Emissionshandel-Reform, Mittelstand

Emissionshandel-Reform: Mittelstand warnt vor Spekulationen bei CO2-Preisen

Veröffentlicht: 18.07.2026 um 00:21 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Kommunale Verbände und Industrie kritisieren geplante CO2-Zertifikat-Regeln und befürchten steigende Belastungen für Unternehmen.

Emissionshandel-Reform: Mittelstand warnt vor Spekulation und Kosten
Eine Hand hält eine Lupe über einen Stapel Euro-Münzen, im Hintergrund verschwommene Diagramme, die finanzielle Spekulation darstellen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Kommunale Verbände warnen vor Spekulation, die Industrie vor Wettbewerbsnachteilen.

Spekulationsgefahr beim Heizen und Tanken

Der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) schlägt Alarm. Bei der Novelle des Brennstoffemissionshandelsgesetzes (BEHG) sieht er erhebliche Risiken. Seine Sorge: Spekulanten könnten die Preise für CO2-Zertifikate künstlich in die Höhe treiben.

Aktuell kostet ein Zertifikat zwischen 55 und 65 Euro. Eine Erhöhung auf 75 Euro ist im Gespräch – der VKU fordert, davon Abstand zu nehmen. Stattdessen plädiert der Verband für strengere Teilnahmeregeln bei den Auktionen. Nur tatsächlich betroffene Marktakteure sollten Zertifikate ersteigern dürfen. Das Ziel: Die finanzielle Belastung für Verbraucher und Mittelstand kalkulierbar halten.

EU-Pläne: Entlastung mit Haken

Parallel dazu sorgt ein Reformpaket der EU-Kommission für Unruhe. Es sieht vor, die kostenlose Zuteilung von Zertifikaten für die Industrie bis 2038 zu verlängern. Ab 2031 soll die Verknappung zudem langsamer erfolgen – mit einer jährlichen Reduktionsrate von 3,7 Prozent bis 2035, danach 1,7 Prozent.

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Doch die Entlastung hat ihren Preis. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der Verband der Chemischen Industrie (VCI) kritisieren die geplanten Auflagen scharf. Unternehmen sollen 80 Prozent ihrer Zertifikate erst nach Vorlage konkreter Investitionspläne erhalten, die restlichen 20 Prozent erst nach deren Umsetzung. Branchenvertreter aus der Stahl- und Papierindustrie nennen das planwirtschaftlich. Solche Vorgaben schränkten den unternehmerischen Spielraum ein und gefährdeten Investitionen am Standort Europa.

Wenn mehrere Baustellen gleichzeitig drücken

Die Kritik am Emissionshandel ist nur ein Teil des Problems. Regionalverbände wie die IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz warnen vor einer Kumulation von Belastungen. Neben den CO2-Preisen setzen geplante Steuererhöhungen den Mittelstand unter Druck.

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Hinzu kommt ein strukturelles Problem: Bis Ende des Jahrzehnts benötigen rund 45 Prozent der mittelständischen Firmen in bestimmten Regionen eine Nachfolgelösung. Steigende Betriebskosten durch Emissionszertifikate und eine unsichere Regulierung könnten die Attraktivität für Nachfolger weiter mindern.

Während Umweltverbände die EU-Pläne als Abschwächung der Klimaziele kritisieren, fordern Wirtschaftsvertreter Nachbesserungen. Sie wollen Lösungen, die die Dekarbonisierung vorantreiben – ohne die internationale Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Branchen zu opfern.

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