicht werden soll. Zudem fehlten praxistaugliche Lösungen für die betriebliche Vorsorge ohne direkte Beteiligung der Sozialpartner.
Ein weiterer Kritikpunkt: das Langlebigkeitsrisiko. Falls die Auszahlungen nur als Zeitrenten bis zum 85. Lebensjahr konzipiert werden, drohen Versorgungslücken im hohen Alter.
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