CO2-Preis, Regierung

CO2-Preis 2027: Regierung entzieht KTF vier Milliarden Euro

Veröffentlicht: 15.07.2026 um 19:15 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Geplante Deckelung des nationalen CO2-Preises entzieht dem Klimafonds Milliarden. Experten warnen vor massiven Folgen für Wärmewende und Investitionen.

CO2-Preis-Stopp: Milliardenloch im Klimafonds befürchtet
Eine Hand pflanzt einen kleinen grünen Setzling in trockene, rissige Erde, mit einer verschwommenen Industrielandschaft im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Wirtschaft und Umweltverbände schlagen Alarm: Die Maßnahme würde dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) über vier Milliarden Euro entziehen. Experten warnen vor einem Dominoeffekt – private Folgeinvestitionen von bis zu 15 Milliarden Euro stünden auf dem Spiel.

Wärmewende gerät ins Stocken

Der CO2-Preis pro Tonne soll statt der geplanten 80 Euro nur zwischen 55 und 65 Euro liegen. Das zeigt eine aktuelle Studie des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) im Auftrag mehrerer Energieunternehmen. Die Folgen für die Wärmewende sind massiv: Jeder Euro staatlicher Förderung für Wärmepumpen löst durchschnittlich drei Euro private Investitionen aus. Fallen diese Mittel weg, könnte der CO2-Ausstoß um bis zu 41 Millionen Tonnen steigen.

Das Bundesfinanzministerium plant parallel drastische Kürzungen beim KTF. Bei disponiblen Programmen sind pauschal 30 Prozent weniger vorgesehen. Betroffen wären die energetische Stadtsanierung, die Energieforschung und die Förderung alternativer Antriebe. Nur der Industriestrompreis bleibt verschont. Finanzminister Klingbeil will zudem rund 2,7 Milliarden Euro aus den Einnahmen des Emissionshandels in den allgemeinen Kernhaushalt umleiten.

EU-Reform und drohende Klimastrafen

Auf europäischer Ebene bereitet die EU-Kommission für Mitte Juli eine Reform des Emissionshandels (EU-ETS) vor. Die Obergrenze für Zertifikate soll langsamer sinken als geplant – ein Schutz für die Industrie vor Abwanderung. Branchenanalysten erwarten, dass der CO2-Preis dadurch bis Ende des Jahrzehnts um bis zu 20 Euro pro Tonne fällt.

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Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) und das Öko-Institut empfehlen in einer gemeinsamen Untersuchung einen anderen Weg: Den Reduktionspfad erst ab 2036 abflachen und die Einnahmen strikt zweckgebunden für die Industrietransformation einsetzen.

Doch Deutschland steht massiv unter Druck. 2025 sanken die Emissionen nur um 0,1 Prozent. Laut Handelsblatt Research Institute droht bis 2030 eine Überschreitung der CO2-Obergrenzen um 255 Millionen Tonnen. Die Folge: Strafzahlungen oder Zertifikatszukäufe aus anderen EU-Staaten – Kosten von bis zu 38 Milliarden Euro.

Neue Regeln fürs Heizen

Am 10. Juli verabschiedeten Bundestag und Bundesrat das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG). Die strikte Pflicht zu 65 Prozent erneuerbaren Energien beim Heizungstausch entfällt. Neue Gas- und Ölheizungen bleiben erlaubt. Ab 2029 greift jedoch eine stufenweise Anhebung der Anteile klimafreundlicher Brennstoffe.

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Der Markt reagiert längst: Die Energieeffizienzklasse bestimmt zunehmend den Immobilienwert. Die Preisdifferenz zwischen effizienten und unsanierten Gebäuden erreichte zuletzt 25 Prozentpunkte.

Auch aus dem Transportsektor kommen Forderungen nach einer gezielten Nutzung der ETS-Einnahmen. Europäische Eisenbahnverbände drängen auf mehr Mittel für die Elektrifizierung und den Ausbau von Güterverkehrskorridoren. Bei aktuellen CO2-Preisen belaufen sich die jährlichen ETS-Kosten für den elektrifizierten Bahnverkehr bereits auf rund 571 Millionen Euro.

Oliver Hummel von naturstrom brachte es auf den Punkt: Die CO2-Preise müssten die ökologische Wahrheit abbilden. Nur so entstünden die notwendigen Lenkungseffekte.

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