CO2-Grenzausgleich: Stahl und Aluminium-Importe ab Februar 2027 teurer
Veröffentlicht: 10.07.2026 um 20:45 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Betroffen sind künftig auch Befestigungselemente, Draht, Federn und bestimmte Haushaltsartikel aus Stahl und Aluminium.
Die Abstimmung fiel mit 56 Ja-Stimmen bei 11 Gegenstimmen und 12 Enthaltungen deutlich aus. Parallel dazu sprachen sich die Abgeordneten mit 59 zu 16 Stimmen für einen Fonds zur Dekarbonisierung aus. Dieser ist für 2027 bis 2029 geplant und soll unter anderem Düngemittel einbeziehen. Die endgültige Abstimmung im EU-Parlament steht im September 2026 an.
Strengere Regeln gegen Umgehungspraktiken
Im Fokus der Neuregelungen stehen verschärfte Maßnahmen gegen die Umgehung von CBAM-Verpflichtungen. Der Ausschuss lehnte den ursprünglichen Schutzmechanismus der EU-Kommission ab und fordert stattdessen neue Vorgaben für Online-Importe auf Basis von Gewichtsschwellen.
Branchenbeobachter weisen auf bestehende Schwachstellen hin, die besonders den Düngemittelmarkt belasten. Da der erste verbindliche Erwerb von CBAM-Zertifikaten erst für Februar 2027 vorgesehen ist, können Importeure derzeit noch Mengen ohne CO2-Aufschlag einführen. Die Folgen zeigen sich in Bulgarien und Rumänien: In den ersten fünf Monaten 2026 wurden rund 200.000 Tonnen Stickstoffdünger importiert – das entspricht geschätzten CBAM-Verbindlichkeiten von über 13 Millionen Euro. Marktteilnehmer berichten von Preisunterschieden bei Harnstoff, der ohne künftige CO2-Kosten deutlich günstiger angeboten wird als von regelkonformen Händlern.
Internationale Reaktionen und wirtschaftliche Folgen
Der Umweltausschuss des EU-Parlaments hat die Ausweitung von CBAM beschlossen – ab Februar 2026 sind auch Befestigungselemente, Draht und Federn aus Stahl und Aluminium betroffen. Wer jetzt keine Compliance-Strategie hat, riskiert hohe CO2-Kosten. Dieser Report liefert die wichtigsten Schritte für Importeure. Jetzt kostenlosen CBAM-Report anfordern
Die geplanten Verschärfungen lösen international unterschiedliche Reaktionen aus. Indien prüft, kleine Stahlexporteure bei Zertifizierungs- und Verifizierungskosten zu unterstützen. Über ein bestehendes Förderprogramm könnten bis zu 90 Prozent dieser Kosten übernommen werden – pro Unternehmen rund 16.000 Euro. Eine Ausweitung auf die Sektoren Aluminium und Zement steht ebenfalls zur Debatte.
Massive Einschnitte drohen der ukrainischen Stahlindustrie. Seit dem 1. Juli 2026 gelten neue EU-Schutzmaßnahmen, die die zollfreie Quote für ukrainischen Stahl auf 1,05 Millionen Tonnen begrenzen. Das entspricht einem Rückgang von rund 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Branchenvertreter warnen vor einem Doppelschlag aus reduzierten Quoten und CBAM-Anforderungen. Die jährlichen Exportverluste könnten zwischen 850 Millionen und einer Milliarde US-Dollar liegen.
Flankierende Maßnahmen in Deutschland
Bereits heute werden in Bulgarien und Rumänien rund 200.000 Tonnen Dünger ohne CO2-Aufschlag importiert – ein Vorgeschmack auf die Umgehungsrisiken, die auch Stahl- und Aluminiumimporteure treffen. Ab Februar 2026 greift die Zertifikatspflicht. Schützen Sie Ihr Unternehmen mit einem klaren Fahrplan. CBAM-Fahrplan für Importeure sichern
Parallel zur EU-Debatte hat der Bundestag die nationale Umsetzung der Industrieemissions-Richtlinie (IED) beschlossen. Von den strengeren Schadstoffregeln sind rund 10.000 Anlagen in Deutschland betroffen.
Die Neuregelung verpflichtet Unternehmen bis 2030 zur Einführung eines Umweltmanagementsystems. Die Regierungskoalition verweist auf Anreize für moderne Umwelttechnik und mögliche Übergangsfristen von bis zu acht Jahren. Die Industrie kritisiert dagegen eine drohende bürokratische Überlastung und Wettbewerbsnachteile durch eine über das EU-Maß hinausgehende Umsetzung. Der Bundesrat muss dem Gesetz noch zustimmen.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
