GKV-Reform beschlossen: Zuzahlungen steigen um 50 Prozent ab 2027
Veröffentlicht: 11.07.2026 um 16:53 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Juli weitreichende Reformen zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) und der Pflegefinanzierung verabschiedet. Das Paket bringt ab 2027 tiefgreifende Änderungen für Versicherte, Ärzte und Pflegepersonal.
Finanzierungslücke von 19 Milliarden Euro
Mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz reagiert die Regierung auf eine erwartete Lücke von rund 19 Milliarden Euro im Jahr 2027. Im Bundestag stimmten 319 Abgeordnete für den Entwurf, 286 dagegen, vier enthielten sich. Der Bundesrat verzichtete auf den Vermittlungsausschuss.
Gesundheitsministerin Warken betonte, ohne die Reform hätte der Zusatzbeitrag deutlich steigen müssen. Für die Zustimmung der Länder sicherte der Bund zusätzliche 550 Millionen Euro für Krankenhäuser zu, davon 100 Millionen für Universitätskliniken. Zudem gilt von 2027 bis 2029 eine Obergrenze bei der Grundlohnrate für Kliniken – eine Entlastung von mehreren hundert Millionen Euro jährlich.
Höhere Zuzahlungen, weniger Leistungen
Für Versicherte wird es teurer: Die Zuzahlungen für Medikamente steigen um 50 Prozent und liegen künftig zwischen 7,50 und 15 Euro. Die jährliche Anpassung dieser Sätze entfällt. Beim Zahnersatz sinkt der Festzuschuss von 60 auf 50 Prozent. Wer regelmäßig zur Vorsorge geht, kann ihn auf bis zu 65 Prozent erhöhen.
Ab 2028 sollen Ehepartner nicht mehr beitragsfrei mitversichert werden – ein Aufschlag von 2,5 Prozent ist geplant. Ausnahmen gelten für Eltern mit Kindern unter 12 Jahren, Menschen mit Pflegegrad ab Stufe 3 und Erwerbsgeminderte. Homöopathie und Hautkrebs-Screening fallen komplett aus dem Leistungskatalog.
Neue Pflegebudgets ab Januar 2027
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Das Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) führt vier neue Budgetarten für die häusliche Pflege ein:
- Entlastungsbudget: 386 bis 1.079 Euro (ersetzt das Pflegegeld)
- Sachleistungsbudget: 889 bis 2.529 Euro für professionelle Dienste
- Überbrückungsbudget: 1.855 bis 2.285 Euro jährlich
- Sozialraumbudget: bis zu 175 Euro für Pflegegrad 2 bis 5
Pflegeexperten warnen vor Unterversorgung bei Neueinstufungen. In den ersten drei Monaten nach der Zuweisung eines Pflegegrades steht nur das halbe Entlastungsbudget zur Verfügung. Das Überbrückungsbudget für die Pflegegrade 2 und 3 wurde zudem deutlich gekürzt.
Pflegerat warnt vor Personalkollaps
Der Deutsche Pflegerat (DPR) und Gewerkschaften wie ver.di äußerten massive Bedenken. Schon heute fehlen 115.000 Vollzeitkräfte in der Langzeitpflege. Bis 2033 scheidet ein Drittel der aktuellen Pflegekräfte altersbedingt aus – die Lücke könnte auf über 350.000 Stellen anwachsen.
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Besonders umstritten: Die Refinanzierung von Tarifsteigerungen. Steigen die Löhne stärker als die Grundlohnrate, wird nur die Hälfte erstattet – zunächst befristet auf zwei Jahre. Der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) spricht von Wettbewerbsverzerrung. Die Tariflohnpflicht in der Pflege wurde bis 2030 ausgesetzt, um geplante Einsparungen von 11 Milliarden Euro im Jahr 2027 zu ermöglichen.
Rund 15.000 Menschen protestierten vor der Verabschiedung gegen die Sparpläne. Sie forderten eine vollständige Refinanzierung der Personalkosten und verbindliche Personalbemessungsinstrumente.
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