Kündigungen: 47 Prozent der Entlassenen gehen ohne Abfindung leer aus
Veröffentlicht: 16.07.2026 um 00:09 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Das zeigt der aktuelle Kündigungsreport, für den über 6.000 Personen befragt wurden. Besonders hart trifft es Beschäftigte in Kleinbetrieben: Hier gehen 60 Prozent der Gekündigten leer aus.
Warum so viele Beschäftigte das erste Angebot akzeptieren
Von denen, die überhaupt eine Abfindung angeboten bekommen, unterschreiben 62 Prozent sofort das erste Angebot. Mehr als ein Viertel setzt seine Unterschrift sogar noch im Entlassungsgespräch selbst. Nur 16 Prozent lehnen den ersten Entwurf ab, um nachzuverhandeln.
Die Nachverhandler haben oft Erfolg: 54 Prozent von ihnen lassen sich anwaltlich unterstützen, 32 Prozent ziehen sogar vor Gericht. Immerhin 58 Prozent der Befragten halten ihre Abfindung für angemessen. Ein Viertel findet die Summe dagegen zu niedrig.
Werksschließungen und Freiwilligenprogramme
Die wirtschaftliche Lage ist angespannt. Das ifo-Beschäftigungsbarometer lag im Juni bei 92,3 Punkten. Eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt: Etwa jeder dritte Betrieb plant Stellenabbau.
Bei kompletten Werkschließungen müssen meist alle Mitarbeiter gehen. Die Abfindungen regelt dann ein Sozialplan mit dem Betriebsrat. Anders bei Teilschließungen: Hier setzen Unternehmen oft auf Freiwilligenprogramme. Schnellentschlossene kassieren teilweise Boni von bis zu 40.000 Euro.
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Experten warnen jedoch vor der zwölfwöchigen Sperrfrist beim Arbeitslosengeld. Jüngere Mitarbeiter mit kurzer Betriebszugehörigkeit sollten lieber schnell einen neuen Job suchen. Ältere Beschäftigte können zwar höhere Abfindungen raushandeln, tragen aber auch ein geringeres Kündigungsrisiko.
Diese Großunternehmen bauen Stellen ab
Mehrere namhafte Konzerne haben konkrete Pläne vorgelegt:
- Magna: Der Autozulieferer schließt sein Werk in Dorfprozelten bis Mitte 2027. Über 200 Jobs fallen weg.
- Aldi Süd: Der Discounter streicht bis Ende 2027 rund 1.250 Stellen, vor allem im Bereich Aldi DX.
- BioNTech: Das Unternehmen macht Standorte in Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen dicht. Bis zu 1.860 Mitarbeiter sind betroffen.
- BSH Hausgeräte: Die Waschmaschinenproduktion in Nauen endet zum 30. Juni 2027. Der Standort bleibt als Logistikzentrum erhalten.
Eine Untersuchung der Universität Trier und der FH Bielefeld zeigt zudem: In Betrieben ohne Betriebsrat verdienen dreimal so viele Beschäftigte weniger als den seit Januar geltenden Mindestlohn von 13,90 Euro.
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Wenn Künstliche Intelligenz über Jobs entscheidet
Ein aktuelles Verfahren in den USA sorgt für Aufsehen. 26 Ex-Mitarbeiter klagen gegen Meta, weil der Konzern KI-basierte Produktivitätsdaten zur Auswahl von 8.000 zu entlassenden Stellen genutzt haben soll. Das Urteil fällt am 14. Juli in Oakland.
In Deutschland wäre ein solcher Auswahlprozess kaum durchsetzbar. Mitbestimmungsrechte, Sozialauswahl und Datenschutz stehen dagegen. Die EU-KI-Verordnung sieht ab Dezember 2027 zudem strenge Bußgelder für Hochrisiko-Anwendungen vor.
Zusätzlichen Druck erzeugt das GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz vom 10. Juli. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft warnt: Ein Drittel der Kliniken könnte die neuen Sparvorgaben nicht überleben. Seit 2022 gab es in der Branche bereits 85 Insolvenzen mit 102 betroffenen Standorten. In Potsdam führt die Reform jetzt zur Schließung der Orthopädie am Klinikum Ernst von Bergmann und der Geburtshilfe am St. Josefs-Krankenhaus.
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