Mercedes-Benz, Beschäftigte

Mercedes-Benz: 108.000 Beschäftigte sollen 40 statt 35 Stunden arbeiten

Veröffentlicht: 11.07.2026 um 17:09 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Mercedes-Benz kehrt zur Fünf-Tage-Präsenzpflicht zurück und fordert eine 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich. Gewerkschaften kündigen Widerstand an.

Mercedes-Benz: Rückkehr zur Fünf-Tage-Präsenzpflicht
Leeres, modernes Büro mit subtilem Mercedes-Benz-Logo im Hintergrund, das Unternehmensveränderungen und das Ende des Homeoffice symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ab sofort gilt wieder die Präsenzpflicht an fünf Tagen pro Woche. Parallel fordert der Vorstand eine drastische Ausweitung der Wochenarbeitszeit – ohne mehr Geld.

Ende der Homeoffice-Ära

Seit dem 11. Juli 2026 ist Schluss mit flexiblen Arbeitsmodellen bei Mercedes-Benz. Das Unternehmen setzt die vollständige Rückkehr ins Werk oder Büro durch. Bisherige Homeoffice-Regelungen sind damit Geschichte.

Noch weiter geht der Vorstoß des Vorstands vom Vortag: Rund 108.000 Beschäftigte in Deutschland sollen künftig 40 statt 35 Stunden pro Woche arbeiten. Die Mehrarbeit? Ohne Lohnausgleich. Zusätzlich plant der Konzern, eine Sonderzahlung in Höhe von 18,4 Prozent eines Monatsentgelts für etwa 90.000 Mitarbeiter um ein Jahr zu verschieben.

Martin Brudermüller, Aufsichtsratsvorsitzender von Mercedes-Benz, begründet den Schritt mit einem schwindenden Produktivitätsvorteil. „Die Arbeitsstunde muss günstiger werden“, sagte er. Nur so bleibe der Standort wettbewerbsfähig.

Gewinn halbiert – Produktion stockt

Die verschärften Maßnahmen kommen nicht von ungefähr. Im Geschäftsjahr 2025 halbierte sich das Konzernergebnis auf 5,3 Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es noch 10,4 Milliarden. Auch das erste Quartal 2026 fiel mit einem Minus von 17,2 Prozent schwach aus.

Hinzu kommen operative Probleme. Die Produktion des Elektro-SUV GLC stockt – Grund sind Lieferengpässe bei Batterien und Bordnetzen.

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Massiver Widerstand von Gewerkschaften

Die Pläne stoßen auf harte Gegenwehr. Der Gesamtbetriebsrat lehnt die Forderungen ab. Bereits am 3. Juli demonstrierten tausende Mitarbeiter gegen die drohenden Einschnitte.

Christiane Benner, Vorsitzende der IG Metall, kündigte entschiedenen Widerstand an. Die 35-Stunden-Woche gilt in der Metall- und Elektroindustrie seit 1995 als Standard. „Das werden wir nicht kampflos aufgeben“, so die Botschaft.

Auch aus der Politik kommt Kritik. Die Grünen-Politikerin Ricarda Lang bezeichnete die Pläne als „faktische Lohnkürzung“. Unterstützung erhalten die Pläne dagegen von Wirtschaftsvertretern. Lars Brzoska von Jungheinrich und Albert Sauter vom Waagenhersteller Kern & Sohn sprechen sich für Reformen aus. Sauter, dessen Unternehmen bereits eine 40-Stunden-Woche praktiziert, warnt: Ohne Anpassungen drohten Arbeitsplatzverluste.

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Branche unter Druck – VW diskutiert Werkschließungen

Die Debatte bei Mercedes-Benz ist kein Einzelfall. Die gesamte deutsche Automobilindustrie steckt in der Krise. Bei Volkswagen beriet der Aufsichtsrat am 9. Juli über ein massives Sparprogramm. Zur Diskussion stehen die Schließung von bis zu vier Werken – unter anderem in Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm. Weltweit könnten bis zu 120.000 Stellen wegfallen.

VW verzeichnete im zweiten Quartal 2026 einen Absatzrückgang von rund 8 bis 9 Prozent. Besonders dramatisch: Das China-Geschäft brach um 36 Prozent ein.

Der Ökonom Ferdinand Dudenhöffer spricht sich auch bei VW für eine Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich aus. Nur so lasse sich die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Marken wie Skoda sichern.

Während die Verhandlungen in der Großindustrie eskalieren, zeigen sich bei mittelständischen Unternehmen erste Kompromisse. Beim Autozulieferer Aumovio in Villingen-Schwenningen gilt seit dem 1. Juli eine 38-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich – als Ausnahmeregelung zum Tarifvertrag. Die Tarifrunde für die gesamte Metall- und Elektroindustrie ist für den Herbst 2026 angesetzt.

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