Einzelhandel-Tarif: Verhandlungen in fünf Bundesländern abgesagt
Veröffentlicht: 15.07.2026 um 19:10 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Arbeitgeberverbände haben geplante Verhandlungstermine in mehreren Bundesländern abgesagt. Betroffen sind Bayern, Rheinland-Pfalz, das Saarland, Berlin und Brandenburg.
Vorwürfe gegen Verdi-Spitze
Als Grund nennen die Arbeitgeber die Haltung der Verdi-Bundesspitze. Steven Haarke, Tarifgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), wirft der Gewerkschaft vor, bereits erzielte Kompromisse zu unterlaufen. Konkret soll Verdi Einigungen in Mitteldeutschland und Baden-Württemberg verhindert haben.
In Bayern wurde die für den 20. Juli geplante dritte Verhandlungsrunde gestrichen. „Derzeit besteht keine Grundlage für zielführende Gespräche", so die Tarifgeschäftsführerin des Handelsverbandes Bayern, Eykmann. Auch für Rheinland-Pfalz und das Saarland fielen Termine am 15. und 20. Juli aus. Die Arbeitgeber fordern Verdi nun auf, die eigene Position zu überdenken.
Weit auseinanderliegende Forderungen
Verdi verlangt 7 Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von 12 Monaten. In Rheinland-Pfalz fordert die Gewerkschaft alternativ pauschal 225 Euro mehr pro Monat.
Die Arbeitgeber bieten 3,5 Prozent bei einer Laufzeit von 24 Monaten. In Rheinland-Pfalz und dem Saarland schlagen sie ein gestaffeltes Modell vor: Nach sechs Nullmonaten steigen die Entgelte um 2 Prozent, nach weiteren drei Nullmonaten um 1,5 Prozent. Verdi kritisiert das Angebot als unzureichend. Teile der Tabellenentgelte könnten ab Januar 2027 unter dem dann gültigen Mindestlohn von 14,60 Euro liegen.
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Auch im Groß- und Außenhandel stockt es. In Niedersachsen und Bremen blieb die dritte Verhandlungsrunde am 14. Juli ohne Ergebnis. Ein Folgetermin ist für Anfang September anberaumt.
Branche unter Druck
Die verhärteten Fronten treffen auf eine angeschlagene Branche. Laut HDE-Umfrage bewerten 63 Prozent der Handelsunternehmen ihre Geschäftslage im ersten Halbjahr 2026 als verschlechtert. 79 Prozent nennen die Kaufzurückhaltung der Kunden als größte Herausforderung. Die Konsumstimmung sei mit der Phase des zweiten Corona-Lockdowns vergleichbar.
Hinzu kommen strukturelle Probleme. Während der Onlinehandel real um 3,5 Prozent wuchs, kämpfen viele stationäre Händler mit steigenden Kosten. Laut Ifo-Institut sieht sich jeder sechste Einzelhändler in seiner Existenz bedroht. Der HDE fordert unter anderem eine Deckelung der Lohnnebenkosten bei 40 Prozent.
Während der Handelsverband eine Deckelung der Abgaben fordert, können Arbeitgeber bereits heute durch steuerfreie Extras wie Jobtickets die Nettolöhne steigern, ohne die eigenen Kosten zu erhöhen. Ein kostenloser Praxis-Guide erklärt, wie Sie Lohnnebenkosten legal optimieren und Ihre Mitarbeiter motivieren. Kostenlosen Lohnnebenkosten-Ratgeber jetzt herunterladen
Verdi kündigte als Reaktion auf die Absagen eine Ausweitung der Warnstreiks an. Die Gewerkschaft bezeichnet das Vorgehen der Arbeitgeber als Skandal. Allein in Hamburg sind rund 100.000 Beschäftigte von dem Konflikt betroffen.
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