China-Handel, Schutzmaßnahmen

China-Handel: EU beschließt Schutzmaßnahmen gegen 360-Mrd-Defizit

19.06.2026 - 21:53:54 | boerse-global.de

Angesichts eines Rekorddefizits von 360 Milliarden Euro plant die EU schärfere Handelsregeln und mehr Unabhängigkeit von China.

EU beschließt wirtschaftliche Neuausrichtung gegenüber China
China-Handel - Eine stilisierte, hochtechnologische Karte von Europa und China, verbunden durch leuchtende digitale Handelsrouten, die die Handelsbeziehungen darstellen. 19.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die europäischen Staats- und Regierungschefs haben in Brüssel eine wirtschaftliche Neuausrichtung gegenüber China beschlossen. Die EU-Kommission soll den Handelsschutz verschärfen und die Industrie unabhängiger machen. Hintergrund: Das Handelsdefizit mit der Volksrepublik ist auf 360 Milliarden Euro explodiert.

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360 Milliarden Defizit – und es wird schlimmer

Die Zahlen alarmieren Brüssel. Im Jahr 2025 erreichte das Handelsdefizit mit China 360 Milliarden Euro – rechnerisch eine Milliarde pro Tag. EU-Kommissar Stéphane Séjourné warnt: Ohne Gegenmaßnahmen steigt die Summe bis 2027 auf 500 Milliarden Euro. Erstmals verzeichnen alle 27 Mitgliedstaaten ein Defizit im China-Handel.

Die EU will gegensteuern. Ein Diversifizierungsinstrument könnte Importe aus einem einzelnen Drittland auf maximal 40 Prozent begrenzen. Besonders kritisch: Rohstoffe. Hier berufen sich die Staatschefs auf G7-Vereinbarungen aus Évian, die Obergrenzen vorsehen. Zudem prüft die Kommission Schutzzölle für bestimmte Branchen – etwa auf chinesische Plug-in-Hybride.

Streit über die richtige Gangart

Einig in der Diagnose, uneins in der Therapie: Frankreich, Polen, Belgien und die baltischen Staaten fordern eine härtere Gangart. Deutschland, Spanien und Griechenland mahnen zur Vorsicht.

„Wir sehen geoökonomische Ungleichgewichte“, sagte Unionskanzler Friedrich Merz in Brüssel. Österreichs Kanzler Karl Nehammer Stocker ist deutlicher: „China ist ein systemischer Rivale. Das Defizit zwingt uns zum Handeln.“

Einen konkreten Beschluss gegen Überkapazitäten gab es nicht. Die Kommission soll bestehende Maßnahmen auf ihre Effektivität prüfen. Belgiens Premier Bart De Wever drängt: „Der wirtschaftliche Druck durch chinesische Billigexporte nimmt zu. Das ist dringend.“

Dialog und Eigenverantwortung

Parallel zur Härte setzt die EU weiter auf Gespräche. Ende Juni reist Chinas Handelsminister Wang Wentao nach Brüssel. Thema: Exportbeschränkungen aus dem Frühjahr 2025 und der Marktzugang für europäische Firmen.

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Unionsfraktionschef Jens Spahn fordert deutsche Unternehmen zu mehr Eigenverantwortung auf. „Macht Stresstests, prüft eure Widerstandsfähigkeit bei Abschreibungen auf China-Investitionen“, empfiehlt er. Neue bürokratische Lieferketten-Vorgaben lehnt Spahn ab. Stattdessen plädiert er für Diversifizierung und neue Partnerschaften.

Haushaltsstreit überschattet China-Debatte

Nicht nur China sorgt für Zündstoff. Der EU-Haushalt für 2028 bis 2034 – rund zwei Billionen Euro – stößt auf Widerstand. Mehrere Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, lehnen die Kommissionsvorschläge ab. Merz spricht von „unausgewogenen Entwürfen“ und fordert niedrigere Ausgaben. Eine Einigung muss bis Ende 2027 stehen.

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