Gebäuderichtlinie, Deutschland

Gebäuderichtlinie: Deutschland verfehlt EU-Umsetzungsfrist bis Mai

23.06.2026 - 21:56:20 | boerse-global.de

Die Bundesregierung hat die Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie nicht fristgerecht vollzogen. Sanierungspflichten und das neue Gebäudemodernisierungsgesetz bleiben umstritten.

Deutschland verpasst EU-Frist: Gebäuderichtlinie sorgt für Streit
Gebäuderichtlinie - Eine moderne Bürogebäude-Fassade mit Solarpaneelen und grünen Elementen, die Energieeffizienz und Nachhaltigkeit symbolisiert. 23.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Bis Ende Mai 2026 hätte die novellierte EPBD 2024/1275 in deutsches Recht überführt sein müssen. Während Frankreich und die nordischen Länder längst liefern, steckt Deutschland noch im Gesetzgebungsverfahren fest.

Die Richtlinie adressiert den Gebäudesektor, der in der EU für 36 Prozent der CO2-Emissionen verantwortlich ist. Der Zeitdruck ist enorm – doch die Koalition ringt um die nationale Ausgestaltung.

Sanierungspflichten für Nichtwohngebäude bis 2030

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Die Vorgaben sind ambitioniert. Bis 2030 müssen die energetisch schlechtesten 16 Prozent der Nichtwohngebäude modernisiert sein. Bis 2033 steigt die Quote auf 26 Prozent.

Branchenexperten warnen: Die aktuellen Mindeststandards reichen nicht aus, um diese Ziele zu erreichen.

Der Staat hat Förderinstrumente aufgelegt. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) erhalten für Energiechecks Zuschüsse vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) – bis zu 80 Prozent des Beratungshonorars. Die Analysen zeigen erhebliche Einsparpotenziale: bei der Beleuchtung bis zu 70 Prozent, bei der Drucklufttechnik bis zu 45 Prozent. Für Investitionen winken Förderungen von bis zu 55 Prozent.

Streit ums Gebäudemodernisierungsgesetz

Parallel sorgt das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) für Zündstoff. Es soll das bisherige Gebäudeenergiegesetz (GEG) ersetzen. Bei einer Anhörung im Wirtschaftsausschuss Ende Juni 2026 äußerten Sachverständige deutliche Bedenken.

Eigentümerverbände begrüßen die geplante Abschaffung der pauschalen 65-Prozent-Pflicht für erneuerbare Energien bei neuen Heizungen. Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) berichtet dagegen von anhaltender Verunsicherung in den Betrieben.

Der Entwurf sieht eine sogenannte Bio-Treppe vor: Neue Gas- oder Ölheizungen müssen schrittweise höhere Anteile klimaneutraler Brennstoffe nutzen – mindestens 10 Prozent ab 2029 und 60 Prozent ab 2040. Juristische Gutachter äußerten zudem verfassungsrechtliche Bedenken. Trotz der Kritik plant die Koalition eine Verabschiedung noch vor der Sommerpause.

Fachkräftemangel bremst die Wärmewende

Selbst wenn die Gesetze stehen – wer setzt sie um? Aktuellen Branchendaten zufolge fehlen in Deutschland über 10.000 Energieberater im Bereich der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA).

Die Gehälter spiegeln den Bedarf: Das Mediangehalt für TGA-Energieberater liegt bei rund 52.000 Euro, Senior-Experten erzielen bis zu 70.000 Euro. Eine Listung bei der Deutschen Energie-Agentur (dena) ermöglicht zusätzliche Steigerungen.

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Digitale Helfer für komplexe Anforderungen

Unternehmen setzen verstärkt auf Software, um die Anforderungen an Energieeffizienz und Berichterstattung nach EPBD- und CSRD-Vorgaben zu bewältigen. Auf Fachmessen im Frühjahr wurden modulare Plattformen vorgestellt, die Gebäude- und IoT-Daten zusammenführen. Sie optimieren den Betrieb und unterstützen automatisiert bei Compliance-Aufgaben.

Der Neubau bleibt ebenfalls im Fokus der Förderpolitik. Die Bundesregierung hat die EH55-Plus-Förderung verlängert. Sie läuft nun bis zum Ausschöpfen der Mittel, längstens jedoch bis Ende 2026. Der Bau energieeffizienter Wohngebäude soll so trotz angespannter Marktlage gestützt werden.

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