Bundesarbeitsgericht: Arbeitnehmer müssen nicht alle Bewerbungen offenlegen
Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 13:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat in einer aktuellen Entscheidung die Rechte von Arbeitnehmern im Kündigungsschutzprozess gestärkt. In dem Urteil vom 26. August 2026 (Az. 5 AZR 37/25) präzisierten die Erfurter Richter die Auskunftspflichten bei einem sogenannten Annahmeverzug des Arbeitgebers.
Demnach haben Unternehmen zwar einen Anspruch auf Informationen über Vermittlungsvorschläge der Agentur für Arbeit, dürfen jedoch keine vollständige Offenlegung aller privaten Bewerbungsbemühungen der gekündigten Mitarbeiter verlangen.
Grenzen der Auskunftspflicht bei Annahmeverzug
Hintergrund des Verfahrens war die Frage, inwieweit ein Arbeitgeber Informationen über die Suche nach einer Zwischenbeschäftigung einfordern kann, wenn er nach einer unwirksamen Kündigung zur Gehaltsnachzahlung verpflichtet ist.
Das BAG entschied, dass Arbeitgeber nicht verlangen dürfen, dass Gekündigte jede einzelne Bewerbung im Detail offenlegen. Die Auskunftspflicht beschränkt sich auf jene Stellen, die durch die Agentur für Arbeit konkret vorgeschlagen wurden.
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Dennoch bleibt die grundsätzliche Verpflichtung für Arbeitnehmer bestehen, sich weiterhin aktiv um eine neue Beschäftigung zu bemühen. Das Urteil stellt klar, dass eine Begrenzung der Auskunftspflicht nicht mit einer Befreiung von der Bewerbungslast gleichzusetzen ist. Im vorliegenden Fall verwies das Bundesarbeitsgericht den Rechtsstreit zur weiteren Klärung an das Hessische Landesarbeitsgericht zurück.
Sicherheitsrisiken und mangelnde Kommunikation im Prozess
Neben den rechtlichen Rahmenbedingungen belasten auch technische Sicherheitsrisiken und Defizite in der Kommunikation den Austausch zwischen Bewerbern und Unternehmen.
Aktuelle Warnungen des IT-Sicherheitsunternehmens Malwarebytes weisen auf eine neue Spyware-Masche hin, die gezielt Nutzer der Plattform Indeed ins Visier nimmt. Kriminelle fordern Bewerber dabei auf, eine App namens „MyInterview“ als APK-Datei zu installieren, die in Wahrheit Schadsoftware enthält.
Indeed stellte hierzu klar, dass Vorstellungsgespräche ausschließlich über die eigene Website abgewickelt werden und keine Installation externer Applikationen erforderlich sei. Betroffen von diesen Vorfällen sind Nutzer weltweit, unter anderem in Großbritannien und Brasilien.
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Dass die Kommunikation im Bewerbungsprozess auch auf legaler Ebene oft unzureichend verläuft, zeigt eine aktuelle Jugendbefragung des DGB in Berlin und Brandenburg. Den Ergebnissen zufolge erhielten 54 % der Befragten auf ihre Bewerbungen überhaupt keine Antwort.
Rund 58 % mussten mehrere Wochen auf eine Rückmeldung warten, während lediglich 8 % der abgelehnten Bewerber ein qualifiziertes Feedback erhielten. Zudem gaben 57 % der Teilnehmer an, dass der herrschende Wohnungsmangel ein wesentlicher Grund für das Fehlen eines passenden Ausbildungsplatzes sei.
Strategische Bedeutung von Netzwerken und Unternehmenskultur
Trotz der rechtlichen und prozessualen Hürden bleibt die Qualität der Personalgewinnung ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Laut einer Studie von Glassdoor bewerten 76 % der in den USA Befragten eine vielfältige Belegschaft als relevant für ihre Arbeitgeberwahl.
Für den Erfolg einer Stellenbesetzung spielt zudem das strategische Networking eine zentrale Rolle. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2023, die 2 Milliarden LinkedIn-Verbindungen in 7.000 Unternehmen analysierte, kam zu dem Ergebnis, dass gut vernetzte Firmen wirtschaftlich erfolgreicher abschnitten.
Experten wie Julie von Wangenheim betonen in diesem Zusammenhang, dass eine gute Besetzung stets mit einer präzisen Problemdefinition beginnen müsse und nicht erst mit einer Namensliste. Ein funktionierendes Netzwerk könne zwar Türen öffnen, die finale Entscheidung müsse jedoch auf fachlichen Kriterien basieren.
Um auf die schwierige Situation am Ausbildungsmarkt aufmerksam zu machen, hat die DGB-Jugend für den 26. September eine Demonstration angekündigt. Damit soll der Druck auf Unternehmen und Politik erhöht werden, die Kommunikations- und Einstellungsverfahren für junge Talente zu verbessern.
