Elektronische, Zeiterfassung

Elektronische Zeiterfassung: Ab 2026 Pflicht im gesamten DACH-Raum

17.06.2026 - 18:03:28 | boerse-global.de

Umfrage zeigt: 13 Prozent der Beschäftigten erfassen Arbeitszeit falsch. Gerichte bestätigen Kündigungen bei Verstößen.

Arbeitszeitbetrug: Neue Trends und rechtliche Konsequenzen
Elektronische - Eine Hand tippt heimlich auf einer Zeiterfassungsuhr oder einem Laptop mit digitaler Zeiterfassung in einem Homeoffice. 17.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

13 Prozent der Beschäftigten geben zu, ihre Arbeitszeit regelmäßig falsch zu erfassen. Das zeigt eine am Dienstag veröffentlichte Umfrage von Consumerfieldwork unter 1.000 Arbeitnehmern in Deutschland.

Noch höher liegt die Dunkelziffer bei privaten Erledigungen während der Arbeitszeit: 75 Prozent der Befragten räumten ein, bereits während der Arbeit private Dinge erledigt zu haben.

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„Coffee Badging“ als neues Phänomen

Parallel dazu verbreitet sich ein neuer Trend: „Coffee Badging“. 41 Prozent der hybrid Beschäftigten nutzen diese Taktik, wie ein Report von Owl Labs zeigt. Sie erscheinen kurz im Büro, signalisieren Präsenz – und arbeiten dann vom Homeoffice aus weiter.

25 Prozent der Beschäftigten leben zudem „Hushed Hybrid“-Modelle, 23 Prozent zeigen ein als „Revenge Return to Office“ bezeichnetes Verhalten. Für viele steht viel auf dem Spiel: 42 Prozent würden bei Verlust flexibler Arbeitsmöglichkeiten den Job wechseln.

Kündigung und 21.000 Euro Detektivkosten

Arbeitsrechtler warnen: Vorsätzliches Vortäuschen von Arbeitsleistung ist Betrug. Das betrifft sowohl das Fernbleiben als auch fehlerhaftes Einstempeln. Das Landesarbeitsgericht Köln bestätigte die fristlose Kündigung eines Fahrkartenkontrolleurs, der Arbeitszeit privat genutzt hatte. Zudem muss er 21.000 Euro Detektivkosten zahlen.

Neben dem Jobverlust droht eine dreimonatige Sperrfrist beim Arbeitslosengeld I.

Doch auch zu viel dokumentierte Zeit kann Probleme bringen. Ein spanisches Gericht bestätigte Mitte Juni die Entlassung einer Paketzustellerin. Sie erschien trotz Abmahnung regelmäßig 30 bis 45 Minuten vor Schichtbeginn – das Gericht wertete dies als Ungehorsam.

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Elektronische Zeiterfassung wird Pflicht

Ab 2026 wird die elektronische Arbeitszeiterfassung im gesamten DACH-Raum Standard. Ein Referentenentwurf in Deutschland sieht digitale, tagesnahe Dokumentation vor. Verstöße kosten Unternehmen bis zu 30.000 Euro Bußgeld.

In Österreich und der Schweiz regeln bereits das Arbeitszeitgesetz beziehungsweise die Arbeitsverordnungen die Aufzeichnungspflichten. Diese werden nun durch digitale Standards konkretisiert.

Führungskultur als Wurzel des Problems

Das Institut für angewandte Arbeitswissenschaft (IFAA) sieht die Ursachen in strukturellen Defiziten: mangelnde Führung, unklare Ziele. Frank Weishaupt, CEO von Owl Labs, erklärte heute, dass wachsender Präsenzdruck zu einer Vertrauenskrise führe.

Die ökonomischen Fakten sprechen fürs Homeoffice: Hybrid-Arbeitnehmer geben im Büro durchschnittlich 30 Euro täglich für Pendeln und Verpflegung aus. Im Homeoffice sparen sie 20 Euro. Kein Wunder also, dass viele die physische Präsenz im Unternehmen minimieren.

Arbeitgeber benötigen laut aktueller Rechtslage einen konkreten Verdacht, um weitreichende Kontrollmaßnahmen einzuleiten.

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