Einkommensteuerreform: 95% der Beschäftigten sollen entlastet werden
04.06.2026 - 16:31:18 | boerse-global.de
Bis zur parlamentarischen Sommerpause Mitte Juli 2026 sollen die Eckpunkte stehen. Ziel ist eine spürbare Entlastung für kleine und mittlere Einkommen – doch die Finanzierung ist hochumstritten.
Der „Mittelstandsbauch" soll verschwinden
Im Zentrum der Reform steht ein altbekanntes Problem: der sogenannte „Mittelstandsbauch". Gemeint ist der Effekt, dass der Steuersatz bereits bei vergleichsweise niedrigen Einkommen stark ansteigt. Arbeitnehmer, die mehr leisten, sehen davon kaum etwas auf dem Konto – ein Ärgernis, das Experten zufolge die Arbeitsanreize für Fachkräfte spürbar dämpft.
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Finanzminister Klingbeil hat ein klares Versprechen abgegeben: Rund 95 Prozent der Beschäftigten sollen durch die Reform entlastet werden. Wie genau, das ist derzeit Gegenstand zäher Verhandlungen zwischen Union und SPD.
Aktuell liegt der Grundfreibetrag bei 12.348 Euro. Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent greift ab 69.879 Euro Jahreseinkommen, die sogenannte „Reichensteuer" von 45 Prozent ab 277.826 Euro. Diese Grenzen sollen nun deutlich nach oben verschoben werden.
Union und SPD mit gegenläufigen Modellen
Die Vorstellungen der Koalitionspartner gehen auseinander. Die Union schlägt vor, den Spitzensteuersatz erst ab 85.000 Euro greifen zu lassen. Gleichzeitig soll der Reichensteuersatz auf 47,5 Prozent steigen – allerdings bereits ab 210.000 Euro. Außerdem fordert die Union die vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlags.
Die SPD hingegen pocht auf eine aufkommensneutrale Reform. Das bedeutet: Entlastungen unten müssen durch höhere Beiträge der Spitzenverdiener gegenfinanziert werden. Einer Anhebung des Reichensteuersatzes steht die Union zwar offen gegenüber, eine generelle Erhöhung des Spitzensteuersatzes lehnt sie jedoch ab.
Die Kosten der geplanten Entlastungen? Schätzungen zufolge zwischen 20 und 30 Milliarden Euro – Tendenz steigend, je nach endgültiger Ausgestaltung.
Die große Frage: Wer bezahlt das?
Die Gegenfinanzierung ist der eigentliche Knackpunkt. Mehrere Modelle liegen auf dem Tisch:
Vermögensteuer: DIW-Präsident Marcel Fratzscher hat die Wiedereinführung einer Vermögensteuer ins Spiel gebracht. Sein Vorschlag: 2 Prozent auf Nettovermögen über 20 Millionen Euro. Das könnte jährlich rund 42 Milliarden Euro einbringen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) geht noch weiter und fordert eine Besteuerung bereits ab einer Million Euro. Eine Vermögensteuer wird in Deutschland seit 1997 nicht mehr erhoben – das Bundesverfassungsgericht hatte die alte Regelung gekippt.
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Subventionskürzungen: Unionspolitiker Jens Spahn schlägt einen radikalen Schritt vor: pauschal fünf Prozent aller staatlichen Subventionen streichen, um Spielraum für Steuersenkungen zu schaffen.
Mehrwertsteuer: Das Ifo-Institut hat eine Erhöhung der Mehrwertsteuer als möglichen Finanzierungsweg genannt. Die Forscher warnen jedoch: Das könnte die Inflation wieder anheizen.
Fratzscher bringt es auf den Punkt: Das aktuelle System besteuere Arbeit massiv, während Vermögen weitgehend unberührt blieben. Eine Kombination aus höheren Spitzensteuersätzen und einer neuen Vermögensteuer könnte die fast 30 Milliarden Euro teure Reform stemmen. Ob sich die Koalition darauf einigen kann, ist offen. Die Zeit drängt – im Juli soll der Gesetzentwurf stehen.
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