Fronten, Klima

EU kämpft an mehreren Fronten: Klima, Krise und Handel

09.05.2026 - 19:27:50 | boerse-global.de

Die EU vereinfacht Umweltauflagen, während Handelsstreit mit den USA droht und das MERCOSUR-Abkommen neue Chancen eröffnet.

EU kämpft an mehreren Fronten: Klima, Krise und Handel - Foto: über boerse-global.de
EU kämpft an mehreren Fronten: Klima, Krise und Handel - Foto: über boerse-global.de

Während Brüssel die Bürokratie für Unternehmen abbaut, drohen neue Handelskonflikte mit den USA.

Entlastung für Unternehmen: Weniger Bürokratie beim Klimaschutz

Die EU-Kommission hat Anfang Mai eine Vereinfachung der umstrittenen EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) vorgelegt. Das Ziel: Die Compliance-Kosten für Unternehmen sollen um bis zu 75 Prozent sinken. Die Kernziele und Fristen bleiben zwar unverändert, doch der Anwendungsbereich wurde deutlich verkleinert.

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Bestimmte Rinderhäute, Leder und Reifen sind künftig nicht mehr betroffen – ebenso wenig wie Abfallprodukte, Gebrauchtwaren und Proben. Neu aufgenommen wurden dagegen löslicher Kaffee, Palmöl-Derivate wie Seife und gefrorene Rinderzungen. Ein digitales Portal für nationale Gesetze und Zertifizierungssysteme soll bis Dezember 2026 online gehen, ein neues Informationssystem startet bereits im Juni.

Große und mittlere Unternehmen müssen die Regeln bis zum 30. Dezember 2026 umsetzen, kleine und mittlere Unternehmen (KMU) haben bis zum 30. Juni 2027 Zeit.

Verpackungsmüll: Neues Tool soll Unternehmen helfen

Parallel dazu nimmt die EU-Verpackungsverordnung (PPWR) Gestalt an. Organisationen wie GS1 Germany und das Forum Rezyklat haben ein standardisiertes Tool entwickelt, das Unternehmen ab August 2026 kostenlos zur Verfügung steht. Es erfasst Materialarten, Etiketten und Klebstoffe, um die Recyclingfähigkeit sicherzustellen – eine Pflicht, die ab 2030 greift.

Die Industrie reagiert bereits. Die Uhlmann Group investiert sieben Prozent ihres Umsatzes von 460 Millionen Euro in nachhaltige Verpackungstechnologien. Der deutsche Verpackungsmaschinenbau hat mit 16,5 Milliarden Euro einen Rekordumsatz erzielt, so der VDMA.

Mittelmeer-Krise: Staatliche Hilfen für betroffene Branchen

Die Blockade der Straße von Hormus seit Februar setzt Europas energieintensive Industrie massiv unter Druck. Die EU-Kommission reagierte Ende April mit dem „Middle East Crisis Temporary State Aid Framework“ (METSAF). Das Hilfspaket erlaubt Mitgliedstaaten, bis zu 70 Prozent der Mehrkosten für Treibstoff und Dünger zu erstatten.

Für energieintensive Industrien steigt die Beihilfeintensität sogar auf 70 Prozent. Ausgenommen bleibt der Luftverkehr. Die Maßnahmen gelten für Beihilfen bis zum 31. Dezember 2026, Nachprüfungen sind bis Frühjahr 2027 möglich.

Bundeskanzler Friedrich Merz hat sich deutlich positioniert. Die wirtschaftlichen Schäden durch die iranische Blockade seien enorm, erklärte er. Deutschland sei bereit, über eine militärische Beteiligung zur Sicherung der Seewege nachzudenken – vorausgesetzt, es gibt eine rechtliche Grundlage, Parlamentszustimmung und ein nachhaltiges politisches Rahmenwerk. Analysten von Commerzbank und VP Bank warnen: Die Dauer des Konflikts und die Volatilität der Energiepreise bleiben die größten Risiken für die europäische Konjunktur.

Handelsstreit mit den USA: Teilerfolg vor Gericht

Das Verhältnis zwischen EU und USA bleibt angespannt. Ein Urteil des US-Außenhandelsgerichts vom 7. Mai erklärte den zehnprozentigen Importzuschlag der Trump-Administration für rechtswidrig. Die Richter befanden, die Regierung habe ihre Befugnisse überschritten.

Doch der Sieg ist begrenzt: Die einstweilige Verfügung gilt nur für die klagenden Unternehmen und den Bundesstaat Washington. Die US-Regierung hat bereits Berufung angekündigt. Geschätzte 175 Milliarden Dollar an Zollrückzahlungen plus Zinsen könnten auf die Steuerzahler zukommen.

Präsident Trump hat der EU ein Ultimatum gestellt: Bis zum 4. Juli muss das Handelsabkommen von Turnberry aus dem Jahr 2025 vollständig umgesetzt sein. Andernfalls drohen 25 Prozent Zölle auf europäische Autoimporte. Verhandlungen in Straßburg Mitte Mai sollen die Wogen glätten. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betont die Bereitschaft zu einer bilateralen Lösung.

Neue Perspektiven: MERCOSUR-Abkommen tritt in Kraft

Während die transatlantischen Beziehungen kriseln, macht die EU Fortschritte anderswo. Seit dem 1. Mai gilt ein vorläufiges Handelsabkommen mit dem MERCOSUR-Block. Es schafft eine Freihandelszone mit schrittweisem Zollabbau.

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Argentinien räumt Europa eine Jahresquote von 15.500 Fahrzeugen ein, die acht Jahre lang mit 50 Prozent Zollnachlass importiert werden dürfen. Auch Milchprodukte, Kakao und Knoblauch profitieren von Vorzugsquoten. Ein vereinfachtes Ursprungsnachweisverfahren soll den Handel erleichtern.

Der Zeitpunkt könnte kaum besser sein: Die deutschen Exporte in die USA brachen im März um 21,4 Prozent ein. Zwar stiegen die Lieferungen in EU-Partnerländer um 3,4 Prozent, doch die Ausfuhren in Drittstaaten gingen zurück. Neue Absatzmärkte in Südamerika sind für die deutsche Industrie überlebenswichtig.

Ausblick: Entscheidende Monate für Europas Wirtschaft

Die kommenden Monate werden richtungsweisend. In den USA beginnen voraussichtlich ab dem 11. Mai die ersten Zollrückzahlungen. Gleichzeitig drohen ab Juni endgültige Section-301-Zölle, die gezielt Bereiche wie Zwangsarbeit und industrielle Überkapazitäten treffen könnten.

In der EU stehen der Neustart der Umweltinformationssysteme im Juni und die Einführung der PPWR-Tools im August an. Die Automobil- und Maschinenbauindustrie muss sich auf volatile Märkte bis zum 4. Juli einstellen. Für die grüne Industrie wird die erfolgreiche Nutzung des METSAF-Hilfsrahmens und der vereinfachten EUDR-Compliance entscheidend sein, um die operative Stabilität bis Jahresende zu sichern.

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