Ditsch-Streik: 40 Stunden Ausstand wegen Lohnlücke Ost-West
Veröffentlicht: 11.07.2026 um 01:48 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Während Nordzucker einen operativen Verlust von 226 Millionen Euro meldet, legt ein Warnstreik bei der Großbäckerei Ditsch die Produktion lahm.
Nordzucker verzeichnet deutlichen operativen Verlust
Bei der Hauptversammlung am 9. Juli 2026 in Braunschweig präsentierte die Nordzucker AG ernüchternde Zahlen. Der Umsatz sank von 2,77 Milliarden Euro auf 2,34 Milliarden Euro. Noch krasser fiel der Einbruch beim operativen Ergebnis aus: Nach einem Gewinn von 100,5 Millionen Euro im Vorjahr steht nun ein Verlust von 226 Millionen Euro in den Büchern.
Die Konsequenz: Für das abgelaufene Geschäftsjahr gibt es keine Dividende. Trotz der roten Zahlen hält die Konzernführung an der Langzeitstrategie „Fields for Growth“ fest. Bis 2033 soll eine stärkere Diversifizierung die Rückkehr zur Profitabilität bringen. Für das laufende Geschäftsjahr 2026/27 rechnet der Vorstand jedoch erneut mit einem negativen EBIT im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Frühestens 2027/28 soll es wieder schwarze Zahlen geben.
Agrana kehrt in die Gewinnzone zurück
Ein Lichtblick kommt aus Österreich. Der Agrarkonzern Agrana verbesserte sein Konzernergebnis im ersten Quartal 2026/27 von minus 7,9 Millionen auf plus 19,3 Millionen Euro. Das EBIT stieg deutlich von 5,7 Millionen auf 35,4 Millionen Euro. Der Umsatz sank hingegen leicht von 880 Millionen auf 855 Millionen Euro.
Laut Konzernleitung entwickelt sich das Frucht-Geschäft stabil und positiv. Im Zucker-Segment zeichnet sich dagegen keine Markterholung ab. Auch der Bereich Stärke bleibt herausfordernd. Zudem sorgt Trockenheit für Sorgenfalten: Für die kommende Zuckerrübenernte wird keine überdurchschnittliche Menge erwartet.
Eskalation im Tarifstreit bei der Großbäckerei Ditsch
Parallel zur wirtschaftlichen Konsolidierung der Rohstofflieferenten verschärft sich die Lage in der Weiterverarbeitung. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) rief die Beschäftigten der Großbäckerei Ditsch in Oranienbaum zu einem 40-stündigen Warnstreik auf. Der Ausstand begann am 9. Juli um 14 Uhr und endete am Morgen des 11. Juli.
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Hintergrund ist ein eskalierender Tarifkonflikt. 88 Prozent der Gewerkschaftsmitglieder hatten ein Angebot der Arbeitgeberseite abgelehnt. Kernforderung: der Abbau der Lohnlücke zwischen Ost- und Westdeutschland. Laut Gewerkschaft beträgt sie derzeit noch 20 bis 30 Prozent. In Sachsen-Anhalt wurden im Rahmen dieser Auseinandersetzung bereits rund 2.500 Streikstunden geleistet.
Das zum Schweizer Valora-Konzern gehörende Unternehmen Ditsch gilt als Weltmarktführer für Laugengebäck und beschäftigt rund 1.500 Mitarbeiter. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 15. Juli angesetzt.
Steigende Arbeitsbelastung und politischer Handlungsbedarf
Die Tarifauseinandersetzungen sind nur die Spitze des Eisbergs. Ein am 10. Juli vorgestelltes Strukturwandelbarometer von AK und ÖGB zeigt: 54 Prozent der befragten Betriebsräte beobachteten in den letzten drei Jahren eine Steigerung der Produktivität. Gleichzeitig berichten sie von deutlich erhöhtem Arbeitsdruck und einer Verdichtung der Aufgaben. Hauptursache sind Prozessoptimierungen.
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Kritik gibt es auch an der Umsetzung von Transparenzregeln. In einer Pressekonferenz am 10. Juli in Wien wiesen Vertreter der Arbeiterkammer darauf hin, dass Österreich die Umsetzungsfrist für die EU-Lohntransparenz-Richtlinie verstreichen ließ. Sie endete bereits am 7. Juni 2026.
Während die Branche mit wirtschaftlichen und personellen Herausforderungen kämpft, stehen durch das am 10. Juli beschlossene Doppelbudget für 2027/28 weitere Veränderungen an. Für 2027 wird unter anderem mit steigenden Beitragsbemessungsgrenzen in der Kranken- und Pflegeversicherung gerechnet – eine Mehrbelastung vor allem für höhere Einkommen.
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