Arbeitsausbeutung, Behörden

Arbeitsausbeutung: Berliner Behörden zerschlagen Schleuserring mit acht Verdächtigen

04.06.2026 - 16:31:18 | boerse-global.de

Polizei und Staatsanwaltschaft gehen gegen systematische Arbeitsausbeutung vor. Acht Verdächtige im Fokus der Ermittlungen.

Berliner Razzia: Schleuserring mit indischen Köchen zerschlagen
Arbeitsausbeutung - A close-up of a crumpled Indian passport in a hand, resting on a dark, cold surface, symbolizing labor exploitation. 04.06.2026 - Bild: über Pixybay

Berliner Behörden zerschlagen Schleuserring mit spektakulären Durchsuchungen.

Die Berliner Staatsanwaltschaft und Polizei haben am Mittwoch eine koordinierte Razzia gegen systematische Arbeitsausbeutung gestartet. Im Fokus: ein Netzwerk, das indische Spezialitätenköche über Jahre hinweg ausgebeutet haben soll. Die Durchsuchungen in den Bezirken Mitte, Friedrichshain und Kreuzberg richteten sich gegen acht Tatverdächtige im Alter zwischen 36 und 66 Jahren.

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Systematische Ausbeutung von Fachkräften

Die Ermittlungen der Gemeinsamen Ermittlungsgruppe (GEA) laufen bereits seit Juni 2023. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, seit mindestens 2021 indische Köche angeworben und systematisch ausgebeutet zu haben. Die Arbeitszeiten der Betroffenen sollen bis zu 13 Stunden täglich betragen haben – bei Löhnen, die angeblich bis zu 75 Prozent unter dem gesetzlichen Mindestlohn lagen. In einigen Fällen blieben Zahlungen sogar komplett aus.

Um die Kontrolle über die Beschäftigten zu behalten, sollen die Täter deren Ausweispapiere einbehalten haben. Die Unterbringung der Köche erfolgte in überfüllten Unterkünften oder Kellerräumen. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Netzwerk über ein konspiratives Firmengeflecht verfügte, um Sozialabgaben zu umgehen.

Funde bei Durchsuchungen

Bei den Razzien am Mittwoch durchsuchten die Beamten eine kombinierte Küchen- und Personalunterkunft sowie zwei Privatwohnungen. Dabei trafen sie auf vier betroffene Arbeitnehmer. Mobiltelefone und Lohnjournale wurden als Beweismittel sichergestellt.

Das örtliche Bauamt ordnete die sofortige Schließung der Unterkunft an – Grund waren erhebliche Brandschutzmängel. Lebensmittelkontrolleure stellte zudem schwere Hygienemängel fest und ließ vorhandene Lebensmittelbestände entsorgen. Bereits im Frühjahr 2024 hatte es erste Durchsuchungen in dem Fall gegeben.

Großaktion in Südbrandenburg

Die Berliner Razzia war Teil einer verstärkten Offensive gegen Arbeitskriminalität in der Region. Bereits am Dienstag waren rund 390 Einsatzkräfte von Zoll, Bundespolizei, Landespolizei und Steuerfahndung in Südbrandenburg unterwegs – mit Schwerpunkt auf der Stadt Cottbus.

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Dort ging es um den Verdacht auf Einschleusen von Ausländern, Vorenthalten von Sozialabgaben und Steuerhinterziehung. Die Behörden bestätigten die Sicherstellung umfangreichen Beweismaterials, machten aber aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben zu den betroffenen Firmen oder Personen.

Internationaler Druck wächst

Die Razzien fallen in eine Zeit wachsender internationaler Kritik an Arbeitsbedingungen. Die US-Regierung hatte am Dienstag Zusatzzölle auf 60 Volkswirtschaften vorgeschlagen, darunter auch die Europäische Union. Begründung: unzureichende Maßnahmen gegen Importe von Waren, die durch Zwangsarbeit hergestellt wurden.

Ein Bericht des US-Handelsbeauftragten (USTR) stuft 54 Volkswirtschaften als Länder ohne wirksame Verbote solcher Importe ein. Auch der EU und Kanada wird vorgeworfen, bestehende Regeln nicht konsequent anzuwenden. Die vorgeschlagenen Maßnahmen, die noch öffentlich konsultiert werden, zeigen: Die rechtlichen und wirtschaftlichen Risiken für Unternehmen, die Arbeitsstandards in ihren Lieferketten ignorieren, steigen weltweit.

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