Erwerbsbevölkerung: 4,3 Millionen weniger bis 2036
Veröffentlicht: 11.07.2026 um 17:09 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt: Die Erwerbsbevölkerung sinkt bis 2036 um 4,3 Millionen Menschen. Das sind 1,3 Millionen mehr als in früheren Prognosen.
Demografischer Wandel beschleunigt sich
Die Ursache liegt im früheren Beginn des Bevölkerungsrückgangs. Bereits 2025 schrumpft die Einwohnerzahl um 100.000 Menschen. Bis 2040 könnte Deutschland unter 82 Millionen Einwohner fallen. Gleichzeitig geht die Zuwanderung zurück.
IW-Experte Holger Schäfer warnt: „Deutschland befindet sich mitten im demografischen Wandel." Nötig seien längere Lebensarbeitszeit, erleichterte Zuwanderung und mehr individuelle Arbeitszeit. Die Folgen sind messbar: Das Potenzialwachstum der Wirtschaft sinkt demografiebedingt von 0,6 auf nur 0,3 Prozent bis 2030.
Busfahrer und Bauarbeiter fehlen
Besonders dramatisch ist die Lage im Verkehrssektor. Rund 40 Prozent der Bus- und Straßenbahnfahrer sind 55 Jahre oder älter. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen rechnet mit 6.000 Fahrern pro Jahr, die bis 2030 in Rente gehen. Bis 2041 könnten über 60.000 Stellen vakant sein. Im Güterverkehr erreichen in den nächsten 15 Jahren rund 200.000 Lkw-Fahrer das Rentenalter.
Die Bauwirtschaft hat ein zusätzliches Problem: körperliche Belastung. Auf Berliner Baustellen sind von 36.700 Beschäftigten nur 1.470 über 63 Jahre alt – gerade 4 Prozent. „Maurer oder Dachdecker können oft nicht bis 67 arbeiten", betont die IG BAU. Die Gewerkschaft fordert den Erhalt der Rente mit 63 für körperlich belastete Berufe und eine Flexi-Rente.
Streit um Rente mit 70
Die Politik diskutiert längst über Lösungen. CDU-Politiker Thorsten Frei und Sepp Müller fordern eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit. Finanzexperten halten eine Rente mit 70 für nötig. Die Rentenkommission der Bundesregierung soll bis Juni 2026 Reformvorschläge vorlegen.
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Bereits seit Januar gibt es die Aktivrente: Hinzuverdienste bis 2.000 Euro bleiben steuerfrei. Ab Juli steigen die Renten um 4,24 Prozent auf 42,52 Euro. Das Rentenniveau bleibt bis 2031 bei 48 Prozent gesichert – doch die Beiträge steigen auf über 22 Prozent. Ab 2028 ist eine Kapitalrente geplant, finanziert durch einen Zusatzbeitrag von bis zu 2 Prozent.
Unternehmen und Kommunen unter Druck
Die steigenden Sozialabgaben belasten die Wirtschaft massiv. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung warnt: Höhere Rentenbeiträge führen zu niedrigeren Löhnen und weniger Neueinstellungen. Besonders betroffen sind kleine Betriebe und arbeitsintensive Branchen wie IT-Beratung oder Pflege. Arbeitgeberverbände wie Südwestmetall fordern Entlastungen und eine stärkere betriebliche Altersvorsorge.
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Auch die öffentliche Hand ächzt unter den Kosten. In Baden-Württemberg steigt das Krankenhausdefizit 2026 auf 880 Millionen Euro – im Folgejahr drohen 1,65 Milliarden. Kommunale Spitzenverbände schlagen Alarm: „Die Landkreise können diese Defizite nicht mehr tragen." Sie fordern Nothilfeprogramme vom Bund.
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