Digitaler Euro: 14 Milliarden Euro Gebühren-Abhängigkeit von Mastercard/ Visa
Veröffentlicht: 11.07.2026 um 07:31 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Mit 416 zu 169 Stimmen bei 22 Enthaltungen verabschiedeten die Abgeordneten am Donnerstag ihr Verhandlungsmandat. Schon Mitte Juli können die sogenannten Trilog-Verhandlungen mit den EU-Mitgliedstaaten unter irischer Ratspräsidentschaft beginnen. Ziel ist eine Einigung bis Jahresende – dann entscheidet die EZB über die tatsächliche Einführung.
Digitale Ergänzung zum Bargeld
Der digitale Euro soll das bestehende Bargeld ergänzen, nicht ersetzen. Nach den Plänen des Parlaments ist die neue Währung sowohl online als auch offline nutzbar. Für Händler gilt grundsätzlich eine Annahmepflicht – Ausnahmen sind für Kleinstbetriebe und Selbstständige vorgesehen. Privatpersonen erhalten Zugang zu einer kostenlosen Basis-Brieftasche (Wallet) für grundlegende Zahlungsdienstleistungen.
Ein heikler Punkt bleibt das geplante Haltelimit. Um einen massiven Abfluss von Bankeinlagen zu verhindern, wird eine Obergrenze von rund 3.000 Euro pro Person erwogen. Die genaue Festlegung soll auf Empfehlung der EZB erfolgen. Bargeld bleibt weiterhin gesetzliches Zahlungsmittel.
Warum Europa eigene Wege gehen will
EZB-Präsidentin Christine Lagarde betont die strategische Bedeutung einer eigenständigen europäischen Zahlungslösung. Derzeit laufen rund 60 bis 64 Prozent der kartengestützten Zahlungen in Europa über internationale Anbieter wie Mastercard oder Visa. Schätzungen zufolge fließen jährlich etwa 14 Milliarden Euro an Gebühren an Konzerne außerhalb der Eurozone ab. Der digitale Euro soll diese Abhängigkeit verringern.
Die Kosten für die Infrastruktur sind gewaltig. Rund 1,3 Milliarden Euro hat die EZB für externe Dienstleister veranschlagt. Davon entfallen etwa 661 Millionen Euro auf die Entwicklung von Offline-Token durch Giesecke+Devrient. Weitere 55,8 Millionen Euro sind für ein Alias-Lookup-System vorgesehen.
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Kritik an Sicherheit und Datenschutz
Trotz der politischen Zustimmung gibt es deutliche Warnungen. Sicherheitsforscher der TU Dresden sehen potenzielle Datenschutzlücken. Die geplante Trennung von Identitäts- und Transaktionsdaten sei bei der kontenbasierten Variante unzureichend – eine De-Pseudonymisierung von Nutzern wäre möglich. Auch das Problem des Double-Spending, also der mehrfachen Verwendung desselben digitalen Geldbetrags, sei im Offline-Modus technisch noch nicht gelöst.
Der Bankensektor fürchtet vor allem die Umstellungskosten und die Konkurrenz zu bestehenden europäischen Initiativen wie dem Bezahlsystem Wero. Bankenverbände sprechen sich gegen eine gleichzeitige Einführung von Online- und Offline-Variante aus – das senke die technische Komplexität.
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Fahrplan bis 2029
Nach dem Start der Trilog-Verhandlungen Mitte Juli soll das Gesetzgebungsverfahren bis zum Jahreswechsel abgeschlossen sein. Die EZB plant anschließend ein Pilotprojekt ab Mitte 2027. Die technischen Systeme werden dann unter Realbedingungen getestet.
Eine flächendeckende Einführung des digitalen Euros ist für Anfang 2029 vorgesehen – zunächst in der Eurozone, später möglicherweise in anderen EU-Ländern. Parallel will die EZB bis Ende des Jahres eine neue Strategie für physische Banknoten vorlegen. Das Vertrauen in Bargeld als paralleles Zahlungsmittel soll gestärkt werden.
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