ESRS-Reform: EU senkt Berichtskosten für Unternehmen ab 2027
19.06.2026 - 21:53:54 | boerse-global.de
Ziel: Die Berichtskosten für Unternehmen ab 2027 um mehr als 30 Prozent senken. Die Anzahl verpflichtender Datenpunkte soll deutlich sinken, um den Verwaltungsaufwand zu begrenzen.
Investoren fordern praktikablere Regeln
Eine aktuelle Studie von Union Investment unter 130 institutionellen Investoren zeigt: 85 Prozent berücksichtigen ESG-Kriterien in ihren Anlageentscheidungen. Die Befragten verwalten ein Vermögen von 1,7 Billionen Euro. 68 Prozent sehen langfristig einen hohen Nutzen in der Berichterstattung. Gleichzeitig fordern 92 Prozent eine praktikablere Ausgestaltung der Regulierung. Und: 62 Prozent priorisieren die Rendite vor ökologischem oder sozialem Impact.
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Kritik kommt von der Arbeitgeberseite. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) bezeichnet die Überarbeitung in einem Positionspapier als unzureichend. Besonders die sozialen Standards (ESRS S1) blieben zu komplex. Der Verband schätzt: Der Aufwand sinkt nur um 10 bis 20 Prozent – weit entfernt von den versprochenen 25 Prozent.
Unternehmen treiben Umsetzung voran
Trotz der Diskussionen melden erste Firmen Fortschritte. Die AptarGroup veröffentlichte Mitte Juni ihren Nachhaltigkeitsbericht für 2025. Das Unternehmen erreichte Ende 2025 eine Quote von 98 Prozent bei erneuerbaren Energien. Die doppelte Wesentlichkeitsanalyse ist abgeschlossen. Die Daten für Scope 1 und 2 wurden extern mit hinreichender Sicherheit (reasonable assurance) geprüft.
In Asien setzt Meiji Yasuda Life Insurance auf eine KI-Plattform des Anbieters Asuene. Ziel: automatisiertes Datenmanagement für finanzierte Emissionen (Scope 3, Kategorie 15). Bisher liefen diese Prozesse manuell.
Schweiz zieht bei Regulierung nach
Parallel zur EU treibt die Schweiz die Harmonisierung voran. Bis zum 9. Juli läuft die Konsultation zum Bundesgesetz über nachhaltige Unternehmensführung (NUFG). Die Vorlage sieht vor: Unternehmen ab 1.000 Mitarbeitern und 450 Millionen Franken Umsatz werden berichtspflichtig. Das betrifft schätzungsweise 100 Schweizer Firmen.
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Auf EU-Ebene startete die Kommission am 12. Juni die Konsultation zu den Leitlinien für die Corporate Sustainability Due Diligence Directive (CSDDD). Unternehmen können bis zum 24. Juli Stellung nehmen. Erste detaillierte Implementierungsleitlinien werden bis Sommer 2027 erwartet. Die Anwendung der CS3D beginnt planmäßig im Juli 2029.
Datenintegrität wird zum Schlüsselfaktor
Experten warnen vor einer wachsenden Lücke bei Arbeitsschutzmetriken (OHS) im Rahmen des ESRS S1. Interne Aufzeichnungen erfüllen oft nicht die Anforderungen für externe Prüfungen. Unternehmen müssen auf standardisierte Prozesse und nachvollziehbare Prüfpfade setzen. Nur so lässt sich die geforderte Revisionssicherheit gewährleisten.
