EU startet Zertifizierung für CO?-Entnahme – Antragsverfahren eröffnet
09.05.2026 - 19:11:17 | boerse-global.de
Seit dem 7. Mai 2026 sind die ersten technischen Methoden für dauerhafte Kohlenstoffentnahmen in Kraft – ein Meilenstein für den Klimaschutz in Europa.
Technische Methoden für drei Verfahren
Mit dem Inkrafttreten des delegierten Rechtsakts zur CO?-Entnahme-Zertifizierung (CRCF) wird die bisherige Planungsphase zur operativen Realität. Die Verordnung (EU) 2024/3012 schafft damit einen einheitlichen Rechtsrahmen für drei zentrale Technologien:
- Direct Air Carbon Capture and Storage (DACCS) – Direktabscheidung von CO? aus der Luft
- Bioenergie mit CO?-Abscheidung und -Speicherung (BioCCS)
- Pflanzenkohle-Speicherung (Biochar)
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Für jede dieser Methoden hat die Kommission neun Zertifizierungsanforderungen festgelegt. Dazu gehören strenge Zulassungskriterien, definierte Überwachungszeiträume und klare Regeln für die Langzeitspeicherung. Besonders streng sind die Vorgaben für Pflanzenkohle: Hier muss eine Mindestspeicherdauer von 200 Jahren nachgewiesen werden.
Transparenz und unabhängige Prüfung
Die Durchführungsverordnung (EU) 2025/2358 regelt die operativen Abläufe. Internationale und nationale Zertifizierungssysteme können nun bei der Generaldirektion Klimaschutz (DG CLIMA) Anträge stellen – nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst".
Ein zentrales Element ist die unabhängige Drittprüfung. Die von den Systemen benannten Zertifizierungsstellen müssen nach internationalen Standards wie EN ISO/IEC 17065 akkreditiert sein. Die sogenannten „QU.A.L.ITY"-Kriterien – Quantifizierung, Zusätzlichkeit, Langzeitspeicherung und Nachhaltigkeit – dienen als Schutz gegen Greenwashing.
Die Anerkennung gilt für fünf Jahre, danach ist eine erneute Prüfung fällig.
Brücke zwischen freiwilligen Märkten und Regulierung
Der Start des Verfahrens ist ein Wendepunkt für den freiwilligen Kohlenstoffmarkt in Europa. Etablierte Standards wie Verra, Gold Standard oder Puro.earth können ihre Methoden nun an den EU-Rahmen anpassen. Das schafft Glaubwürdigkeit und könnte die Liquidität von CO?-Entnahme-Zertifikaten deutlich erhöhen.
Bis ein EU-weites Register 2028 in Betrieb geht, führen die anerkannten Systeme eigene Register – allerdings unter harmonisierten Regeln, um Doppelzählungen zu vermeiden. Die Daten fließen später in ein zentrales Unionssystem.
Integration in den Emissionshandel in Sicht
Die große Frage in Brüssel: Können diese Zertifikate künftig im EU-Emissionshandel (ETS) genutzt werden? Die Kommission muss bis Juli 2026 prüfen, wie dauerhafte CO?-Entnahmen in das System integriert werden können. Gelingt dies, könnten Industrieverschmutzer die Zertifikate zur Erfüllung ihrer Pflichten nutzen – ein massiver Nachfrageschub wäre die Folge.
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Hintergrund: 300 Millionen Tonnen bis 2040
Der CRCF ist ein zentraler Baustein der EU-Strategie für Klimaneutralität bis 2050. Um die Zwischenziele für 2040 zu erreichen, will die Union rund 300 Millionen Tonnen CO? dauerhaft aus der Atmosphäre entfernen. Kapitalintensive Technologien wie DACCS und BECCS brauchen dafür verlässliche Marktsignale – genau das soll der Rahmen liefern.
Kritiker warnen vor Risiken bei der Nachhaltigkeit von Biomasse und der Gefahr, fossile Emissionen durch temporäre Entnahmen zu kompensieren. Die Kommission betont: Der CRCF ergänzt tiefgreifende Emissionsreduktionen, ersetzt sie nicht.
Ausblick: Entscheidende Monate
Die kommenden Wochen werden von der ersten Antragswelle geprägt sein. Die Kommission arbeitet zudem an weiteren delegierten Rechtsakten für Kohlenstofflandwirtschaft – etwa für Bodenkohlenstoff-Speicherung, Moorwiedervernässung und Aufforstung. Diese sollen noch vor der Sommerpause 2026 verabschiedet werden.
Ein weiterer Termin: die „CRCF Days" am 20. und 21. Mai 2026. Dort geht es um die Finanzierung dauerhafter Entnahmen und den Aufbau des freiwilligen Kohlenstofflandwirtschaftsmarktes. Die ersten EU-zertifizierten CO?-Entnahme-Einheiten werden für Ende 2026 oder Anfang 2027 erwartet. Die Branche richtet sich nun von der politischen Lobbyarbeit auf die technische Umsetzung aus.
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