BYD dominiert Deutschland: 4.290 Neuzulassungen bei Plug-in-Hybriden
19.06.2026 - 21:40:07 | boerse-global.de
Nachdem Ende 2024 Sonderzölle auf reine Elektroautos aus China in Kraft traten, weichen chinesische Hersteller zunehmend auf Plug-in-Hybride (PHEVs) aus. Jetzt bereitet Brüssel Ausgleichszölle auf diese Fahrzeuge vor. Die Entscheidung soll in den kommenden Wochen fallen.
Chinesische Hersteller umgehen bestehende Zölle
Die bestehenden Sonderzölle für reine Elektrofahrzeuge (BEVs) gelten seit dem 31. Oktober 2024. Sie setzen sich aus einem Basiszoll von zehn Prozent plus herstellerspezifischen Aufschlägen zusammen. Für BYD beträgt der Zuschlag 17 Prozent, für Geely 18,8 Prozent und für den Staatskonzern SAIC sogar 35,3 Prozent.
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Plug-in-Hybride unterliegen dagegen bisher nur dem allgemeinen Einfuhrzoll von zehn Prozent. Die Kommission hat laut Berichten ein Antisubventionsverfahren vorbereitet. Die neuen PHEV-Zölle dürften allerdings niedriger ausfallen als jene für reine Stromer.
BYD dominiert den deutschen Hybrid-Markt
Die Verschiebung zeigt sich deutlich in den Zulassungszahlen. Im Mai 2026 wurde BYD mit 4.290 Neuzulassungen zum Marktführer bei Plug-in-Hybriden in Deutschland. Rund 70 Prozent aller BYD-Neuzulassungen entfallen inzwischen auf PHEVs.
Der Trend ist Teil einer größeren Entwicklung: Chinesische Hersteller verkaufen 2026 deutlich mehr Autos in Europa als im Vorjahr. Schätzungen gehen von über 700.000 Einheiten in der EU, Großbritannien und der EFTA aus – nach 408.000 Fahrzeugen im Jahr 2024. Der Marktanteil chinesischer Marken in der EU liegt derzeit bei etwa sieben Prozent.
Uneinigkeit in der Bundesregierung
Innerhalb der Bundesregierung gibt es unterschiedliche Positionen. Wirtschaftsministerin Reiche (CDU) mahnte beim EU-Gipfel am 18. Juni 2026 zur Zurückhaltung und setzte auf Dialog mit Peking. Bundeskanzler Merz (CDU) deutete eine härtere Gangart an. Einem direkten Widerstand gegen die neuen PHEV-Zölle stellt sich die Bundesregierung aber nicht entgegen.
Frankreich, Italien, Spanien und die Niederlande fordern dagegen seit längerem schärfere Schutzmaßnahmen. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) beziffert die Wettbewerbsverzerrung durch chinesische Subventionen auf rund 50 Prozent. Zudem liegen die Produktionskosten chinesischer Hersteller 20 bis 30 Prozent unter dem europäischen Niveau.
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Förderprogramme: Keine Bevorzugung chinesischer Hersteller
Das Bundesumweltministerium wies Vorwürfe zurück, wonach deutsche Förderprogramme einseitig chinesische Hersteller begünstigen. Minister Schneider (SPD) betonte am 18. Juni 2026: Von den ersten 50.000 Anträgen für das neue Förderprogramm entfielen weniger als 15 Prozent auf chinesische Fahrzeuge. Ein expliziter Ausschluss dieser Hersteller sei rechtlich derzeit nicht zulässig. Künftige Anpassungen im Rahmen des Industrial Accelerator Acts könnten jedoch eine stärkere Gewichtung regionaler Wertschöpfung vorsehen.
Die Börse reagierte verhalten positiv auf die Zoll-Pläne. Analysten der UBS bewerteten die Abgaben als leicht vorteilhaft für europäische Hersteller. Die Aktien von BMW und Mercedes-Benz legten zu – BMW um 1,8 Prozent.
