Arbeitsschutz, DGUV

Arbeitsschutz: DGUV hebt Grenze für vereinfachte Betreuung auf 20

18.06.2026 - 04:49:18 | boerse-global.de

KMU stehen vor einem Wandel: Neue Arbeitsschutzregeln, steigende Kosten durch Hitzewellen und wachsende KI-Nutzung prägen die Entwicklung.

KMU vor Herausforderungen: Neue Regeln, Hitze & KI
Arbeitsschutz - Mitarbeiter in einem modernen Büro, einer berät einen anderen mit einem Tablet, symbolisiert Arbeitsschutz und Gesundheitsmanagement in KMU. 18.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Neue Regeln für den Arbeitsschutz, steigende Belastungen durch psychische Erkrankungen und die wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels – die Anforderungen an Betriebe werden vielfältiger. Gleichzeitig bieten Digitalisierung und moderne Gesundheitskonzepte neue Chancen.

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Neue Unfallverhütungsvorschriften entlasten kleinere Betriebe

Seit dem 1. Januar 2026 gilt die überarbeitete DGUV Vorschrift 2. Sie bringt spürbare Erleichterungen für kleinere Unternehmen. Die Grenze für die vereinfachte Regelbetreuung wurde von 10 auf 20 Mitarbeiter angehoben.

Die Neuregelung erlaubt zudem eine teilweise Digitalisierung der Betreuung durch Betriebsärzte und Fachkräfte für Arbeitssicherheit. Ein Drittel bis zur Hälfte der erforderlichen Beratungsstunden kann künftig digital erfolgen – sofern die betrieblichen Verhältnisse bekannt sind.

Auch der Kreis der Fachkräfte für Arbeitssicherheit öffnet sich. Künftig können Experten mit Abschlüssen in Physik, Chemie, Psychologie oder Ergonomie diese Funktion übernehmen. Voraussetzung sind entsprechende Fortbildungsnachweise. Die Interdisziplinarität soll der steigenden Komplexität moderner Arbeitsumgebungen Rechnung tragen.

Psychische Belastungen rücken in den Fokus

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hat eine repräsentative Studie zur Gefährdungsvermeidung bei psychischer Belastung in KMU veröffentlicht. Für den BAuA-KMU-Survey wurden 3.094 Unternehmen befragt. Die detaillierten Daten für die wissenschaftliche Auswertung sollen voraussichtlich im ersten Quartal 2027 bereitgestellt werden.

Die wirtschaftliche Bedeutung eines funktionierenden Gesundheitsmanagements belegt eine Studie des BSI und des Centre of Economics & Business Research. Demnach ließen sich in Deutschland durch ein vertrauensbasiertes betriebliches Gesundheitsmanagement rund 30,5 Milliarden Euro einsparen. Offene Gesundheitsgespräche im Betrieb senken Fehlzeiten, Präsentismus und die Kündigungsrate signifikant.

Hitzewellen werden zum Kostenfaktor

Zunehmende Hitzewellen stellen Unternehmen vor wachsende finanzielle Herausforderungen. Berechnungen von Allianz Trade beziffern die Kosten durch hitzebedingte Produktivitätsverluste bis 2030 auf rund 112 Milliarden Euro. Ab 30 Grad Celsius sinkt die Produktivität pro zusätzlichem Grad um etwa 3 Prozent, während die Energiekosten um 1,2 Prozent steigen.

Auch die Krankenstände steigen: An Tagen mit Temperaturen über 30 Grad gibt es 3,5 Prozent mehr Krankschreibungen, bei langanhaltenden Hitzewellen sogar bis zu 6 Prozent. Die Arbeitsstättenverordnung sieht klare Grenzwerte vor: Ab 26 Grad Raumtemperatur müssen Arbeitgeber Maßnahmen prüfen, ab 35 Grad gilt ein Arbeitsraum ohne zusätzliche Schutzvorkehrungen als ungeeignet.

KI erobert die Betriebe – Fachkräftemangel bleibt

Die Digitalisierung treibt den Wandel in KMU weiter voran. Laut dem Jimdo-ifo Geschäftsklimaindex vom Mai 2026 nutzen bereits 51,2 Prozent der Selbstständigen und Kleinstunternehmer Künstliche Intelligenz. Im Vorjahr waren es erst 30,4 Prozent. Hauptanwendungen sind Recherche, Text- und Content-Erstellung sowie Marketing.

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Gleichzeitig bleibt die IT-Sicherheit ein kritisches Thema. Die seit Dezember 2025 gesetzlich verankerte NIS-2-Richtlinie verpflichtet schätzungsweise 30.000 Unternehmen zu strengen IT-Risikomanagement- und Meldeprozessen. Die Geschäftsleitung haftet persönlich.

Trotz einer leichten Entspannung belastet der Fachkräftemangel die KMU-Landschaft weiter. Zu Beginn des zweiten Quartals 2026 meldeten 21 Prozent der Unternehmen Beeinträchtigungen durch fehlendes Personal. KMU sind mit 22 Prozent etwas stärker betroffen als Großunternehmen. Im Bauhauptgewerbe berichtet fast ein Drittel der Betriebe von entsprechenden Engpässen.

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