ESRS 2.0: EU reduziert Nachhaltsberichterstattung um bis zu 70%
04.06.2026 - 16:02:53 | boerse-global.de
Die Änderungen sollen Unternehmen entlasten – doch erste Reaktionen zeigen: Der Schuss könnte nach hinten losgehen.
Weniger Aufwand im Binnenmarkt, mehr Arbeit für Drittstaaten
Die aktualisierte EUDR-Datenbank betrifft vor allem die Abgabe von Sorgfaltserklärungen. Eine zentrale Neuerung: Händler innerhalb der EU müssen bestimmte Informationen nicht mehr durch die gesamte Lieferkette reichen. Die Kommission verspricht sich davon weniger Bürokratie für europäische Unternehmen.
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Doch was im Binnenmarkt entlastet, belastet Partner außerhalb der EU. Die Schweizer Holzindustrie etwa schlägt Alarm. Für Importeure und Exporteure aus der Schweiz steige der Aufwand erheblich, da sie nun Informationen ohne die bisherige Dokumentationskette von EU-Partnern verwalten müssten.
17 Verbände kritisieren technische Mängel
Die technische Umsetzung des Systems sorgt für weiteren Unmut. Ein Bündnis aus 17 europäischen Branchenverbänden – darunter CEI-Bois, die Europäische Organisation der Sägewerksindustrie (EOS) und der Europäische Parkettverband (FEP) – bemängelt gravierende Schwächen.
Die Kritikpunkte im Einzelnen:
- Unzuverlässige Schnittstellen erschweren die korrekte Abgabe von Sorgfaltserklärungen
- Fehlende automatische Zusammenfassungsfunktionen im System
- Probleme mit der Geolokalisierung von Rohstoffen
Die Verbände warnen: Diese technischen Hürden gefährden die fristgerechte und korrekte Erfüllung der gesetzlichen Pflichten.
Teil eines größeren Trends
Die EUDR-Überarbeitung ist kein Einzelfall. Die EU-Kommission treibt derzeit mehrere Entlastungsinitiativen voran. Erst am 4. Juni 2026 legte sie den Entwurf für ESRS 2.0 vor – mit dem Ziel, die Pflichtangaben zur Nachhaltigkeitsberichterstattung um 60 bis 70 Prozent zu reduzieren.
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Auch Deutschland zieht mit: Das Bundeskabinett verabschiedete am 3. Juni 2026 ein Aktionsprogramm für die Kreislaufwirtschaft. Es zielt auf Rohstoffunabhängigkeit und innovative Produktion ab. Doch auch hier hagelt es Kritik. Verbände wie der BDI und der VCI beklagen, das Programm sei zu vage und biete zu wenig wirtschaftliche Anreize.
Die Botschaft an Brüssel ist klar: Die Industrie will mehr Klimaschutz – aber bitte mit Systemen, die auch funktionieren.
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