EnEfG-Reform, Schwellenwerte

EnEfG-Reform: Schwellenwerte steigen von 2,5 auf 2,77 Gigawattstunden

01.07.2026 - 18:23:11 | boerse-global.de

Deutsche Industrie investiert trotz nachlassender strategischer Bedeutung wieder mehr in Energieeffizienz. Treiber sind Kostenkontrolle und Klimaziele.

Energieeffizienz in der Industrie: Investitionen steigen trotz sinkender Priorität
EnEfG-Reform - Eine Industrieanlage mit leuchtenden Energieverbrauchsanzeigen und Datenvisualisierungen, die Effizienz und Investitionen darstellen. 01.07.2026 - Bild: über boerse-global.de

Gleichzeitig planen die Betriebe so viele Investitionen in dem Bereich wie seit Jahren nicht mehr. Das zeigt die Sommererhebung 2026 des Energieeffizienz-Index (EEI) der Universität Stuttgart, für die zwischen März und April 854 Unternehmen befragt wurden.

Warum der Widerspruch?

Der Bedeutungsindex für Energieeffizienz nähert sich einem historischen Tief – zuletzt im Sommer 2024 war er ähnlich niedrig. Der Investitionsindex legt dagegen den dritten Anstieg in Folge hin. Was treibt die Firmen trotz nachlassender Priorität?

Die Antwort: Kontrolle und Klimaziele. 71 Prozent der Betriebe nennen die Überwachung des Energieverbrauchs als Hauptgrund für Effizienzmaßnahmen. 70 Prozent wollen CO? senken. Gesetzliche Vorgaben folgen mit 58 Prozent erst an dritter Stelle.

Kurzfristdenken dominiert

Derzeit betreiben 55 Prozent der Unternehmen ein zertifiziertes Energie- oder Umweltmanagementsystem. Doch die Bereitschaft zu langfristigen Investitionen ist eingebrochen. Früher akzeptierte etwa ein Viertel der Firmen längere Amortisationszeiten – heute sind es nur noch zwei Prozent. Die Mehrheit verlangt, dass sich Investitionen innerhalb von maximal drei Jahren rechnen.

Gesetzesreform mit drastischen Folgen

Die geplante Novellierung des Energieeffizienzgesetzes (EnEfG) verschärft den Trend. Die Schwellenwerte sollen deutlich steigen: von 2,5 auf 2,77 Gigawattstunden (GWh) und in einem weiteren Bereich von 7,5 auf 23,6 GWh.

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Besonders hart trifft es das Thema Abwärme. 89 Prozent der Unternehmen kennen ihr Potenzial in diesem Bereich. Doch die Reform würde den Anteil der betroffenen Betriebe von 51 auf rund fünf Prozent drücken. Kein Wunder, dass immer mehr Marktteilnehmer die vollständige Abschaffung des EnEfG fordern.

Standort unter Druck

Die Zurückhaltung bei strategischen Projekten hat handfeste Gründe. Die Metall- und Elektroindustrie hat seit 2018 rund 270.000 Arbeitsplätze verloren. Verbände wie Gesamtmetall beklagen hohe Belastungen durch Steuern, Sozialabgaben und Bürokratie. Der jährliche Erfüllungsaufwand durch regulatorische Pflichten liegt bei rund 62,5 Milliarden Euro.

Hinzu kommen die Energiekosten: Industriestrom ist für deutsche Betriebe teils bis zu fünfmal teurer als für die ausländische Konkurrenz. Ein seit Anfang 2026 geltender Industriestrompreis deckelt die Kosten für 50 Prozent des Verbrauchs auf 5 Cent pro Kilowattstunde – allerdings nur bis Ende 2028.

Investitionsstau trotz hohem Bedarf

KfW Research bestätigt das Bild. 92 Prozent der Unternehmen sehen grundsätzlich Investitionsbedarf, aber nur 61 Prozent planen konkrete Vorhaben für die kommenden zwölf Monate. Hauptgründe: das gesamtwirtschaftliche Umfeld und gestiegene Kosten.

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Während Investitionen in die Hardware oft stocken, dürfen rechtliche Dokumentationspflichten nicht vernachlässigt werden, um zusätzliche finanzielle Risiken zu vermeiden. Experten zeigen die häufig übersehenen Pflichtfelder im Verarbeitungsverzeichnis, die bei einer Prüfung sofort auffallen. Kostenlose Muster-Vorlage für das Verarbeitungsverzeichnis sichern

Auch die Finanzierung wird schwieriger. Nur noch 24 Prozent der Betriebe empfinden die Kreditaufnahme als leicht – im Vorjahr waren es 32 Prozent. Die Schere zwischen Wollen und Können wird größer.

Lichtblicke in der Chemie

Trotz der Probleme gibt es positive Signale. In der chemischen Industrie hat sich das Geschäftsklima im Juni 2026 leicht verbessert. Grund sind unter anderem Lieferverzögerungen aus Übersee, die die Nachfrage kurzfristig zu europäischen Herstellern verlagern.

Dennoch mahnt der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) umfassende Reformpakete an. Nur so lasse sich die internationale Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern. Ob die Politik liefert, bleibt abzuwarten.

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