Hitzewarnung, Milliarden

Hitzewarnung 2026: 112 Milliarden Euro Schaden bis 2030 droht

18.06.2026 - 05:02:12 | boerse-global.de

Erste amtliche Hitzewarnung des Jahres: Bis zu 43 Grad drohen. Ökonomen warnen vor 112 Milliarden Euro Kosten, Gewerkschaften fordern Schutz.

Hitzewarnung 2026: Milliardenkosten und Debatte um Siesta
Hitzewarnung - Ein Thermometer zeigt extreme Temperaturen vor dem Hintergrund eines modernen Bürogebäudes oder einer Fabrik, symbolisiert Hitze am Arbeitsplatz. 18.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Eine massive Hitzeblase schiebt sich über Mitteleuropa. Im Oberrhein und Rhein-Main-Gebiet drohen Temperaturen bis zu 40 Grad, örtlich sogar 43 Grad.

Die extreme Wetterlage rückt die Anpassung der Arbeitswelt an den Klimawandel in den Fokus. Ökonomen und Gewerkschaften fordern dringend Schutzvorkehrungen. Es geht um nichts weniger als die Gesundheit der Beschäftigten und die Vermeidung wirtschaftlicher Schäden.

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Hitzewellen könnten 112 Milliarden Euro kosten

Die wirtschaftlichen Folgen sind enorm. Allianz Trade zufolge könnten Hitzewellen die deutsche Wirtschaft bis 2030 rund 112 Milliarden Euro kosten. Pro Grad über 30 Grad sinkt die Produktivität um durchschnittlich drei Prozent.

Gleichzeitig steigen die betrieblichen Energiekosten in Hitzeperioden um etwa 1,2 Prozent. Auch die Krankenzahlen schnellen nach oben: Bei über 30 Grad nehmen Krankschreibungen um 3,5 Prozent zu, während ausgeprägter Hitzewellen sogar um sechs Prozent.

Bereits 2023 verursachten Hitze und starke Sonneneinstrahlung über 92.000 Arbeitsunfähigkeitstage. Männer waren mit rund 63.000 Tagen deutlich häufiger betroffen als Frauen.

Streit um Siesta und Arbeitszeitreform

Allianz-Volkswirtin Katharina Utermöhl fordert verstärkten Hitzeschutz in Unternehmen. Sie bezeichnet Siesta-Modelle als notwendiges Risikomanagement. Deutschland befinde sich in einer gefährlichen Mittelzone des Klimawandels.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund sieht das anders. Anja Piel vom DGB-Vorstand lehnt pauschale Siesta-Modelle ab. Nötig seien branchenspezifische Lösungen.

Zusätzlich kritisiert der DGB eine geplante Reform des Arbeitszeitgesetzes. Sie sieht den Übergang von einer täglichen zu einer wöchentlichen Höchstarbeitszeit vor – ein Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag. Piel warnt vor einer Aufweichung wichtiger Schutzstandards.

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Die Linksfraktion im Bundestag bringt derweil ein Klima-Kurzarbeitergeld für Außenbeschäftigte ins Spiel. Finanziert werden soll es ähnlich wie das Saison-Kurzarbeitergeld. Für Innenräume fordert der Antrag eine verpflichtende Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich, sobald bestimmte Grenzwerte erreicht sind.

Was das Gesetz vorschreibt

Die Arbeitsstättenverordnung regelt den Umgang mit Hitze im Büro. Ab 26 Grad müssen Arbeitgeber Maßnahmen zur Abkühlung ergreifen. Ab 30 Grad sind weitergehende Schutzvorkehrungen Pflicht.

Bei über 35 Grad gelten Räume ohne zusätzliche Schutzmaßnahmen als ungeeignet für die Arbeit. Einen gesetzlichen Anspruch auf hitzefreie Tage gibt es nicht, wie die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft klarstellt. Unternehmen müssen aber durch Beschattung, Belüftung oder flexible Arbeitszeiten für Entlastung sorgen.

Seit August 2025 gilt zudem die Technische Regel A5.1. Sie verpflichtet Arbeitgeber bereits ab einem UV-Index von 3, Schutzmaßnahmen bereitzustellen – etwa spezielle Kleidung mit hohem UV-Schutzfaktor. Die Berufsgenossenschaft Bau bezuschusst unter anderem UV-Funktionsshirts und Kühlwesten.

Strengere Regeln im Ausland

Während Deutschland noch diskutiert, greifen andere Länder härter durch. In der Schweiz kündigen die Suva und die Gewerkschaft Unia verstärkte Baustellenkontrollen bei über 30 Grad an. Ab 33 Grad ist dort eine stündliche Pause von 15 Minuten Pflicht – bezahlt als Arbeitszeit.

Im Kosovo fordern Gewerkschaften bei extremer Hitze sogar eine vollständige Arbeitsunterbrechung zwischen 11:00 und 17:00 Uhr. Grund sind hohe Verletzungszahlen im Baugewerbe.

Auch der Profisport reagiert. Bei der Fußball-WM 2026 gibt es unabhängig von der aktuellen Temperatur dreiminütige Trinkpausen pro Halbzeit. Die Deutsche Fußball Liga hält für die Bundesliga-Saison 2026/27 hingegen an einer situativen Entscheidung fest und lehnt generelle Pausen ab.

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